Dr Vorsitzende des kanadischen Unterhauses begrüßt Wolodymyr Selenskyj - Foto: Imago

SS & Kanada: Ehret den Nazi!

3b04666c9501432883a248822f5fee48

Fauxpas, Fauxpas: Selenskyj weilte in Kanada und durfte im Parlament zu Ottawa eine Rede halten. Aber er war nicht der einzige Ukrainer unter Kanadiern dort, dem applaudiert wurde. Jetzt sind alle empört.

von Max Erdinger

Der olivgrüne Wolodymyr aus Kiew ist derartig beliebt in jenem Teil der Welt, in welchem die “regelbasierte Ordnung” der Amerikaner als diplomatisches Meisterwerk gilt, daß er bei der Einreise in eines der Länder jenes Teils der Welt noch nie auf Drogenbesitz hin gefilzt worden ist. Und das, obwohl die Ukraine selbst unter Politikern als “Kokaine” verballhornt wird. In Kanada schaffte er es dieser Tage gänzlich ungefilzt bis ins Parlament zu Ottawa, wo nicht nur ihm, sondern auch einem anderen Ukrainer noch gehuldigt wurde. Es handelte sich um den 98-jährigen Exil-Ukrainer Yaroslav Hunka. Der wurde in Anwesenheit Selenskyjs vom Vorsitzenden des kanadischen Unterhauses, Herrn Anthony Rota,  über den grünen Klee gepriesen.

Yaroslav Hunka
Yaroslav Hunka (98) – Screenshot “Welt”

Wie die “Welt” berichtet, diente Hunka in seinen Jugendjahren als Freiwilliger in der “SS-Division Galizien”. Vorgestellt worden war er dem Publikum im Parlament zu Ottawa als “ukrainischer und kanadischer Held” vom Vorsitzenden des kanadischen Unterhauses. Hunka war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert. Die “Welt”: Als Selenskyj am Freitag im kanadischen Unterhaus um Unterstützung für sein Land im Kampf gegen russische Invasionstruppen warb, saß Hunka auf der Zuschauertribüne, Rota stellte ihn als Kriegshelden vor und dankte ihm für seine Dienste. Die Abgeordneten erhoben sich zum Applaus und Selenskyj grüßte mit erhobener Faust.

Später wurde Anthony Rota darüber aufgeklärt, um wen es sich bei Yaroslav Hunka tatsächlich handelt, woraufhin er seinen Fauxpas bedauerte und erklärte, er habe den ukrainischen Altnazi in seinem Wahlkreis kennengelernt und nichts über seine Vergangenheit gewusst. Wahr ist höchstwahrscheinlich, daß er gar nichts über Hunkas Vergangenheit wissen wollte, obwohl man erwarten würde, daß die Vergangenheit eines 98-jährigen Exilukrainers, der nach dem Krieg nach Kanada auswandert war, quasiautomatisch ein gewisses Interesse wecken müsste. Offensichtlich reichte die Gewißheit, daß er gegen Stalins “russische Bolschewisten” gekämpft hatte. Da kann man schon einmal vergessen, daß diese Bolschewsten im Zweiten Weltkrieg die Alliierten von Amerikanern und Kanadiern gewesen sind. Weil es heute “nützlich” ist. Und weil Wladimir Putin gefälligst als der neue Hitler begriffen zu werden hat. Im “Wertewesten”. Das passt auf groteske Art.

Die gründeutsche Außenministerin bezeichnete kürzlich Chinas Xi Jinping als “Diktator” – und Christine Anderson von der AfD bezeichnete lange vorher schon im EU-Parlament den kanadischen Premier Justin Trudeau als einen solchen. In einem “Welt”-Interview behauptete Baerbock, als sie noch “Kanzlerkandidatin” der Grünen gewesen ist, sie wolle die Krisen der Welt lösen. Heute wissen wir: Es war ein Druckfehler. Sie wollte keine Krisen lösen sondern welche auslösen.

Baerbock Krisen
Baerbock: Krisen lösen oder auslösen? – Screenshot Facebook

Pikant an dem Fall in Kanada ist, daß Hunka aus guten Gründen nicht nach Deutschland ausgewandert ist nach dem Zweiten Weltkrieg. Man erinnere sich an den Fall Demjanjuk, der von der bundesdeutschen Justiz erbarmungslos durchgezogen wurde. Demjanjuk verstarb im bayerischen Bad Feilnbach 2012 als 92-Jähriger, noch ehe über die Revision entschieden worden ist, die gegen seine Verurteilung aus dem Jahr 2009 eingelegt worden war.

Wikipedia: John Demjanjuk (ukrainisch Іван Миколайович Дем’янюк, wiss. Transliteration Ivan Mykolajovyč Demjanjuk; * 3. April 1920 in Dubowi Macharynzi als Iwan Mykolajowytsch Demjanjuk, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik; † 17. März 2012 in Bad Feilnbach, Deutschland) war während des Zweiten Weltkrieges ein ukrainischer Soldat der Roten Armee. Nach seiner Gefangennahme durch die deutsche Wehrmacht im Jahr 1942 diente er als Hilfswilliger. Er gehörte zu den Hilfstruppen der SS, die Personal für den Betrieb der Konzentrationslager stellten.

