Petze (Bild: shutterstock.com/Krakenimages.com)

Presserat leitet Verfahren gegen “Reichelt-Verräter” Holger Friedrich ein

Der, unter dem hochtrabenden Namen agierende Verein “Deutscher Presserat” leitet ein Verfahren gegen “Berliner Zeitung”-Verleger und ehemaligen Stasi-Zuträger Holger Friedrich ein. Friedrich hatte den Ex-Bildchef Julian Reichelt an dessen Ex-Arbeit­geber, Springer-Chef Mathias Döpfner, wegen geleakter Chat-Nachrichten verpfiffen.

Holger Friedrich – Verleger der “Berliner Zeitung”  – soll, nachdem ihm der ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt Mitte April vertrauliche Informationen aus dem Springer-Konzern zukommen ließ, es abgelehnt haben, auf dieser Grundlage etwas zu veröffentlichen. Stattdessen vernichtete er das Material und ging beim Springer-Verlag petzten. Der feine Herr Friedrich habe, so die Berichterstattung über Friedrichs Petzerei, die Justiziare des Konzerns darüber informiert haben, dass Reichelt ihm vertrauliche Informationen schickte.

Nun hat sich der unter dem oberwichtigen Namen “Deutscher Presserat” operierende Verein eingeschaltet und ein Verfahren gegen Friedrich eingeleitet. Wie die Alpenprawda Süddeutsche Zeitung berichtet, habe der Ex-Stasizuträger damit gegen Ziffer 5 des Presse­kodexes, Berufs­geheimnis und Quellen­schutz, verstoßen. Zwei entsprechende Beschwerden seien beim Presserat eingegangen, der Fall werde im Juni behandelt.

Generell ist es so, dass jeder Beschwerde beim Presserat einreichen kann, die drohenden Sanktionen haben hauptsächlich Symbol­charakter. In diesem Fall “wird es anders sein und das muss es auch”, meint der ehemalige “Spiegel”-Chef­­redakteur und staatstreue Einordner Georg Mascolo. In für ihn typischen Weltenbewegertonfall meint Mascolo:  “Wenn es um den Schutz der Vertraulich­keit geht, darf der Boden nicht schwanken, sonst gerät Großes in Rutschen”.

Ob das bei der Oberpetze Friedrich dieses Mal funktioniert, darf bezweifelt werden. Der Deutsche Presserat leitet schon eimal ein Verfahren gegen Holger Friedrich ein, als er als damaliger neuer Eigentümer und Verleger der Zeitung “Berliner Zeitung” Anfang 2019 in eine Kontroverse geraten war. Der Presserat untersuchte, ob Friedrich gegen journalistische Standards verstoßen habe, insbesondere gegen den Pressekodex, der in Deutschland als freiwillige Selbstverpflichtung für Medien gilt. Konkret ging es um Vorwürfe, dass Friedrich in seiner Funktion als Verleger versucht hat, Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung der Zeitung zu nehmen. So soll er laut Medienberichten beispielsweise versucht haben, eine kritische Berichterstattung über seine Person zu verhindern oder zu beeinflussen. (SB)

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