Apartheid im Fußballstadion: Lauterbach ist hochzufrieden

Ligafussball in Corona-Zeiten (Foto:Imago/Insidefoto)

Die neuen Regelungen für die kommende Bundesligasaison sind unter freiheitlichen Kriterien – und verglichen mit allem, was vor Corona unhinterfragte und scheinbar ungefährdete Normalität war – nur noch als einziger Alptraum zu bezeichnen: In sturer Abhängigkeit von den – als aussagekräftiger Maßstab für das Infektionsgeschehen längst überholten – Inzidenzwerten sind maximal noch 50 Prozent der Höchstkapazität zugelassen. Steigt die Inzidenz über 35, sind maximal 5.000 Zuschauer zugelassen. Dabei dürfen in die Stadien sowieso nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete.

Dass dieser Wahnsinn allen Ernstes – bei einer aktuellen „7-Tages-Inzidenz“ von 4,9 – auch erleichtert bis begeistert als Freiheitsrückgewinnung beklatscht wird, zeigt das Ausmaß der Gehirnwäsche und Abrichtung der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu Sklaven einer künstlichen Pandemie. Anstelle einer „mutigen“, überfälligen Komplettöffnung und Renormalisierung, zumal mit Blick auf die fortschreitende Impfkampagne, sorgt sich die Politik um die „Delta-Variante„, der absehbar weitere Mutationen folgen werden, wenn diese als Panikträger ausgedient hat.

Um andererseits dem Wunsch der Bürger und der Profiligen nach mehr Live-Zuschauern in den Stadien Rechnung zu tragen, einigten sich gestern die Senats- und Staatskanzleien der Länder auf das neues Zuschauer-Konzept in Stadien und Hallen, über die „dts Nachrichtenagentur“ unter Berufung auf das Portal „Business Insider“ berichtet: So sieht das Beschlusspapier vor, maximal 5.000 Zuschauer dann zuzulassen, wenn die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am Austragungsort über 35 liegt und das Infektionsgeschehen „nicht klar eingrenzbar ist„. Ist die Inzidenz niedriger, liegt die zulässige Auslastung bei maximal 50 Prozent der jeweiligen Höchstkapazität – in keinem Fall aber bei mehr „als insgesamt 25.000 Zuschauenden„, so das Papier.

Fußballerlebnisse à la Nordkorea

Corona-Profilneurotiker Södolf Söder in Bayern geht dies natürlich viel zu weit: Er will, „wegen der hochansteckenden Delta-Mutation„, davon abweichen und reklamiert für seinen Freistaat wieder einmal einen Sonderweg; im Beschluss heißt es dazu, er wolle „die maximal zulässige Zuschauerzahl zunächst auf 35 Prozent der jeweiligen Vollauslastung und maximal 20.000 Zuschauer beschränken„. Und obwohl es in allen Stadien für alle nicht Geimpften und Genesenen eine strikte Testpflicht geben wird, soll es überall „mindestens abseits des eigenen Platzes und auf allen Begegnungsflächen“ eine „Pflicht zu medizinischen Masken“ geben.

Außerdem greifen, wen wundert’s?, auch Beschränkungen beim Alkoholausschank; zwei Bundesländer wollen sogar ein allgemeines Alkoholverbot einführen. Mit Virusbekämpfung hat all das zwar nicht das Geringste mehr zu tun – doch je mehr Restriktionen und Vorschriften, umso besser. Laut des Beschlusspapiers sollen die Regelungen vorerst bis zum 11. September gelten; da sich dann aber, je nach Wetter und mit etwas „Glück“ für die Coronazis, die Auswirkungen der saisonalen Grippe allmählich schon wieder bemerkbar machen könnten und die Zahlen ansteigen, ist anschließend eher mit Verschärfungen als Lockerungen zu rechnen.

Für den Moment aber nimmt das verbotskonditionierte, an Freiheitseinschränkungen schon hervorragend gewöhnte Volk auch diese Willkürschikanen eines durchgedrehten Gesundheitsregimes so willfährig hin wie alle anderen unverhältnismäßigen und übergriffigen Zumutungen der Politik – seit vielen Monaten. Und wenn es noch eines „Gütesiegels“ für die Unsinnigkeit und Unrechtmäßigkeit dieser fortgesetzten Grundrechtseingriffe und Bevormundungen gebraucht hätte, dann wird dieses von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach geliefert: Was dessen Zustimmung findet, kann – nach allen Erfahrungen dieser sogenannten Pandemie – nur falsch und wirkungslos sein.

Wichtigtuer Lauterbach muss wieder sein „Placet“ geben

Ausgerechnet Lauterbach findet nun die geplanten Stadion-Regelungen zum Start der Bundesliga-Saison vertretbar: „Ich halte das im Großen und Ganzen für vernünftig„, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland„; er glaube, „dass das so funktionieren wird„, fügte er hinzu. Es komme nun aber auch darauf an, An- und Abreise sowie den Einlass so zu organisieren, dass es dort nicht zu Ansteckungen komme, forderte der Mediziner. Lauterbach sagte, durch die geplante Testpflicht für Ungeimpfte sei die vorgesehene Auslastung der Stadien mit maximal 50 Prozent der jeweiligen Zuschauerkapazität akzeptabel. Ohne Testpflicht wäre allenfalls „eine Auslastung von 20 Prozent“ vertretbar, so Lauterbach.

Wieso muss eigentlich Lauterbach seinen Sermon hier dazugeben, wieso wird ausgerechnet er um „Erlaubnis“ gefragt? Unnachvollziehbare, beliebige Zahlenwerte, Fehleinschätzungen und ins Blaue hinein verfügte Kapazitätsgrenzen: Was bildet sich dieser anmaßende, fachlich überhaupt nicht kompetente, seit Jahrzehnten so gut wie nicht mehr ärztlich tätige Parlamentshinterbänkler eigentlich ein? Die wirren Regulatoren und Wichtigmacher leben ihre Corona-Neurose weiter munter aus, und die Deutschen schlucken wie eh und je alles, was man ihnen vorschreibt. Inzwischen sogar dort, wo sich früher kein Politiker hineinzuregieren traute: im Fußball, dieser einst schönsten Nebensache der Welt, wo die deutsche Volksseele ihrer Stimmungslage Luft machen konnte. Selbst dieser Freiraum ist keiner mehr. (DM)