Fifa-Präsident Gianni Infantino: Peinlichkeit in Person (Foto:Imago)

Verlogene Pressekonferenz: Fifa-Infantino als Ideal-Maskottchen des „Werte-Westens“

Es war der „passende” Auftakt für eine Skandal-WM in einem arabisch-islamistischne Wüstenstaat, die unter rechtsstaatlichen und sportlichen Kriterien nie hätte vergeben werden dürfen, die von Anfang an unter dem Stern der Korruption und Doppelmoral stand und die die völlige Unglaubwürdigkeit des angeblich moralgestützten Westens einmal mehr auf den Punkt bringt: Was der Schweizer Fifa-Präsident Gianni Infantino am Vorabend des morgigen Eröffnungsspiels vor der versammelten Weltöffentlichkeit  über die Um- und Missstände rund um das unter seinem Vorgänger Sepp Blatter ausgekungelte Austragungsland zum Besten gab (oder besser gesagt verschwieg), zeigt auf den letzten Metern, dass jeder Boykottaufruf, jede öffentliche Missbilligung dieser miesen Veranstaltung aller Ehren wert war und ist.

Infantino fand keine Worte für, – so „Bild“ – „bis zu 6.500 tote Gastarbeiter auf den WM-Baustellen, (…) für die Verteidigung des Frauen- und Homosexuellen-feindlichen Gastgebers in den letzten Monaten… für die Last-Minute-Entscheidung, Bier aus den Stadien zu verbannen.” Auch legte nicht einmal „einen Ticken Selbstzweifel an den Tag”.  Stattdessen brachte er in einem perversen Ein-Stunden-Vortrag eine absurde Ego-Projektion zum Vortrag, mit der er offenbar allen Kritikpunkten gleichzeitig begegnen und Einzelvorwürfen den Wind aus den Segeln nehmen wollte: „Heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“

Den Vogel abgeschossen

Letzteres präzisierte er dann noch auf zynische Weise: „Ich bin der Sohn von Gastarbeitern, meine Eltern haben hart gearbeitet, in der Schweiz.” (!) Wie man so etwas äußern kann angesichts der barbarischen Verhältnisse in arabischen Ländern wie Katar, Bahrain oder auch Dubai, die das archaische ausbeuterische Kafala-System praktizieren, und diese Zustände mit zugewanderten Arbeitskräften der Schweiz gleichsetzen kann, bleibt schleierhaft, doch es wundert einen schon längst nicht mehr. Dass Infantino auf der Pressekonferenz dann auch noch ernsthaft seine früheren Mobbing-Erfahrungen als Kind, die er angeblich durchlebte, weil er „Sommersprossen und rote Haare“ hatte, mit der Diskriminierung von Minderheiten in Katar gleichsetzte, schoss dann den Vogel ab.

Infantinis Sermon ist die unfassbare Verhöhnung der Opfer dieser korrupten Blut-WM. Bei nicht wenigen sprachlosen Zuhörern bzw. Zuschauern dieser Pressekonferenz entstand anschließend der Eindruck, Infantino hat offenbar kein Problem damit, dass Schwule aufgehängt werden und Frauen ausgepeitscht werden – sofern er sich beispielsweise als traditioneller Katari „fühlt”. Als Arbeitssklave, Schwuler oder Alkoholfreund hat er sich in all den Jahren engen diplomatischen Austauschs im Vorfeld dieser WM aber anscheinend nicht „gefühlt”; während er mit dem Herrscherhaus konferierte. Da fühlte er sich dann als eiskalt berechnender Funktionär und Apparatschik eines längst kommerzialisierten und degenerierten Breitensports, der seine Unschuld verloren hat. Diese Weltmeisterschaft ist das Allerletzte – und wäre es wert, diesen Wettbewerb ein für allemal zu Grabe zu tragen, respektive ihn eines Tages durch einen völlig neuen zu ersetzen. (DM)

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