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Scholz und die Ukraine: Die Engel wollen Krieg?

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Die Antikriegs- und Antipazifismus-Rhetorik hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Seit Beginn der Ukraine-Invasion erntet Olaf Scholz lautstarke Kritik für die Waffenlieferungen an Kiew. Bei einem Wahlkampfauftritt in München fand er besonders harte Worte f ür Kriegsgegner, die nun Friedensverhandlungen fordern: Diese seien „gefallene Engel aus der Hölle. Bundeskanzler Olaf Scholz erschien am vergangenen Freitag auf dem Münchner Marienplatz. Dort erklärte er: Querdenker, Rechte, sie alle blicken nur negativ in die Zukunft und seien deshalb schlecht gelaunt. Es kam ihm nicht in den Sinn, dass er und die Ampel der Grund für seinen blasphemischen Groll sein könnte.

Angesichts der anhaltenden Buh-Rufe erklärte der Kanzler: „Wenn ein Land aus rein imperialistischen Motiven, um das eigene Territorium zu vergrößern, das Nachbarland angreift, dann werden wir dieses Land unterstützen.“ Gewandt an die Kritiker seiner Ukraine-Politik fügte er hinzu: „Und die, die hier mit Friedenstauben herumlaufen, sind deshalb vielleicht gefallene Engel, die aus der Hölle kommen, weil sie letztendlich einem Kriegstreiber das Wort reden.“

Normalerweise ist das anderes herum, die Engel fallen in die Hölle und stehen nicht daraus auf. Es muss wohl sehr schlecht laufen in der Ukraine, wenn jetzt schon Okkultismus als Politikstil herhalten muss.Der gefallene Engel: Das spielt ja auf den  Engelssturz an. Grundlage für dieses Motiv ist das Lukasevangelium, in dem man liest: »Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.« Ein aufmüpfiger Engel, so interpretierten Theologen es später, sei aus dem Himmel verbannt worden und habe sich die Hölle als Zufluchtsort geschaffen: Dort fungiert er als Teufel.

Pazifisten sind also Teufel

Sie führen die Kriegsgesellschaft in Versuchung, treiben ein perfides Spiel mit dem Frieden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Glaube an den Krieg. In diesem Auftritt und dieser Rhetorik zeigt sich die pure Verzweiflung. Mit normal gewordenen Begriffen wie Nazi und Rechter kommt man nicht mehr weiter. Jetzt hilft nur die Verteufelung von Menschen und Andersdenkender, weil nichts mehr funktioniert. Die Inflation steigt, die Wirtschaft ist am Boden, der Krieg kann nicht gewonnen werden, eine bittere Wahrheit, die schönen grünen Märchen platzen wie eine Luftblasen und die Zahlen toter ukrainischer Soldaten sind unsagbar hoch.

Das zeigt sich auch in Zahlen. Der Ukraine-Krieg hat seit seinem Beginn vor 18 Monaten fast eine halbe Million Tote und Verletzte auf russischer und ukrainischer Seite gefordert. Diese Zahl nannten Beamte der amerikanischen Biden-Administration nach Angaben der New York Times. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass es sich um eine Schätzung handele, da Moskau seine Verluste immer herunterspiele und Kiew überhaupt keine Zahlen veröffentliche.

Die Bevölkerung der Ukraine ist zwar geschrumpft

Unabhängig davon, unterstrich die Welt diese Zahlen und forderte nun den Weg nach vorn. Dort heißt es: „Der erste ernstzunehmende Krieg des Jahrtausends wird weder durch Sanktionen noch mit Drohnen und Raketen entschieden. Auch eine Strategie, mit der Guderian, Rommel, Patton, Rokossovsky und später Sharon Erfolge erzielten, scheitert heute am transparenten Schlachtfeld. Kiew bleibt nur eine Option. „Es gibt nur einen Weg nach vorn: den Krieg so ernsthaft zu führen, wie es sich für einen nationalen Befreiungskampf gehört. Die Bevölkerung der Ukraine ist zwar geschrumpft, aber sie beträgt immer noch 30 Millionen, sodass die Gesamtstärke der Streitkräfte bis zu 3 Millionen betragen könnte. Mit einer solchen Militärmacht könnte die Ukraine Schlachten gewinnen und ihr Territorium auf die altmodische Weise befreien – in einem Zermürbungskrieg, wie in den meisten europäischen Unabhängigkeitskriegen“, so die Welt weiter.

„Was die russische Wirtschaft betrifft, so sind die Nachrichten zwar düster, aber nicht düster genug. Der Krieg wird nicht aufgrund einer wirtschaftlichen Kapitulation Russlands enden“, wird dort weiter erklärt und dass Russland im Gegensatz zu China in der Lage ist, sich selbst mit Lebensmitteln und Treibstoff zu versorgen und überhaupt fast alles zu produzieren, was es braucht“.

Es bleiben also nur Menschen, die sich für die Macht anderer weiterhin opfern? Oder was genau soll uns diese Aussage vermitteln? Die Waffen funktionieren nicht, die Drohnen und Panzer nicht, Sanktionen zeigten kaum eine Wirkung – also die letzten Menschen dort in den Kampf schicken? Das scheint auch Olaf Scholz so zu sehen, denn auch er wird die Zahlen der toten Soldaten in der Ukraine kennen. In seiner Verzweiflung  mag er Pazifisten entmenschlichen, an der Realität ändert es nichts.