Der schon wieder: Ex-Divi-Chef Janssens packt erneut die Intensivbetten-Keule aus

Professor Uwe Janssens sieht wieder schwarz - diesmal wegen "Impfmüdigkeit" - und sehnt sich nach dem Lockdown (Foto:Imago/IPON)

Das kommt ja wahrlich aus „berufenem Mund“: Ausgerechnet Intensivmediziner-Alarmtröte Uwe Janssens zeigt sich wieder mal tief besorgt im Zusammenhang mit Corona; diesmal allerdings nicht wegen der Situation der Intensivbetten (die er mit seinen Standeskollegen im Frühjahr, wohl wider besseres Wissen, maßlos übertrieben hatte) – sondern über den aktuellen „Stillstand der Impfkampagne„. Natürlich habe auch diese wieder unmittelbare Auswirkungen auf die Lage der Kliniken. In Wahrheit sehnt er sich wohl nach dem Lockdown.

Man wisse „aus verschiedenen Berechnungen„, so der einstige Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), dessen ständige Unkenrufe und Triagedrohungen den letzten Lockdown im Winter in die stetige Verlängerung getrieben hatten, dass es womöglich „im Herbst ähnliche Zustände auf den Intensivstationen wie Anfang des Jahres“ geben werde, mit „bis zu 6.000 Intensivpatienten„. Und zwar drohe dies dann, „wenn wir es nicht schaffen, 85 Prozent der 59- bis 70-Jährigen zu impfen„, so Janssens laut „dts Nachrichtenagentur“.

Eine ungeheuerliche Aussage, die mit größter Vorsicht zu genießen ist. Und zwar nicht nur, weil Janssens´ Horrorprognosen im Winter ebenfalls absurd überzogen waren (und zwischenzeitlich feststeht, dass eine systemische Überlastung des Gesundheitswesens zu keinem Zeitpunkt gedroht hatte, weil die Engpässe mehr durch Herunterfahren von Bettenkapazitäten durch die Krankenhäuser selbst bedingt waren als durch Patientenzustrom), oder weil trotz zeitweise über 5.000 sogenannten „Covid-Intensivpatienten“ (die bei weitem nicht alle ursächlich wegen Covid behandelt wurden) noch nicht einmal die Notfallreserve von 11.000 Betten angekratzt werden musste.

Unlogisch und unglaubwürdig

Sondern vor allem deshalb ist Janssens Fürchtemacherei Unsinn, weil die Impfungen ja nachweislich den offenkundigen Effekt zumindest der Verhinderung schwerer Verläufe vorweisen können – was unter anderem aktuell dazu führt, dass in Großbritannien gerade einmal 400 Intensivbetten belegt sind, obwohl dort Tag für Tag 50.000 Menschen als „Neuinfizierte“ anfallen. Und: In Großbritannien sind sogar mehr als 90 Prozent der von Janssens als kritisch gesehenen Altersgruppe geimpft – und trotzdem kommt es zu den „neuen Fällen“. Die deutsche „Impfmüdigkeit“ hat daher für das Gesundheitssystem überhaupt keine konkrete Auswirkung. Was den ehemaligen Divi-Chef in Wahrheit wurmt und zutiefst verärgert, ist offenbar, dass nach der Bevölkerung nun auch immer weniger Politiker Lust haben, das Pandemie-Kasperletheater mitzuspielen (und sei es aus Wahlkampfgründen), und in den letzten zwei Monaten doch tatsächlich Freiheiten und Lockerungen gewährt haben: „Das Signal der Politiker, alles wieder zu öffnen und den Leuten das Gefühl zu geben, alles ist wieder gut, das war ein Schritt zu schnell„, so Janssens.

Interessant, dass der Mediziner dann wiederum jedoch eine Impfpflicht für das Pflegepersonal ablehnt – „vor dem Hintergrund des ohnehin herrschenden Personalmangels“: An dieser Stelle mit drastischen Maßnahmen vorzugehen, werde „einige Leute wegtreiben… Ob das der richtige Weg ist, glaube ich nicht.“ Man müsse weiter versuchen, die Menschen zu erreichen und „das werden wir nicht mit Geboten und Verboten schaffen, das ist meine feste Überzeugung“, so Janssens. Also soll die Normalbevölkerung um jeden Preis durchgeimpft werden und die Impfmüdigkeit bekämpft werden – auf das umgeimpfte Pflegepersonal aber soll kein Druck ausgeübt werden? Wahrhaftig ein bemerkenswertes Verständnis von Logik und Konsequenz, die Janssens hier offenbart. (DM)