Au weia: Robert Habeck - Foto: Imago

Dichter & Denker: Habeck in Höchstform

Unser aller gemeinsamer Bundeswirtschaftsministrant Robert Habeck schöpfte aus dem Quell seiner unermeßlichen und daher unbegreiflichen Weisheit, als er eine Rede auf einer Tagung der Mittelstandsvereinigung hielt. Ein zeitgeschichtliches Dokument. Hier die Abschrift. Zum Nachlesen. Wegen der Zeit, die man beim Nachlesen zum Nachdenken hat. Es denkt schließlich niemand so schnell wie Habeck reden kann.

von Max Erdinger

Habeck Mittelstand
“Weißte Bescheid jetzt, Mittelstand” – Screenshot “X”

O-Ton Bundeswirtschaftsmini.: “… aber die permanente Neugenehmigung, die Doppel- und die Dreifachung und das Berichten für Pflichten, bevor sie überhaupt eingegangen sind, also um einen Auftrag zu generieren schon mal nachzuweisen, daß wenn man ihn erfüllen würde, man Folgendes getan hat, daß wir das nicht brauchen.” – Naaa? Mitgekommen? Prima. Weiter geht’s. “Wir können schlanker, effizienter und in dem Sinne agiler werden.” – Aha. Können wir also. In welchem Sinne nochmal? Na egal. Darüber nachdenken, wahrscheinlich. Schlank und agil. Wegen der Dreifachung. “Die Bürokratie ist wie eine Last auf uns.” – Schrecklich. Vor allem, weil wieder einmal wir gemeint sind, auf denen die Last lastet. Wahrscheinlich wir alle gemeinsam, die Menschen. “Das Gute ist, sie abzubauen, kostet kein Geld. Sie kostet nur, und das ist der Punkt, den ich machen will, unternehmerischen Mut. Das ist buchstäblich so gemeint.” – Sapperlott. Bürokratieabbau kostet also buchstäblich unternehmerischen Mut. Weil die Unternehmer nämlich buchstäblich die Bürokratie aufgebaut haben. Oder so. Sag ich jetzt mal, irgendwie buchstäblich. Sie verstehen schon. “Warum ist die bürokratische Last so hoch? “ – weil sie nicht niedriger ist? “Nun, weil Bürokratieverwaltung ja quasi der Staat ist. Und der Staat, das muß man verstehen, daß die Bürokratie entsteht aus etwas Gutem heraus. Wenn man nur sagt, das sind alles Idioten, versteht man nicht, wo das Problem ist.” – daß das alles Idioten sein könnten, wäre ja nun wirklich eine absurde Idee. Trotzdem: Bedeutet nicht Bürokratie schon Verwaltung? Wäre dann die Bürokratieverwaltung eigentlich eine Verwaltungsverwaltung? Es ist etwas Gutes, denn der Staat macht ja keine Fehler.” – Natürlich macht der Staat keine Fehler. Weil er etwas Gutes ist, aus dem etwas herauskommt. Der Staat ist also quasi die Gebärmutter des Guten. Ich schwör’. Echt ma’, jetzt.

“Stellen Sie sich vor, jede zweite Baugenehmigung wäre wieder zu kassieren und Sie wären mit dem Risiko alleine gelassen. Jede zweite Lebensmittelausgabe, Bäcker oder Restaurants wäre gesundheitsgefährdend …” – ok. Stellen wir uns mal vor. Wir alle gemeinsam, die Menschen im guten Staat, dem fehlerfreien. Und dann stellen wir uns noch vor, jedes zweite Flugzeug würde abstürzen. “… alle hätten permanent Durchfall. Wäre auch nicht gut.” – Naaa? Mitgedacht? Wenn alle Durchfall oder Absturz hätten, dann hätten alle auch nur bei jedem Zweiten eingekauft und jeden ersten Flieger ausgelassen. “Der Staat macht keine Fehler, soweit so gut.” – Soso. Sosososo. “Wenn der Staat aber keine Fehler macht und alle Bauverfahren bis zur Genehmigung für Stromleitungen vor Gericht beklagt werden, dann will er auch gar keine Fehler machen.” – weshalb wir alle gemeinsam dem fehlerfreien Staat nicht nur unterstellen sollten, daß er keine Fehler macht, sondern auch, daß er gar keine machen will. “Und so kommt es, daß die Verwaltung …” – die Verwaltung oder die Verwaltungsverwaltung? – “… immer auf der Höhe der technischen Entwicklung Erkenntnisse gewinnt über die Messung von infrafrequentem Schall, die Möglichkeit, wie man Bakterien oder Allergieformen in irgendwelchen Lebensmitteln aufspüren kann.” – Aufspürmessungen und Verwaltungsverwaltungserkenntnisse also. Gar nicht so schwer zu verstehen, wenn man dem Herrn Habeck aufmerksam folgt. “Dann werden irgendwelche Arten detektiert …” – ah woher, sherlockholmsimiert werden sie – ” … die man noch mit anderer Sensorik jetzt messen kann.” – Sherlockholmsimierungssensorik also.

“Und so kommt immer ein Druff und ein Druff und ein Druff …” – das muß jetzt wohl diese sagenhafte Dreifachung sein – ” … weil ja alles wieder beklagt werden kann.” – die verwaltungsverwaltungsintensive Dreifachungsbeklagung, wahrscheinlich. “So baut sich quasi die Bürokratie aus sich selbst heraus auf.” – Logo. Weil es an unternehmerischen Mut fehlt. “Aber der Punkt ist, weil wir keine Fehler machen wollen …” – ja, würde es denn nicht reichen, daß der Verwaltungsverwaltungsstaat keine Fehler macht, egal, ob er will oder nicht? – “… wenn wir also nie Fehler machen wollen, dann werden wir in Bürokratie absaufen.” – Mut zum fehlerhaften unternehmerischen Mut, also, oder wie? Als aktiv antiaktive Maßnahme gegen die aktive, verzagtunternehmerische Furcht vor der Bürokratieabsaufung, oder was? “Die einzige Chance …” – na ja, wird schon kein Fehler gewesen sein, das mit der einzigen Chance. Egal, welche.

Bundeswirtschaftsministerium: Vor der Rede

Womöglich lief das so ab im Bundeswirtschaftsministerium vor der Mittelstandstagung: “Muß ich bei denen wirklich eine Rede halten?” – “Ja, du mußt, Robert.” – “Aber ich weiß doch gar nicht, was ich da sagen soll. Die kennen sich doch selber aus!” – “Dann machst du eben fünf Minuten lang Lautmalerei mit Wörtern.” – “Ja, aber welche Wörter denn?” – Hier, Robert, ich habe dir schon einmal eine Liste mit schönen Wörtern zusammengestellt. Wozu haben wir schließlich ein innerministerielles Kompetenzsimulationsgerät?” – “Zeig’ mal her: Dreifachung, generieren, effizient, agil, Bürokratieverwaltung, permanent, Durchfall, infrafrequent, detektiert, Sensorik … – na gut, ich probier’s. Und wehe, es lacht von euch einer, wenn ich von diesen Mittelstandsärschen wieder zurückkomme, nachdem ich sie dreifachungsbelautmalert habe.” – So könnte das vorher gelaufen sein im Bundeswirtschaftsministerium bevor der Herr Habek aufbrach, um eine Rede vor der Mittelstandsvereinigung zu halten.

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