Die deutschen misstrauen der "Klimapolitik" parteiübergreifend (Foto: Durch otsphoto/Shutterstock)

“Menschengemacht” Die gewagteste Hypothese der Menschheitsgeschichte

Nach Jahren ideologischer Verbissenheit, Politisierung der Wissenschaft und Propagandaschlachten, nach Dekaden düsterer Prophezeiungen, dämmert es, dass die gigantischen Prozesse des Universums nicht mit Lastenfahrrädern und Balkon-“Kraftwerken“ zu bändigen sind. Trotz aller Investitionen und Installationen bleibt das „Klima“ vom menschlichen Gehampel unberührt. “Wir kommen nicht voran”, klagte Klimaforscher Mojib Latif nach der gigantomanischen Weltklimakonferenz 2022 in Scharm el Scheich mit 30.000 Teilnehmern. Wenig später bilanzierte die medizinische Fachzeitschrift Lancet, die “Decarbonisierung” verlaufe “unverantwortlich insuffizient”.

Von Rolf Bergmeier

Dennoch behaupten vor allem deutsche Politiker mit überwiegend ausbaufähigen Kenntnissen über die die physikalischen und atmosphärischen Prozesse, man könne das Weltklima mit Verordnungen dressieren und den von Polneigung, Sonneneinstrahlung, Mondbewegung und tektonischen Verschiebungen geprägten Lauf des Winzlings Erde beeinflussen. Trotzig verkünden sie, der wachsende Anteil von Treibhausgasen sei in der Lage, “die Menschheit auszurotten”(Merkel, 1995). Wohlstand und Industrialisierung hätten seit 1850 den Anteil des Treibhausgases CO2 wachsen lassen und die Erde in ein Treibhaus verwandelt. Zwar sind die ägyptischen, griechischen und römischen Kulturen im Wechsel der Treibhauskonzentrationen entstanden und vergangen, zwar war vor nicht allzu langer Zeit Grönland ein “Grünland” und diente Nordafrika und Ägypten als Kornkammer Roms, aber seit 1850 sind die Uhren umgestellt. Das “menschengemachte, anthropogene” Treibhausgas CO2 wurde der absolute Favorit in jeder Klimadiskussion.

Wasserdampf

Dabei ist CO2 im atmosphärischen Getriebe lediglich ein Winzling. Denn Wasserdampf ist das mit Abstand “wichtigste Treibhausgas in der Erdatmosphäre” (Deutsches Klimakonsortium). Obwohl Wasserdampf etwa hundertmal wirksamer als anthropogenes CO2 ist, obwohl der Wasserdampf-Anteil mit wachsender Erderwärmung steigt, steht Wasserdampf nicht auf der Agenda deutscher Klimabesorgter. Denn Wasserdampf entzieht sich wegen der Undurchsichtigkeit seiner Wirkung mittel- und langfristigen Vorhersagen. Wasserdampf gilt daher in der Klimaforschung als “Fluch der Klimaforscher” und spielt trotz seiner überragenden Dominanz in der politischen Klimawandel-Szenerie nur eine untergeordnete Rolle. Und da die Wirkung des übermächtigen Wasserdampfes auf das Klima bisher nicht ausreichend erforscht ist, wird das übermächtige Treibhausgas Wasserdampf in der politischen Diskussion ignoriert und bestenfalls als Hilfsmittel diskutiert, um eine klimaverändernde Wirkung als Folge der Interaktion von CO2 und Wasserdampf zu behaupten. Aber in der Wissenschaft ist unbestritten: Wasserdampf ist ein grundlegender Akteur des Klimawandels, greift signifikant und chaotisch in das Klimageschehen ein (IPCC 2014) und gilt in der wissenschaftlichen Diskussion als grundlegender Akteur des Klimawandels.

Natürliches CO2. Das zweitwichtigste Treibhausgas

Mit weitem Abstand hinsichtlich der Wirkung auf die Erdtemperatur nimmt das natürliche CO2 den zweiten Rang ein. Das Gas ist lebenswichtig und beherrscht mit einem Anteil von 97 Prozent den gesamten atmosphärischen CO2-Haushalt. Lediglich drei Prozent des atmosphärischen CO2 sind “menschengemacht” (anthropogen).

Natürliches CO2 unterscheidet sich nicht vom “menschengemachten” CO2. Beide Gas-Varianten hinterlassen den gleichen Fußabdruck und wirken mit identischen Effekten auf die Erderwärmung ein. Ein Nachweis, dass seit 1850 vor allem “menschengemachtes” CO2, und nicht das bisher dominante natürliche CO2, den Anstieg der CO2-Konzentration bewirkt habe, ist nicht möglich. Zwar dürften die explosive Vermehrung der Weltbevölkerung mit ihren Ausstoß von CO2-Atemluft, Millionenheere von Nutztieren oder die Umwandlung von natürlichen Flächen in Stadtlandschaften eine Rolle bei der Erhöhung des atmosphärischen CO2-Anteils spielen, aber dass der anthropogene CO2-Anteil von wenigen Prozentpunkten eine ausschlaggebende Rolle bei der Veränderung der Erdtemperatur spielt (4. IPCC-Sachstandsbericht 2007), kann mit keinem “Modell” bestätigt werden.

