Natalie Amiri interviewt 2015 einen Regime-Anhänger; Foto: NDR

Heimliche Unterwanderung – Warum ignorieren ARD und ZDF die Revolution im Iran?

Im Iran findet eine Revolution gegen das Mullah-Regime statt. Doch bei ARD und ZDF gibt es nur stundenlange Berichte über Ukraine und Russland, während die Aufstände in 150 Städten des Iran eher beiläufig erwähnt werden. Woran liegt das? Oppositionelle warnen vor einer Unterwanderung deutscher Institutionen durch das Regime.

Am 25.9. berichtete Marietta Slomka im »heute Journal« 16 Minuten lang über die Ukraine und den angeblichen landesweiten Protest gegen die Mobilmachung in Russland – mit Reportagen vor Ort und einem Interview mit der Expertin Dr. Claudia Major von der regierungsfinanzierten Stiftung Politik und Wissenschaft. Über die Revolution im Iran, bei der mindestens 55 Menschen (Opposition: 150+) bisher getötet wurden, gibt es 30 Sekunden lang eine trockene Meldung, ohne ein Einziges der bewegenden Bilder, die uns dieser Tage auf Twitter aus dem Iran erreichen.

In den ARD »Tagesthemen« berichten Aline Abboud und Constantin Schreiber am 25.9. ebenfalls nur 30 Sekunden über den Iran – ohne den Namen oder die Bilder der vermutlich von der Scharia-Polizei ermordeten Mahsa Amini oder einer der vielen weiteren jungen Frauen zu erwähnen, die in den vergangenen 10 Tagen vom Regime getötet wurden.

Man merkt eine auffallende Zurückhaltung der sogenannten »Öffentlich-Rechtlichen« Medien in Bezug auf die Revolution im Iran – während in Ukraine-Berichten manipulativ-propagandistisch auf die Tränendrüse gedrückt wird, und vorwiegend Frauen und Kinder als Opfer gezeigt werden. Woran liegt das?

Iranische Oppositionelle warnen, dass das Mullah-Regime deutsche Medien, Universitäten und Politik gezielt unterwandert haben, um für eine positive Darstellung der »Islamischen Republik Iran« zu sorgen.

Moderatorin Aline Abboud der ARD Tagesthemen wuchs als Tochter eines libanesischen Flüchtlings in der DDR auf und besuchte 2019 Teheran, wo sie mit Kopftuch vor der ehemaligen US-Botschaft in Teheran und der Parole »Down with USA« posierte, wie Philosophia Perennis berichtete. Die US-Botschaft wurde 1979 von islamischen Revolutionären besetzt, die 52 Geiseln 444 Tage lang gefangen hielten.

Die deutsch-Iranerin mit doppelter Staatsbürgerschaft Natalie Amiri leitete von 2015 bis April 2020 das ARD-Studio in Teheran, wo sie bemerkenswerten Zugang zum Regime genoss. 2019 hat sie den Regime-Propagandisten Hossein Shariatmadari interviewt, den »Goebbels von Iran«, der laut Opposition nur mit Vertrauten spricht.

2018 bezeichnete Amiri auf Twitter iranische Drohungen gegen Israel einen »Faustpfand für eigenes Überleben.«

Am 28.11.2018 trat sie bei einer Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem ehemaligen Iranischen Botschafter in Deutschland (1990-97) Dr. Seyed Hossein Mousavian auf. Mousavian war Botschafter in Bonn, als ein Killerkommando der iranischen Regierung 1992 im Restaurant »Mykonos« in Berlin-Wilmersdorf vier kurdische Oppositionspolitiker erschoss. Die iranische Opposition wirft Mousavian vor, Drahtzieher des Anschlags gewesen zu sein.

2019 warf Natalie Amiri in der »Frankfurter Rundschau« Donald Trump vor, »die Golfkrise zu verschärfen« mittels einer »langsamen Vergiftung« und »toxischer, vernichtender Sanktionshäppchen«. Die Islamische Republik sei dagegen »auf der rechtlich korrekteren Seite«, so Amiri. »Wenn Trump nicht Trump wäre, dann gäbe es vermutlich auch eine Lösung« mit dem Mullah-Regime, bedauerte sie nach dem Austritt der USA aus dem Atomabkommen JCPOA im Mai 2018.

Die meisten iranischen Oppositionellen unterstützen die Sanktionspolitik des Westens und Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen, weil die durch Merkel und Obama 2015 freigemachten 100 Milliarden Dollar nicht dem Volk, sondern nur dem Regime zugute kamen.

Beim Aufstand im November 2019, als am 15.-17.11. ca. 1500 Menschen vom Regime getötet wurden, berichtete Natalie Amiri noch am 24.11. von 9 bis 100 Toten. Sie nannte den landesweiten Aufstand gegen das Regime »Proteste« wegen »Benzinpreiserhöhungen«.

Nach dem Beschuss von US-Einrichtungen im Irak durch den Iran am 27.12.2019 und der Tötung des iranischen Terror-Chefs Qassem Suleimani als Reaktion am 3.1.2020 verglich Amiri Donald Trump mit den Taliban.

Als daraufhin ein ukrainisches Passagierflugzeug am 8.1.2020 mit 176 Menschen an Bord von den Revolutionsgarden abgeschossen wurde, sprach die Tagesschau zuerst von einem »Triebwerksausfall«. Während Bilder des abgeschossenen Wracks sehr schnell auf Twitter auftauchten, dauerte es bis zum 10.1., bis Amiris ARD-Studio Teheran die Beteiligung des Regimes am »Absturz« einräumte.

Amiri befand sich im Januar 2020 zuhause in München, nachdem Zuschauer sich über ihr Kopftuch in der Tagesschaubeklagt hatten. Die heutige Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman nannte Kritik an Amiris Kopftuch »antimuslimischen Rassismus« gepaart mit »Sexismus«.

Am 3.2.2020 zitierte ein iranischer Nutzer Amiri auf Twitter mit den Worten, das iranische Volk »will keinen Regimewechsel«: »Warum sollten sie auf die Straße gehen, wenn sie wissen, dass sie verhaftet oder erschossen werden?« Viele iranische Oppositionelle beklagen, dass Amiri sie nach kritischen Kommentaren auf Twitter blockiert hat.

Im April 2020 wurde Amiri schließlich als Studioleiterin in Teheran abberufen. Heute ist sie »Weltspiegel«-Moderatorin und Auslandskorrespondentin. Im Interview mit der Abendzeitung 2021 gab sie zu Protokoll, dass der iranische Geheimdienst schon seit 2010 versucht habe, sie anzuwerben. Angeblich habe sie dieses Ansinnen abgelehnt.

Am 25.3.2021 teilte Amiri einen Tweet der linksradikalen, israelfeindlichen  »Friedensaktivistin« Medea Benjamin, der Joe Biden dazu aufrief, das Atomabkommen wieder aufzunehmen. Benjamin ist Mitbegründerin der regimenahen NGO Code Pink und fordert auch heute noch angesichts der Gewalt gegen Demonstranten eine sofortige Aufhebung der Sanktionen.

Heute postet Amiri Solidaritätsbekundungen mit den Frauen im Iran, kritisiert den Kopftuchzwang und fordert den »Stopp der JCPOA Verhandlungen«.

Warum sie Donald Trump jetzt doch Recht gibt, wurde nicht klar.

Zuerst veröffentlicht auf Freie Welt.

 

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