Demokratieroboter? Diktator? - Foto: Imago

Löblich & Evergreen: Der demokratische Diskurs

Warum das Demonstrieren in der Demokratie so überaus nützlich ist, daß es glatt die demokratische Westwertwelt verändert, habe ich gestern schon erklärt und zugleich dazu aufgefordert, daß Demokraten demonstrieren gehen sollten. Aber es gibt in der Demokratie noch ganz andere Begriffe als “Demonstration”. Ein paar illustrierende Beispiele.

von Max Erdinger

Mit das Schönste an der Medien- & Massendemokratie, dieser Idealform der Demokratie, ist, daß die Menschen in der Demokratie wählen dürfen, wenn sie ein entsprechendes Lebensalter erreicht haben. Sie sind dann wahlberechtigt und somit “Wahlberechtigte”. Das ist ein sehr schönes Wort, weil es mordsdemokratisch klingt. Was hat man sich nun unter einem demokratischen Wahlberechtigten in der menschlichen Gesellschaft vorzustellen? Ich will hier nicht allzu viele Worte machen, sondern ein paar Fotos aus der Glanzzeit der Demokratie einstellen, die bestens illustrieren, in welchen Erscheinungsformen es “Wahlberechtigte” gibt. Die folgenden Bilder zeigen, mit welchen Wahlberechtigten man zu demokratischen Glanzeiten rechnen muß.

Wahlberechtigter 1
Wahlberechtigter – Screenshot Facebook
Wahlberechtigter 3
Wahlberechtigter – Screenshot Facebook
Wahlberechtigter 4
Wahlberechtigter – Screenshot Facebook

Extrem wichtig ist in der Demokratie die “Meinungsfreiheit”. Damit ist die Freiheit gemeint, sich eine Meinung machen zu lassen. Damit man eine hat. Am besten die richtige. Ohne eine richtige Meinung – egal, woher man sie hat und ob sie etwas taugt – ist man in der Demokratie ein Minderdemokrat. Oder gar keiner. Weil man dann zwar zu den Wahlberechtigten zählen würde, mangels einer Wählermeinung aber nicht wüsste, wen man wählen soll.

JFK Meinung Gedanke
“Meinungsfreiheit” – Screenshot Facebook
Meinungsfreiheit
Meinungsfreiheit – Screenshot rbb

Ein zentraler Begriff der Demokratie ist auch der “Parlamentarismus”. Das Wort kommt vom franzöischen “parler”, was soviel heißt wie “sprechen”. Im Parlament steht also jemand am Rednerpult und spricht. Die anderen Parlamentarier daddeln derweilen auf ihren Smartphones herum. In der Massen- und Mediendemokratie gibt es das Parlament noch, damit die meinungsinhabenden Demokraten auch weiterhin glauben sollen, der eine Redner am Sprecherpult spreche, weil er sich sicher ist, die anderen Parlamentarier von seiner Meinung überzeugen zu können, weil die schließlich daran interessiert seien, der Brillanz seiner Gedankengänge zu folgen, um so zu den bestmöglichen Entscheidungen für das Volk zu kommen, welches sie im Parlament vertreten. Dabei ist es so: Die Parlamentskollegen der eigenen Fraktion braucht der Redner nicht mehr zu überzeugen – und die Parlamentarier der anderen Fraktionen hassen oder verachten ihn, wenn sie ihn nicht sowieso lächerlich finden. Deshalb daddeln sie lieber auf ihren Smartphones. Wenn der Akku seines Smartphones leer ist, verlässt der Abgeordnete den Plenarsaal, wenn jemand redet, dem er nicht zuhören will. Die politischen Entscheidungen in der Medien- und Massendemokratie fallen heutzutage ganz woanders als ausgerechnet im Parlament. Das Parlament ist ein schrulliger Anachronismus, oder, wie mancher auch sagt: Demokratieschminke.

Parlamentarismus
Parlamentarismus – Screenshot FAZ
Parlamentarismus2
Leerer Akku im Parlamentarismus: Der Abgeordnete geht und sucht sich eine freie Steckdose – Screenshot rbb

“Frauenrechte” sind noch immer ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie. Obwohl es den “Kampf gegen rechts” gibt. Und obwohl in der Demokratie inzwischen auch die Menschenrechte große Bedeutung hätten. Es ist schade, daß es heutzutage immer noch Frauenrechte in der Demokratie gibt. Die Demokraten sollten einmal dagegen demonstrieren. Weil es die Menschenrechte gibt, gibt es auch die Menschenwürde in der Demokratie. Die ist extrem wichtig geworden, seit die Bürger in der Demokratie zu den “die Menschen” in der Demokratie geworden sind.

