Regierungsstudie „Zukunft von Wertvorstellungen“: Wie sich Linke das Neue Deutschland vorstellen

Die Zukunft Deutschland? Nicht für die Regierung und ihre Ratgeber (Symbolfoto: Von isoga/Shutterstock)

Hunderte von Millionen Euro wirft die Bundesregierung – Jahr für Jahr aufs Neue vom Bund der Steuerzahler wie vom Rechnungshof gleichermaßen beanstandet – für in ihrem Nutzen großteils fragwürdige Gutachten und Berichte zum Fenster hinaus. Nur selten dringen die bestellten und oftmals überteuerten (Gefälligkeits-)Expertisen an die Öffentlichkeit. Jedoch, eine wissenschaftliche Studie unter dem bezeichnenden Titel „Zukunft von Wertvorstellungen der Menschen in unserem Land“, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung vergangenen August vorgestellt hat, gelangte mittlerweile doch zu einer gewissen medialen Aufmerksamkeit – vielleicht auch deshalb, weil sie sich als Agenda des Corona-Staat lesen lässt und als eine Art Road-Map, wie sich der neue Linksstaat die Zukunft Deutschlands ausmalt.

Zehn Monate nach seiner Veröffentlichung – einen Lockdown und etliche Anschläge und gewalttätige Übergriffe durch kulturfremde Zuwanderer später – lesen sich die darin entworfenen Visionen und Konzepte zum Teil wie eine zynische Bestandsaufnahme eines Landes, dessen gesellschaftliche Realität von deren Rezeption durch die akademischen und politischen Eliten nicht weiter entfernt sein könnte. Was wirklich in diesem Deutschland passiert, was die realen Nöte und Befindlichkeiten der Bevölkerung sind und was sich im Alltag an Konflikten abspielt, hat mit den Abstraktionen und Scheinproblemen der Studienautoren rein nichts gemeinsam – und deshalb ist auch die „Zukunft der Wertvorstellungen“ (nicht der „Deutschen“, wohlgemerkt, sondern „der Menschen in unserem Land“ laut Studientitel) völlig disjunkt zum realen identitären und mentalen Zustand der „hier Lebenden“.

Dies wird schon daran deutlich, dass auf den 225 Seiten der Studie kein einziges Mal der Begriff „Islam“ auftaucht (auch nicht die Worte „Scharia“ oder „Muslime“ bzw. „muslimisch“)  – und dies bei einer Untersuchung, die die „Zukunft von Wertvorstellungen“ in Deutschland zum Gegenstand hat und wo doch bereits die Gegenwart von einer immer massiveren Konfrontation mit dem politischen Islam und ungerichteten Islamisierungsbestrebungen geprägt ist. Alleine diese Ausblendung unterstreicht den wissenschaftlichen „Wert“ des Reports. Migration wird darin, wie andere Schlagworte des Globalisierungswahns, selbstverständlich durchaus behandelt – ebenso wie Diversität und Vielfalt – allerdings mit der gewohnt verklärenden, kulturrelativistischen Bagatellisierungsmasche, nach der die Sozialisation von Zuwanderern in ihren Herkunftsländer beliebig und unterschiedslos als gleichrangig, chancenreich bzw. bereichernd anzusehen sei – womit sie dann auch gleich final entproblematisiert wird.

Und natürlich darf auch die Corona-Krise mit ihren mittel- bis langfristigen Auswirkungen in der Abhandlung nicht fehlen. Die unkritische bis geradezu verherrlichend-propagandistische Hervorhebung angeblicher Positiveffekte der Lockdowns atmen ebenfalls einen unerträglichen Zynismus – und taugen, vor allem mit Blick auf die Bundesregierung pikanterweise als Auftraggeberin der Untersuchung – zur Bestärkung der Vermutung, dass es bei dieser Pandemie nicht wirklich um ein Gesundheitsproblem, sondern um eine gesellschaftspolitische Agenda handelte. So ist da ganz ungeniert zu lesen: „Für die zukünftige Analyse (stellt sich) die Frage, ob … beispielsweise die angesichts der COVID­-19­-Pandemie im Kleinen erstarkte Solidarität, in Form von Nachbarschaftshilfe oder Spendenaktionen, erhalten bleibt und zu einem gesamtgesellschaftlichen Mehr an Gemeinsinn und Kooperation führen wird.

Corona: alles super, der Islam wird nicht einmal erwähnt

Und auch die Bedeutung der Pandemie als Treiber der überfälligen Digitalisierung Deutschlands wird gefeiert; da ist euphemistisch von einem „coronabedingten Digitalisierungsschub in vielen Lebensbereichen“ die Rede oder wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass sich durch die nun „stärkere Hinwendung zu digitalen Medien eine Veränderung der Wertevermitt­lung vollziehen wird„.