Selbst wenn es gelänge, den Nachweis zu führen, dass die Steigerung des CO2-Anteiles anthropogene Ursachen hat, so müsste der Hebel zur Veränderung beim Wachstum der Weltbevölkerung angesetzt werden. Denn diese wäre für die atmosphärischen Veränderungen ursächlich, während die “Industrialisierung” nur eine Folge ist.

Methan schiebt sich zunehmend in den Vordergrund

Neben dem dominanten Wasserdampf und dem natürlichen, lebensnotwendigen CO2 schiebt sich als drittes Treibhausgas zunehmend Methan in den Vordergrund. Methan entsteht in der Förderung der fossilen Energieträger, in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Viehhaltung und auf Mülldeponien. Der Beitrag zur Klimaerwärmung wird im Internet sehr unterschiedlich geschätzt und schwankt zwiscen 6 und 60 Prozent. Die Bundeszentrale für politische Bildung schätzt, dass Methanemissionen mit ca. 16 Prozent zur globalen Erwärmung beitragen (25. September 2017). Das IPCC ergänzte 2021 und stellte fest, Methan sei gut 80-mal potenter als Kohlendioxid. EU-Umweltkommissar Frans Timmermans, verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung, meinte im Oktober 2021, die rasche Reduzierung von globalen Methanemissionen sei die beste Strategie, die wir hätten, um die globale Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Eine Studie der Cornell University in Ithaca (New York, USA) von 2019 macht den Fracking-Boom in den Vereinigten Staaten für den Anstieg der weltweiten Methanemissionen und damit für eine potentielle Erhöhung der Erdtemperatur verantwortlich. Die Bundesrepublik setzt dennoch in wachsenden Umfang auf das das US-Gas.

Das vierte Treibgas: Anthropogenes CO2

Diese drei Treibhausgase – Wasserdampf, natürliches CO2, Methan – spielen in der deutschen und EU-Klimapolitik praktisch keine Rolle. Stattdessen wird ein in seiner Wirkung drittklassiges Gas zum Urheber allen Übels gemacht: Das anthropogene CO2 mit einem Anteil von 0,0012 Prozent der gesamten atmosphärischen Gase. Berücksichtigt man den deutschen Anteil von etwa zwei Prozent (statista, 01.04.2022) an den globalen anthropogenen CO2-Emissionen, dann zielt die nationale deutsche Politik auf die Minimierung von weltweit 0,000008 Prozent der atmosphärischen Gase.

Aber selbst dieser geringe Anteil anthropogenen Kohlenstoffdioxids kann nur teilweise für die Erderwärmung haftbar gemacht werden. Denn etwa 50 Prozent des anthropogenen CO2 wird in “Senken” (Ozeane, Wälder etc.) eingelagert und zum Teil umgewandelt. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages grenzt die Wirkung des anthropogenen CO2 auf die Erderwärmung daher ein: “Auf das Kohlendioxid entfällt [nur] etwa die Hälfte des anthropogenen Treibhauseffekts” (03.April 2020). Zudem entzieht sich die in diesen Zahlen enthaltene mit Kohlenstoffdioxid gesättigte Atemluft von acht bis zehn Milliarden Menschen (“biologisch-anthropogenes” CO2) allen politischen Maßnahmen. Nach Schätzungen des “Weltklimarates” emittiert die Menschheit durch die Atemluft 3 bis 14 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr. Rund 10 bis 40 Prozent des emittierten anthropogenen CO2 sind also als biologisch-anthropogenes CO2 nicht verhandelbar.

Die gewagteste Hypothese in der Menschheitsgeschichte

Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern kommen in Analysen zur Überzeugung, dass es beim gegenwärtigen Stand der Wissenschaft unmöglich ist, herauszufinden, wie hoch der Anteil am Temperaturanstieg ist, der auf anthropogene CO2-Emissionen zurückgeführt werden kann. Denn die vom IPCC publizierten Klimamodelle sind nicht in der Lage, Temperaturvariationen, die von Menschen verursacht werden, von all den anderen Ursachen, die Temperaturschwankungen verursachen, zu unterscheiden. Durch ständige Wiederholung und wissenschaftsfremde Einengung wird der Blick von den universitären Kräften und den wichtigsten Treibhausgasen, Wasserdampf, Methan und natürliches CO2, ab- und auf das anthropogene CO2 gelenkt. Diese Modelle sind Hypothesen, die für weitreichend politische Entscheidungen völlig ungeeignet sind. So sah es auch einst der “Weltklimarat”: “Das Klima ist ein gekoppeltes nichtlineares chaotisches System und daher ist eine langfristige Vorhersage künftiger Klimazustände nicht möglich” (Weltklimabericht 2001).

Der Verfasser ist Autor mehrerer Bücher über die deutsche Klima- und Energiepolitik, zuletzt „Ratlos. Die Agonie der deutschen Klima- und Energiepolitik“ 316 S., 2022.

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