Der Bargeldabschaffung folgt die digitale Diktatur

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Im Schatten der Corona-Krise wird versucht, gezielt das Image von Bargeld zu zerstören und es als Virenträger zu verleumden. Jedoch widerlegen unabhängige Wissenschaftler und Studien diese verbreitete These. Es geht hierbei um nichts Geringeres, als die totale Kontrolle über den Bürger zu erlangen und diesen in einer digitalen Diktatur zur absoluten Konformität umzuerziehen.

Von Stefan Schubert

In Schweden ist die angedachte Zukunft für Deutschland bereits weit fortgeschritten. Selbst kleinste Beträge beim Bäcker oder ein paar Lutschpastillen im Kiosk werden dort mit Karte bezahlt. Bei Örtlichkeiten und temporären Lokalitäten wie auf dem Wochenmarkt, die über kein Kartenlesegerät verfügen, besetzt das Bargeld nicht etwa noch ein Nischendasein, sondern dem Kunden wird vorgeschrieben, dass er dort mit einer Handy-App zu zahlen hat. Dem Menschen wird auch keinerlei Wahlmöglichkeit gelassen, er muss seine Waren und Dienstleistungen digital bezahlen. Der sofort aufkommende Widerstandsgeist: »Dann kauf ich dort nicht mehr ein« ist verständlich, läuft aber leider ins Leere. Denn in Schweden existieren so gut wie keine Bargeld-Läden mehr; es heißt, sich der digitalen Bevormundung und damit auch der lückenlosen digitalen Überwachung unterzuordnen oder man kann nichts kaufen. Keine Ware, keine Dienstleistung. Rein gar nichts.

Kinder als Experimentiermasse

Kinder und Teenager wachsen in Schweden gar schon auf, ohne Bargeld in der Hand gehabt zu haben. Untereinander werden Beträge wie eine SMS hin und her geschickt. Der Stellenwert des Bargelds, das Vertrauen in das eigene Geld, das man in Händen hält oder im Portemonnaie aufbewahrt, diese haptische Sicherheit ist in Schweden zu einer austauschbaren digitalen Information degeneriert.

Techfirmen, digitale Dienstleister und damit auch der Staat sammeln so jeden Tag, jede Stunde, jede Minute umfangreiche Datensätze. Jedes erworbene Bus-, Zug- und Flugticket sowie die Fahrtstrecke werden registriert.

Big Brother weiß, was man gefrühstückt hat, welche Zeitungen, Magazine und Bücher man kauft, welche Wege man zurücklegt, wann man den ersten Alkohol am Tag getrunken und bezahlt hat, in welchem Café, Restaurant und in welcher Bar der Betreffende verkehrt und mit wem – all das ist absolut transparent. Ganz so, wie der Staat sich das wünscht.

Schnüffelei wird einfach durch den positiver klingenden Begriff Transparenz ersetzt.

Natürlich ermöglichen diese Bewegungsprofile auch einen leichten Datenabgleich, wer sich gleichzeitig dort oder in der Nähe befunden hat. Und wenn die Enthüllungen des Whistleblowers und ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden eines bewiesen haben, dann, dass sich Geheimdienste, Sicherheitsbehörden und der Staat jegliche Datensätze über Bürger aneignen, die irgendwo auf einem Server gespeichert sind.

Datenschutzbestimmungen und Gesetze spielen dabei keinerlei Rolle, genauso wenig wie Landesgrenzen. Und wenn Sie einmal ins Visier des Staates gerückt sind oder gezielt gerückt wurden, dann ist jede Minute Ihres Lebens mit einer Tastenkombination abrufbar. Die Anwendungsgründe sind dabei mannigfach, etwa bei einer Bewerbung im Staatsdienst, ganz gleich ob als Polizist, Feuerwehrmann, Soldat, Lehrer, Richter, Staatsanwalt oder selbst als kleiner städtischer Angestellter. Sollte die künstliche Intelligenz der Auswertungssoftware Ihnen eine bedenkliche Einstufung verpassen oder sie gar als regierungskritisch einordnen, wie hoch glauben Sie, sind dann noch Ihre Einstellungschancen? Das Gleiche gilt für die Erlaubnis, einen Jagdschein oder Waffenschein zu erlangen. In einer solchen digitalen Diktatur entscheidet der Staat über Ihr gesamtes Leben. Nicht mehr die Befähigung und der Eindruck eines persönlichen Einstellungsgesprächs sind dann mehr entscheidend, sondern das Urteil einer Auswertungssoftware über Sie.