Der linksideologische, ganz im Sinne der politischen Auftraggeber vorgenommene Blick in die Glaskugel sieht verschiedene Szenarien, in welche Richtung sich die deutsche Gesellschaft (bzw. das, was nach ihrer planmäßigen Kreolisierung durch ethnische Umstrukturierung von ihr übriggebliebene sein wird). Die Autoren der Studie nehmen dabei ganz deutliche Wertungen vor und beschreiben, was ihnen wünschenswert und zukunftsfähig erscheint – und was aus ihrer Sicht eher pejorativ, als „Dystopie“ angenommen wird. Optimistisch schildern sie etwa die Vision des „europäischen Weges„, konkret: einer „europäisch denkenden und handelnden Gesell­schaft, die gemeinsam mit den EU-­Partnern selbst­ bewusst die eigenen Interessen und Vorstellungen vertritt und dabei auch bereit ist, sich bewusst vom Rest der Welt abzugrenzen„. Es ist die schönfärberische Umschreibung des EU-Zentralismus und Dirigismus.

Ihm als Negativum gegenüber steht dann das, was die alte Bundesrepublik groß gemacht hat – die soziale Marktwirtschaft und integrative Mittelstandsgesellschaft. Bei ihr werden „anhaltende Einkommensunterschiede, zunehmender Egoismus und Leistungsorientierung“ verortet. Für die Verfasser der Studie ist sie „…eine durch weitreichende ökonomische Deregu­lierung geprägte Gesellschaft, die sich maßgeblich an den Paradigmen des größtmöglichen Wettbe­werbs und des Leistungsprinzips orientiert, in der aber nicht alle das hohe Tempo mitgehen können: der Wettbewerbsmodus.“ Dieser sei begleitet von „einem Auseinanderdriften der Wertvor­stellungen innerhalb Deutschlands, das von mehr als zwei Dritteln der Personen in unserer repräsentativen Bevölkerungsbefragung konstatiert wird.

Spaltung allenfalls wirtschaftlich

Außerdem sähen 60 Prozent der für die Studie Befragten „Bewohner dieses Landes“ einen „abnehmenden Zusammenhalt in der Gesellschaft„. Da qualitativ hier leider nicht weiter erläutert wird, was unter „Zusammenhalt“ gemeint ist (möglicherweise handelt es sich für die Befragten dabei um die oben beschriebene, von den meisten Deutschen durchaus kritisch wahrgenommene, wachsende Spaltung und Kluft zwischen migrantischen Parallelgesellschaften und angestammt-indigener Bevölkerung, die hier wohlweislich im Interesse der politischen Studienauftraggeber verschwiegen werden soll), wird hier insinuiert, damit sei ein mangelnder „sozialer Zusammenhalt“ durch wirtschaftliche Ungleichheiten gemeint. So etwas wie Beschränkungen von Grundrechten und Meinungsfreiheit, Polarisierung der Positionen und Ausgrenzung unerwünschter Ansichten wird gar nicht erst nicht thematisiert.

Vor allem darf der große Popanz Klimawandel als Schrittmacher des von oben verordneten Wandels nicht fehlen: „Eine Welt, in der ein zunehmend dynamischer Kli­mawandel zur Herausbildung neuer ökonomischer Leitbilder, zu sozialen Innovationen und Dezentra­lisierungstendenzen, aber auch zu Wohlstands­einbußen führt„, präge das Konzept der ökologische Regionalisierung, die auch für Deutschland ein mögliches Zukunftsszenario darstelle. Damit dürften die Autoren sogar recht haben – mag doch bislang niemand die ökologische Geisterfahrt Deutschlands mittragen und es sich beim „grünen Wunder Deutschland“ daher auch zukünftig nur um ein Nischenmodell handeln: Deindustrialisierung bei Verteuerung der Energiepreise und faktischer Abhängigmachung von ausländischen, konventionellen Stromquellen, während die „nachhaltige Energiewende“ im eigenen Land zur obersten religiösen Mission erklärt wird, der niemand sonst folgen mag.

Dass dieses Deutschland bald schon ganz andere Sorgen haben wird, als sie hier in den durchklimatisierten Büros staatlich alimentierter Gutachter und Auftragssoziologen hypothetisiert werden, pfeifen die Spatzen längt von den Dächern: Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung durch demographische Unabänderlichkeiten hin zu einer überwiegend orientalisch-vorderasiatisch-afrikanisch geprägten Mischgesellschaft;  zunehmende Militanz und Extremisierung von (eingewanderten) Weltanschauungen; Wohlstandsverlust und Kollaps des Sozialstaates, die eine Heerschar von mit hohen Alimentierungserwartungen ins Land gekommener Anspruchssteller frustrieren und noch weniger „integrationsbereit“ machen werden; frappierender Bildungsabbau und Erosion sozialer Umgangsformen, vom Verlust christlicher und sittlicher Werte ganz zu schweigen. Über diese „Zukunftsvisionen“ ist in dem Report nichts zu lesen. Doch für eine realistische Risikobewertung hat die Regierung ja auch nicht bezahlt. (DM)