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Konservative: Aufpassen oder einpacken

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Viele, die sich selbst als Konservative begreifen, verhalten sich allerweil kein Stück anders als ihre politischen Gegner von der Linken. Wahr ist, was ihnen gefällt. Gefällt es ihnen nicht, dann hat es gefälligst auch nicht wahr zu sein. So wird das nichts mit der konservativen Revolution.

von Max Erdinger

Die beste Definition eines Konservativen ist die folgende: Ein Konservativer will bewahren, was immer gilt. Was immer gilt, ist, daß letztlich an der Wahrheit kein Weg vorbeiführt. Was jeweils wahr ist, läßt sich nicht in jedem Fall mit derselben Leichtigkeit feststellen. Oft genug auch überhaupt nicht. Das ändert aber nichts daran, daß sich auf jeden Fall immer leichter feststellen läßt, was nicht wahr sein kann, als daß sich feststellen ließe, was wahr ist. Was der Konservative aus welchen Gründen auch immer für wahr halten will, ist in seinem Fall so irrelevant wie bei der progressistischen Linken. Ob die Palästinenser seit 75 Jahren Grund haben, den Zionistenstaat und seine Vertreter zu hassen, hängt nicht davon ab, ob man die Palästinenser mag oder nicht. Überhaupt “Palästinenser”: Golda Meir hat einmal einleuchtend erklärt, warum sie selbst Palästinenserin ist. Weil die Gegend zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer nun einmal Palästina genannt wird. Gegend, Region, Staat, Nation und Land sind nicht dasselbe. Die meisten Zionisten sind zwar Juden, aber deswegen sind noch lange nicht die meisten Juden auch Zionisten.

Die “Ha-Ichud HaLeumi–Tkuma” (“Religious Zionist Party”) gab es zwischen 1998 und 2021 in Israel nicht umsonst. Weshalb hätte sie sich selbst als “religious” bezeichnen sollen, wenn es nicht auch areligiöse Zionisten gäbe, mit denen in dieser Partei offenbar niemand verwechselt werden wollte? Was hat es zu bedeuten, daß zunehmend Rabbiner zu hören sind, die behaupten, das Vorgehen der Zionisten um Netanyahu im Gazastreifen widerspreche ihrem Glauben? Warum wollt ihr das nicht wahrnehmen und darüber nachdenken? Weil euch “Konservativen” das Feindbild Islam und der Terror-Palästinenser so ans Herz gewachsen sind, daß jeder, der Moslems und Terror-Palästinensern mal “ordentlich auf den Sack” gibt, automatisch eure Unterstützung hat, ganz nach dem Motto, daß der Feind eures Feindes euer Freund sein muß? Leider ist es so, daß die ungeliebten Palis tatsächlich viel Grund haben, die Vertreter des Zionistenstaats zu hassen. Ob das so ist oder nicht, hängt nicht davon ab, ob ihr die Palis mögt oder nicht. Ich kann mit denen auch nicht viel anfangen. Und? Der Staat Israel selbst verdankt seine Existenz zu einem nicht geringen Teil zionistischem Terror gegen Araber. Darf ich mich also hinter “die Juden” oder einer Entität namens “Israel” verstecken, um entlang meiner eigenen Präferenzen zu urteilen und mir dabei noch mordsmäßig gerecht vorzukommen? Linke machen das in vielen Zusammenhängen systematisch so. Die behaupten beispielsweise, die menschliche Zweigeschlechtlichkeit sei Einbildung, die Sexualität habe mit Fortpflanzung höchstens am Rande zu tun – und ignorieren zugleich den Erfolg des islamischen “Geburten-Dschihad” (“Wir gebären euch zu Tode”).

Auf den Profilseiten von Leuten, die ich bisher für Konservative gehalten hatte, finde ich heute Memes von Maiskörnern, die “Allahu akbar!” rufen – und darunter Maiskörner in der Form von Popcorn. Ist das das konservative Niveau? Die Klimagretl aus Schweden spricht sich für ein Ende des Völkermordes und der Kriegsverbrechen im Gazastreifen aus – und was machen “Konservative” aus ihr? Ein Meme, auf dem sie mit ihrem “How-dare-you”-Gesicht als palästinensische Terroristin mit einem Märtyrer-Stirnband dargestellt wird. Dieselben Konservativen platzen aber vor Empörung, wenn ihnen von der selbstgerechten Linken ein Hitlerbärtchen unter die Nase montiert wird. Habt ihr sie eigentlich noch alle?