Ab 1952 lebte Demjanjuk in den USA. Von dort wurde er 1986 nach Israel überstellt und hier wegen angeblicher Verbrechen im Vernichtungslager Treblinka zum Tode verurteilt. Auf seine Berufung hin änderte der Oberste Gerichtshof Israels 1993 dieses Urteil und sprach ihn frei, weil er verwechselt worden war: In Treblinka sei er jedenfalls nicht Aufseher gewesen. Er kehrte daraufhin in die USA zurück.

Im Jahr 2009 wurde Demjanjuk nach Deutschland ausgeliefert und dort für seine Tätigkeit im Vernichtungslager Sobibor als erster und bisher einziger nichtdeutscher untergeordneter NS-Befehlsempfänger vor Gericht gestellt. Am 12. Mai 2011 verhängte das Landgericht München II wegen Beihilfe zum Mord an 28.060 Menschen eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren. Dabei konnte Demjanjuk keine konkrete Tat individuell zugeschrieben werden, aber das Gericht betrachtete bereits seinen Dienst in Sobibor 1943 als ausreichend für eine Verurteilung, da Demjanjuk dort „Teil der Vernichtungsmaschinerie“ gewesen sei. Das Urteil wurde nicht rechtskräftig: Demjanjuk starb, bevor über die von ihm und der Staatsanwaltschaft eingelegten Revisionen entschieden war.

Immer: Wir sind die Guten.

Das muß man sich einmal vorstellen: Demjanjuk wird als 89-Jähriger trotz eines jahrzehntealten Freispruchs in Israel an Deutschland ausgeliefert, hier zu fünf Jahren Haft verurteilt, ohne daß ihm eine konkrete Gräueltat zugeordnet werden konnte und obwohl er als russischer Kriegsgefangener unter die Befehlsgewalt der Nazis gekommen war. In den Jahren 2022 und 2023 beteiligt sich Deutschland mit Waffen- und Finanzhilfe an der Unterstützung eines ukrainischen Regimes, das von Wladimir Putin angesichts der Drahtzieher im US-amerikanischen Proxykrieg völlig zu Recht als Naziregime bezeichnet wird – und im Zentrum der deutschen Hauptstadt steht recht weltmeisterlich das größtmögliche Protzmahnmal der deutschen Schuld. Beim heutigen “Verbündeten” Kanada wird unterdessen ein ehemaliger Freiwilliger der “SS-Division Galizien” zum kanadischen und ukrainischen Helden verklärt – und die ganze Welt spuckt beim Wort “Deutschland” in einer Mischung aus Staunen und Verwunderung nur noch aus, sofern sie sich nicht vor Lachen und Schadenfreude die Bäuche hält. Unterdessen tobt im Lande selbst der “Kampf gegen rechts”.

Trotzdem gibt es natürlich die Menschenwürde. Nicht, daß sie den Deutschen jemand abgesprochen hätte. Die entwürdigen sich gerade selbst. Und zwar exhibitionistisch vor den Augen der ganzen Welt. Es ist vollkommen unfassbar! Meinereiner überlegt sich inzwischen, ob er sich bei künftigen Auslandsreisen überhaupt noch als Deutscher zu erkennen geben mag, oder ob er nicht lieber lügen soll, um zu behaupten, er käme aus der Schweiz oder aus Namibia. Weniger Würde als der Deutsche von heute kann im internationalen Ansehen wohl kaum noch ein Mensch haben.

Und nun?

Bevor Selenskyj im kanadischen Parlament stehende Ovationen im Beisein von “Diktator” Trudeau und dem “ukrainischen wie kanadischen Helden” Yaroslav Hunka genoß, war er in Washington. Dort wurde ihm dieses Mal eine Rede im Kongreß verweigert. In den USA hält dieser Tage die Überzeugung Einzug, daß der “Kokainer” den Krieg nicht gewinnen wird. Selenskyj räumte das insofern ein, als daß er behauptete, es herrsche eine Pattsituation. Zwar könne er den Krieg nicht gewinnen im Augenblick, weil ihm das dazu nötige Material fehle, aber die Russen könnten ebenfalls nicht gewinnen. Wieviel Expertise in Washington versammelt ist, läßt sich daran erkennen, daß man es dort nunmehr für eine gute Idee hält, wegen dieser behaupteten Pattisituation den Krieg “einzufrieren”. Damit der Original Oberukrainer die Pattsituation aufrecht erhalten kann, braucht er aber ebenfalls weitere Unterstützung in Milliardenhöhe. Es gilt jedoch: Wer einen Krieg einfrieren will, der braucht dazu die Gefrierbeutel von beiden Seiten der Front.