Frauenrechte
Die Frauenrechte – Screenshot Facebook
Menschenwuerde
Die Menschenwürde in der israelischen Demokratie – Screenshot Facebook
famine Gaza
Die Menschenrechte in der israelischen Demokratie – Screenshot Facebook

Ganz wesentlich für den demokratischen Diskurs in der Demokratie ist die gesellschaftliche Debatte über die Volksvertreter bzw. die Teilhabe an derselben. Am wichtigsten ist jedoch – Debatte hin oder her – daß die Volksvertreter den Krieg überleben, weil sie ansonsten im Sonnenschein nicht mehr braun werden würden. Hier zwei Volksvertreter im Sonnenschein. Im Hintergrund das vertretene Volk. Es hat sich ausgebräunt.

Blinken Kiew
Volksvertreter im Sonnenschein – Screenshot Facebook

Keinesfalls zu unterschätzen ist in den wertewestlichen Demokratiemedien der unabhängige Journalismus. Die unabhängigen Journalisten bilden trotz aller Aufrufe zur Gewaltfreiheit die vierte Gewalt. Als solche sorgen sie dafür, daß es bei den Demokraten zu keiner abhängigen Meinungsbildung kommt, sondern zu einer unabhängigen. Besonders unabhängig ist die wertewestliche Meinung von der russischen. Für die entsprechende Unabhängigkeit sorgt das transatlantische Mediennetzwerk in der wertewestlichen Demokratie. In Deutschland geben sich die demokratischen Meinungsmacher die wertewestlichste Mühe von allen, den demokratischen Meinungsinhaber frei von russischer Meinung zu halten.

Transatlantisches Netzwerk 2
Transatlantisches Mediennetzwerk – Screenshot Facebook

Schlicht nicht denkbar ohne das transatlantische Mediennetzwerk sind die deutschen Diskursgesichter und ihre Kochlöffel. Hier die Diskursgesichter. Zum Kochlöffel weiter unten.

Diskursgesichter
Deutsche Diskursgesichter in der Demokratie – Foto: jouwatch

Oft und leider zu Unrecht übersehen wird im demokratischen Diskurs der hölzerne Kochlöffel. Im Grunde wird er sogar verschwiegen. Obwohl er für die deutschen Diskursgesichter von essentieller Wichtigkeit ist. Er kommt dennoch oft, aber nur diskret zur Anwendung. Hier ein Bild des diskursessentiellen Kochlöffels.

Kochloeffel
Diskursessentieller Kochlöffel – Screenshot “Olivenholz-Geschenke”

Den essentiellen Diskurskochlöffel trägt das deutsche Diskursgesicht in der Republik meistens in der Innentasche seines Jackets. Wenn es sich unbeobachtet fühlt, nimmt es ihn heraus und haut sich damit auf den Kopf. Besonders gern macht es das dann, wenn es weiß, daß es wegen seiner verpflichtenden Teilhabe gleich eine gemachte Meinung zum gesellschaftlichen Diskurs beisteuern muß. Während es sich mit dem Kochlöffel auf den Kopf haut, murmelt es bestimmte Kurzphrasen, wie, um sich selbst zu beschwören: “Aua Hitler!” ist eine beliebte Kochlöffel-Begleitphrase. “Aua Völkermord!” wird auch gern genommen. Seltener murmelt es “Aua Kriegsverbrechen!”. Öfter hingegen “Aua-Antisemitismus!”. Seinen demokratischen Diskurs-Kochlöffel braucht das deutsche Diskursgesicht, damit ihm nach einem Schlägchen auf den Kopf wieder einfällt, warum es “I Stand With Israel” an die nächstbeste Hauswand oder in den Schnee pinkeln muß.

Um die Diskursgesichter herum werden derweil knallharte Tatsachen geschaffen. Ob wir uns wohl ein wenig darüber unterhalten sollten in wohlgesetzten Worten? Deutschland: Die Titanic geht unter und an Deck führen alle einen demokratischen Diskurs darüber, ob das wohl ein Untergang ist – oder ob nicht doch bloß der Meeresspiegel steigt. Ihre Meinung zählt! Führen Sie einen gesellschaftlichen Diskurs, werden Sie Gast in der allgemeinen Talkshow oder gehen Sie demonstrieren! Hoffentlich geht der Kochlöffelhersteller demnächst nicht auch noch pleite. Sonst wäre es das nämlich gewesen mit dem qualitativ hochwertigen Demokratiediskurs “Made in Germany”. Wir müssen, wir brauchen & wir dürfen nicht. F*ck y’all, Diskursgesichter!

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