Und Ruhe jetzt mit diesem albernen, pseudoexkulpatorischen Gezeter von der “Verteidigung Israels” gegen die Hamas! Im Gazastreifen findet ein Genozid und ein Kriegsverbrechen statt. Ob euch das gefällt oder nicht, spielt nicht die geringste Rolle. Die Tatbestände “Völkermord” (Genozid) und “Kriegsverbrechen” sind nach international gültigen Kriterien eindeutig definiert. Das hängt nicht davon ab, wer jeweils Täter und wer jeweils Opfer ist und ob euch Nasen die Täter sympathisch und die Opfer unsympathisch sind. Das erkläre mir mal einer von euch “Konservativen”, weshalb im Westjordanland in den vergangenen Wochen über 200 Palästinenser von staatlicher Seite Israels gemeuchelt worden sind, obwohl die mit der Hamas nicht das geringste zu tun haben. Das Westjordanland zählt noch nicht einmal zum israelischen Staatsgebiet. Im Westjordanland hat die Fatah das Sagen – und die ist der Hamas spinnefeind.

Wie kommt es überhaupt, daß ihr euch durchaus fragen könnt, ob eine deutsche Regierung automatisch auch pro-deutsch ist, daß ihr euch aber analog dazu die gleiche Frage nicht stellen könnt, wenn es um eine palästinensische Terrororganisation geht? Müsst ihr euch deswegen nicht fragen, ob die Hamas pro-palästinensisch ist, weil euch ganz gut in den Kram passt, daß sie auf jeden Fall palästinensisch ist? Die Hamas muß offenbar nicht rechnen können. Wie sonst wäre sie wohl auf die Idee gekommen, 1.400 gekillte Israelis gegen inzwischen 12.000 gekillte Palis für einen guten Deal zu halten? Sind euch solche Fragen egal, weil euch “Pali bekommt auf den Sack” entlang eurer Ablehnung des Islam – die ich durchaus teile – schon ausreicht, um euch zu den Gerechten zu zählen? Es ist verdammt egal, was euch ausreicht oder was euch gefällt und was nicht, wenn es darum geht, herauszufinden, wie es ist. Ist die Hamas als palästinensische Terrororganisation zwingend auch pro-palästinensisch? Oder könnte das eventuell eine Truppe von übelst indoktrinierten Idioten sein, die sich, gerade weil sie indoktrinierte Idioten sind, jederzeit an den Meistbietenden verhökern läßt, der sie dann in sein eigenes Messer laufen läßt, wenn er eine Begründung braucht, um beispielsweise einen “Krieg gegen die Hamas” zu starten, an dessen Ende dann – leider, leider – das Ende des Gazastreifens als einem palästinenesischen Siedlungsgebiet steht? Was natürlich niemals nicht der vorher ausgeheckte Plan von irgendwem sein könnte und auch mit der Erschließung des Gasfeldes “Leviathan” vor der levantischen Küste durch “Chevron” garantiert nichts zu tun hätte, obwohl die Terror-Palis im Gazastreifen womöglich “Teilhabe” an den zu erwartenden Gewinnen gehabt hätten? Weil die Amis noch nie jemanden für Öl oder Gas haben killen lassen? Könnte es noch nicht einmal der Plan genau derjenigen Zionisten sein, die sich seit Jahrzehnten ein araberfreies Israel wünschen, das genau so auch oft genug öffentlich zugegeben hatten, und die zufällig gerade an der Regierung sind? Weshalb versagte das “beste Sicherheitskonzept der Welt” am 7. Oktober ausgerechnet in der Amtszeit von Mr. Hardcore-Zionist Netanyahu, der sich selbst jahrelang zum “Mr. Sicherheit” stilisiert hatte? Und warum ist das nicht eines der absoluten Top-Themen im transatlantischen Mediennetzwerk? Warum haben die obersten drei Terror-Palis jeder mehr Privatvermögen als beispielsweise Donald Trump oder Wolodymyr Selenskyj? Weil sie unbestechlich sind, etwa? Weil ihr Geschäftsmodell sich grundsätzlich von dem eines Söldnerchefs wie Prigoschin unterscheidet? Habt ihr eigentlich Tomaten auf den Augen?

Sahra Wagenknecht in Sachen Ukrainekrieg, Greta Thunberg in Sachen Gazastreifen: Ob es euch gefällt oder nicht, ihr “Konservativen” – auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Was ein Korn ist, ändert sich dadurch nicht. Aber “dem Pali auf den Sack” reicht euch? Was genau hätte Deutschland mit solcherart Limitierten wie euch zu erwarten? Besserung? – Ihr spinnt wohl. Ihr wärt das rechte Äquivalent zu den Zerebralphimotikern von links. Das braucht kein Mensch.