Als es vor Beginn der “großen Gegenoffensive” auf russischer Seite hieß, man könne doch über alles reden, bekamen die Russen von ukrainischer Seite im Chor mit den Amerikanern und ihren europäischen Vasallen unisono zu hören, hier gebe es nichts einzufrieren, da die Sache auf dem Schlachtfeld entschieden werden wird. Das war Anfang Juni. Ende September bestünde nun aber Interesse am Einfrieren des Krieges. Und zwar auf ukrainischer und westlicher Seite. Spott & Hohn! Der russische Außenminister Lawrow vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vergangene Woche sinngemäß: Wir halten uns lieber an die europäischen Behauptungen von Anfang Juni, denen zufolge die Sache auf dem Schlachtfeld entschieden zu werden hat.  Nein – um einen Krieg einzufrieren braucht es die Gefrierbeutel beider Seiten. Das Ausmaß amerikanischer Ignoranz und Ignoranz ist bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist allerdings das vollkommen entklötete Vasallentum der europäischen Nato-Alliierten. Die US-Regierung will nun nämlich noch einmal 100 Milliarden Dollar lockermachen, um einen Krieg einzufrieren, der gar nicht mehr eingefroren werden kann. Weil die Russen nichts davon hätten, ihren Feinden eine Verschnaufpause zur Regenerierung und neuerlichen Aufmunitionierung einzuräumen. Die Russen haben die Zeit, das Material und die Truppen, der Westen hat seine Überheblichkeit, seine wahren aber versteckten Absichten, seine Ignoranz und die Uhr.

Putin schaut einfach dabei zu, wie sich der Westen wirtschaftlich selbst demontiert und beobachtet, wie sich das auf dessen militärische Potenz auswirkt. Während er zuschaut, lassen sich ja hier und da trotzdem noch ein paar Quadratkilometerchen dazugewinnen. Und wenn es wirklich hart auf hart käme, dann wären seine Truppen schneller am Dnjepr und in Kiew, als ignorante und arrogante Amerikaner in Washington samt deren europäische Nato-Vasallen auch nur “Papp!” sagen können. Nur ein Beispiel: In Russland werden derzeit etwa 170.000 jener 155mm-Artilleriegeschosse im Jahr produziert, an welchen es dem Westen – und damit der Ukraine mangelt. Es besteht auch keine Aussicht, daß der Westen irgendwann in den kommenden Jahren mit der russischen Produktionskapazität gleichziehen könnte. Und überhaupt: Würde stimmen, was man im Westen zur Entschuldigung einer Fortführung dieses Krieges anführt, nämlich, daß eine lange geplante, russische Expansion nach Westen verhindert werden muß, dann steht automatisch die Frage im Raum, weshalb der Westen überhaupt “untermunitioniert” ist. Offensichtlich eben deswegen, weil jahrelang klar gewesen ist, daß Russland – nicht! – nach Westen expandieren will, weswegen man sich die entsprechende Aufmunitionierung auch hatte sparen können.  Aus demselben Grunde hatte man auch darauf verzichten können, Truppen in einer Stärke in Europa zu stationieren, die der russischen etwas Aussichtsreiches entgegenzusetzen gehabt hätte. Mit dem Schnack vom russischen Expansionsdrang ist es wie mit allem anderen auch. Das ist eine augenblicksdienliche Schutzbehauptung zur Verschleierung der wahren Absichten, Notlagen und Motivlagen solchen Völkern gegenüber, die man im Grunde für vollkommen verblödet hält, – die “eigenen” nämlich.

Heute jährt sich übrigens die Sprengung von Nordstream 1 und 2 zum ersten Mal. Der deutsche Jägermeister hat allerdings noch keinen Saboteur erspäht, geschweige denn erlegt. Wahrscheinlich schafft er es nicht einal mehr, seinen Dackel zur Jagd zu tragen. Sehr wahrscheinlich hat er auch Angst, daß ihm nicht gefallen könnte, was es hier zu erlegen gäbe, weil er nicht wüsste, wie er mit dem erlegten Elefanten weitermachen soll. Wos a Jägermeister! Wos a Mundwerk!

Buschmann Jaeger
Justizminister Buschmann Anfang Oktober 2022 – Screenshot Facebook

Was mit dem Ukrainekrieg und der westlichen Parteinahme für “die Ukraine” auf Kosten der armen Nichtnazi-Ukrainer deutlich wurde, ist, daß der ganze (Anti)-Nazischnack im “Wertewesten” jahrzehntelang so instrumentalisiert wurde wie alles andere auch, der “menschengemachte Klimawandel” und die “Vielzahl der je eigenkonstruierten Geschechter” zum Beispiel. Es gibt in diesem total verkommenen “Wertewesten” nichts mehr, das aus sich heraus stimmen würde. Jede Behauptung – und sei sie noch so dämlich dahergelogen – dient nur noch einer nicht genannten Absicht. Der “Wertewesten” braucht keinen äußeren Feind mehr. Er hat ihn in seinem Inneren selbst. Von dort aus frißt er sich allmählich nach außen durch bis nichts mehr von seinem Wirt übrig ist. Wer diesem selbstzerstörerischen Wahnsinn Einhalt gebieten wollte, der bräuchte die Russen nicht als Feind sondern als Verbündete.