Fascho Karl? Collage/Jouwatch

Warum wir nicht im Kapitalismus leben

Vor kurzem hatte ich ein kleines Streitgespräch mit einem Nachbarn. Er ist passionierter Autosportler, war Gründungsmitglied der Grünen 1980, steht und stand politisch schon immer weitestgehend links. Als Autosportler weiß er, dass viele bürokratische pseudoökologische Regelungen weder sinnvoll noch zielführend sind. Sein Zorn über den Unfug von Elektroautos ergoss sich wieder einmal über “die Automobilkonzerne“, die als “kapitalistische Arschkrampen“ auf Kosten aller Bürger – und insbesondere ihm – ihren “Scheiß-Wallstreetkapitalismus“ auslebten.

von Peter Keuner

Nun genieße ich die Streitgespräche mit ihm immer wieder, denn er hört sich tatsächlich andere Meinungen an und versucht gegebenenfalls Argumente dagegen zu finden, würde aber niemals einen anderen Menschen denunzieren. Er war überrascht, als ich ihm fast vollumfänglich Recht gab. Nur bei meiner kleinen Nebenbemerkung, dass ich ja – genau wie er – ein bekennender Antifaschist sei, aber der hier gerade galoppierende Faschismus und eben gerade NICHT der KAPITALISMUS diesen Irrsinn produziert, da meinte er, mir vehement widersprechen zu müssen.

Da erklärte ich ihm, dass der selbsternannte Faschismus vom Kopf der damaligen intellektuellen Avantgarde der nationalen Sozialisten in Italien, Giovanni Gentile, zwischen 1915 und 1919 entwickelt wurde. Er hatte zwei Standbeine für seine Idee geschaffen: Den politischen Faschismus, für den Benito Mussolini stand und den wirtschaftlichen Faschismus, der auch “Korporatismus“ genannt wurde. Wichtig war Gentile, dass der politische Faschismus die Steuerung des wirtschaftlichen Faschismus vollziehen konnte, um den gesellschaftsgestaltenden Anspruch seiner Ideologie in der gesamten Totalität einer Gesellschaft – also  bis ins letzte kleine Eck und jedes Glied – durchdringen und umsetzen zu können . Deshalb schuf er viele staatliche Steuerungselemente. Mit diesen konnten nun Behörden und staatliche Ministerien direkt eingreifen in die Prozesse und Vorgänge an Universitäten und Schulen, Freiberufen und den Selbstständigen, Industrie und Handel usw.

Dieser wirtschaftliche Faschismus wurde ein echtes Erfolgsmodell. Sehr schnell schufen die Staaten in Europa, in Amerika (Nord wie Süd – Ja! Auch die USA!) und teilweise in Asien mehr oder minder ähnliche und vergleichbare “Steuerelemente“ für “die Wirtschaft“ und “die Gesellschaft“. So wurde in Deutschland der ursprüngliche lockere Sprecherverband der Ärzte mit staatlichen Rechten ausgestattet und veränderte sich zu einer regierungsseitig steuerbaren Interessenvertretung (“Lobbyismus“)( -> Korporatismus!), die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer wurde plötzlich per Gesetz verpflichtend für alle Handwerker, Selbstständigen und Freiberufler, so sie keiner Kammer angehörten ( -> Korporatismus!), die Verwaltungen von Universitäten und Schulen explodierten geradezu ( -> Korporatismus!). Begeistert von dieser Idee zeigte sich John Maynard.

Wer war John Maynard? John Maynard war der Steuermann – aushielt er, bis er die Staaten gewann – er hat sie verraten – er lacht voll Hohn, so wurde er zum Fascho-Sohn. (aus: “John Maynard – Totengräber der Freiheit“, Systemphilosoph Groucho Schwarz, Riefensbeek-Kamschlacken 2011)

John Maynard Keynes baute dieses schändliche Modell aus und über ihn verbreitete es sich in der gesamten westlichen Welt. Die Gegenbewegung zu den bedauerlich totalitären und antifreiheitlichen Geisteskrämpfen eines Herrn Keynes – übrigens eines tiefen Bewunderers von Hitlers Wirtschaftspolitik – wurde von Ludwig von Mises und August von Hayek ins Leben gerufen: Die “Österreichische Schule“. Einer der berühmtesten Aktivisten der Österreichischen Schule war der spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard, dessen größter Verdienst es gewesen ist, als Wirtschaftsminister von 1949 bis zu seiner Kanzlerschaft 1963 den Wirtschaftsfaschismus weitestgehend in der jungen Bundesrepublik zurückzudrängen, was sogleich ein “Wirtschaftswunder“ nach sich zog.

Welch verheerende Folgen der Wirtschaftsfaschismus für die gesamte westliche Welt hat, sehen wir z.B. allein daran, dass über 70.000 auf Kosten der jeweiligen Steuerzahler Schmarotzende sich dieses Jahr in Dubai darüber Gedanken machten, wie sie Naturgesetze für ungültig erklären können.

In einem kapitalistischen Modell darf man scheitern, man muss aber für die Folgen einstehen (Verantwortung!) – Wenn in einem kapitalistischen System eine Bank wie Lehman Brothers unseriös anlegt oder berät, unklug plant und sich eher fachfremd beraten lässt, dann ist das das Problem dieser Bank und ihrer Kunden und nicht der Allgemeinheit.

In einem kapitalistischen System hätte es während der sogenannten Pandemie zum Beispiel Einzelhändler gegeben, die für bestimmte Zeiten ihre Läden für maskenlose geöffnet hätten (Z.B. “Morgens bis 11:00 Uhr ohne Maskenzwang“…) – der völlig dem Wirtschaftsfaschismus verfallene Leviathan gefällt sich hingegen viel mehr in der Rolle eines selbstgerechten Oligarchen. Kaputte Typen:innen, die bisher nichts anderes gebacken bekommen haben, als das Schmarotzen als Parasit der malochenden Bevölkerung auf olympisches Finalteilnahmenniveau angehoben zu haben, wollen anderen Menschen erzählen, wie diese ihr Leben zu gestalten hätten. Unser Neffe Albion hat da eine schöne stehende und ABSOLUT zutreffende Redensart: “words of insanity are dropping out of their mouths“.

Es bleibt festzustellen: Ob bei Mussolini, Hitler, Franco oder der “westlichen Welt“: Wirtschaftlicher Faschismus erschafft immer nach einigen Jahren eine Kaste von Systemschranzen, Arschkriechern und eine willfährige – weil enteierte – Presse. Die Steigerung dieser Enteierung sehen wir übrigens gerade in Brüssel und um Brüssel herum herumlungern: Kenner nennen diese Haremswächter „EUnuchen“…

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