Vom Kultsänger zum System-Hampelmann: Herbert Grönemeyer (Foto:Imago)

Aus “Männer” wird “Frauen”: Haltungs-Barde Grönemeyer trägt seinen Mythos zu Grabe

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Anlässlich des gestrigen Weltfrauentages hielt Herbert Grönemeyer es wieder einmal für geboten, sich mit einer neuen Unterwerfungsgeste dem linksradikalen, kulturmarxistischen Zeitgeist anzubiedern, der in seiner Unterform “Feminismus” wie jedes Jahr am 8. März in ritualisierter Weise in Erscheinung trat. Dies tat er, indem er sein wohl bekanntestes Lied „Männer“ von 1984 in einer pseudofeministisch verhunzten Version präsentierte und einer “Geschlechtsänderung” unterzog: Im Radiosender RBB 88.8 gab er die Neufassung unter dem Titel „Frauen“ zum Besten. Dass ihm die Neuinterpretation selbst dennoch nicht allzu wichtig gewesen sein kann, zeigt der Umstand, dass er die Umschrift des Textes auch gleich noch an einen Mitarbeiter des Skandalsenders delegierte.

Das Ergebnis war dann auch entsprechend: Aus der Textzeile „Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit“ wurde „Frauen machen uns stark, Frauen sind wie Rückenwind“. Aus „Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit“ wurde „Frauen lachen lauthals, Frauen schenken dir ein Kind“. Aus „außen hart und innen ganz weich“, machte man „haben vieles schon allein erreicht“. Es ging jedoch noch schlimmer: „Frauen kaufen gern, Frauen krieg’n zu wenig Lohn, Frauen ackern wie blöde, Frauen lieben Männers Telefon“. Der Refrain „Wann ist der Mann ein Mann“ wurde zu „Wann ist ‘ne Frau ‘ne Frau?“ verbogen.

Dass dieses geistlose präpotente Gestümpere einer Umtextung von einem Mann besorgt wurde, der sich wohl als „Feminist“ sieht, störte offenbar niemanden. Eigentlich wäre hier ein Shitstorm zu erwarten gewesen, dass nicht einmal zum Weltfrauentag ein Lied mit dem Titel „Männer“ von einer Frau verunstaltet werden durfte. Doch solange die Gesinnungsampel auf Grün steht und die neuen Sprachregelungen eingehalten werden, ist ganz egal, welche Mietfeder sich dahinter verbirgt – so wie auch Niveau, Tiefgang und Sinnhaftigkeit der Botschaft vernachlässigbar werden.

Ein wandelndes Trauerspiel

Anscheinend hatte der in seiner Heuchelei seit Jahren immer unerträglichere, systemkonforme und angepasste Salon-Linke Grönemeyer selbst nicht mehr bemerkt, wie sehr die Neufassung Witz, Geist und Seele seines einstigen tiefsinnigen Hits missachtet: Der Original-Text war witzig, kreativ, selbstironisch und spiele mit der Unsicherheit der Männer, die angesichts der Feminismus-Welle der 1970er- und 80er-Jahre mit ihren Frontalangriffen auf alles Männliche ihre gesellschaftliche Rolle oft nicht mehr fanden und oft überfordert sind (“Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht”) . Der vom RBB-Mitarbeiter verbrochene Neutext ist hingegen dümmlich-verkrampft, uninspiriert, gefallsüchtig und verlogen. Immerhin bringen damit beide Elaborate – das “Männer”-Original vor fast 40 Jahren und die weltanschaulich auf Kurs gebrachte Neufassung – auf ihre Weise den gesellschaftlichen  Geisteszustand ihrer jeweilige Entstehungszeit perfekt auf den Punkt.

Dass Grönemeyer, der sich offenbar zunehmend als politisch-korrekter Staatsbarde sieht und während des Corona-Regimes sogar hemmungslos gegen Ungeimpfte hetzte, nur um dann – trotz Mehrfachimpfung – selbst an Corona zu erkranken, bereit war, dieser Entkernung und Verhöhnung seines Liedes die Zustimmung erteilte und damit sein Frühwerk verrät, das ihm seinen Durchbruch als Musiker beschert hatte, zeigt, wie weit es mit ihm gekommen ist. Von “Würde des Alters” kann in seinem Fall nicht die Rede sein – ganz im Gegenteil. Ein einst unangepasster, unbequemer großer Barde, der sich so konformistisch und kriecherisch gegenüber linken Ideologien zeigt, ist einfach nur ein wandelndes Trauerspiel; kein Wunder, dass viele einstige Fans schon lange keine Grönemeyer-Songs mehr hören und nachdem nun auch “Männer” gleichgeschaltet wurde, besteht dazu noch weniger Anlass.  (DM)