In Schweden erhalten Kinder auch kein Taschengeld mehr, es wird ihnen auf ihr Handy überwiesen. Mit Bargeld kann sich in Schweden ein Kind nicht mal mehr einen Kaugummi oder ein Micky-Maus-Heft kaufen. Die nächste Generation wird so an die digitale Diktatur bereits von Kindesbeinen an gewöhnt und so erzogen, dass man sich jedweder Kritik am Überwachungsstaat zu enthalten hat. Schwedische Eltern werden in den Mainstream-Medien zitiert, wie praktisch die vollkommene Kontrolle über das Kind doch wäre – und zudem so leicht mit einem Tastendruck auf dem Smartphone abrufbar. Auch zur Bestrafung bietet das digitale Taschengeld ein leichtes, jedoch enorm wirkungsvolles Repressionssystem an. So wird eine gesamte Generation bereits im Kindesalter zur kompletten Konformität erzogen. Erst gegenüber dem Elternhaus, dann gegenüber dem Staat. Wie dieses System in der Praxis funktioniert, erläutert Professor Till Grüne-Yanoff von dem Royal Institute of Technology (KTH), Stockholm, in einem sehenswerten Beitrag von Frontal 21. »Karte oder Cash – Schafft Corona das Bargeld ab?«, lautet der Beitrag.

Corona und die digitale Diktatur

Wohin diese Entwicklungen führen können, sieht man bereits heute in der kommunistischen Diktatur China. Jeder Chinese verfügt dort über eine Einschätzung durch die staatliche Überwachungssoftware. Die Software belohnt jegliche Unterstützungsmaßnahme für die Diktatur mit einer positiven Bewertung, jegliche Kritik an der kommunistischen Partei und dem System jedoch mit einem negativen Eintrag. Die aktuelle Einschätzung wird jedem Chinesen zur Einschüchterung täglich auf seinem Handy angezeigt. »Grün« für absolute Regierungskonformität, »Gelb« als Verdachtsfall und bei »Rot« endet dann das gesellschaftliche Leben des Bürgers. Es wird zuerst eine Quarantäne gegen ihn verhängt, er darf seinen Wohnblock oder seinen Stadtteil nicht mehr verlassen, und es wird ihm beispielsweise untersagt, Konzerttickets oder ein Bus- und Zugticket zu kaufen, wozu immer der persönliche Identifizierungscode von seinem Smartphone übermittelt werden muss. Zur Repression des in Ungnade gefallenen Bürgers wird auch nicht unterschieden, ob er 500 Kilometer zu seinen schwer erkrankten Eltern fahren will, zu einer Hochzeit, einer Beerdigung oder zu einer Demonstration, sondern der Staat zieht schlicht den Stecker und isoliert so den aufmüpfigen Bürger. Die meisten wählen dann den Weg zurück zur vollkommenen Konformität, ein kleiner Rest riskiert hingegen, früher oder später in einem Umerziehungslager oder Gefängnis zu enden.

Abschaffung des Bargeldes

Den Rückgang der Bargeldzahlungen in Deutschland als Folge der Angst-Kampagne, die von Politik und Medien in Zusammenhang mit dem Coronavirus gezielt und perfide betrieben wurde und nach wie vor wird, bestätigt auch Marion Labouré von Deutsche Bank Research. Aber nicht etwa die Angst-Kampagne, sondern den Rückgang an sich. Nach ihren Zahlen hat Ende 2019 erst ein Drittel der Deutschen kontaktlos bezahlt, im August 2020 ist diese Zahl bereits auf 50 Prozent angestiegen.

982900_orzechowski_corona_neue_weltordnungDie digitale Diktatur wurde im Schatten der Corona-Krise massiv ausgeweitet. Die Anzahl von Firmen und Dienstleistern, die jegliche digitale Spuren des Verbrauchers erfassen, speichern, auswerten und weiterleiten oder an andere Firmen weiterverkaufen, ist allumfassend geworden.

Dazu gehören unter anderem Kreditkartengesellschaften wie Visa und Mastercard, Google, Facebook, Twitter und so weiter. Prof. Dr. Sarah Spiekermann, Wirtschaftsinformatikerin an der Wirtschaftsuniversität Wien, spricht bei diesem Komplex von einem »Überwachungskapitalismus«. Hinter dem Begriff verbergen sich Tausende Firmen, die untereinander Datenaustauschvereinbarungen getroffen haben.

Weiterhin spricht sie von einer »Echtzeit-Beobachtung« aller Menschen, bei der bis zu 40 000 Daten über eine einzelne Person gespeichert und ausgewertet werden. Auch über Sie, verehrter Leser.

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