Bald Bürgerkrieg auf dem Bahnhof?

Urlaubsregion Bahnhof (Foto: Anton Havelaar/Shutterstock)

Das wird ein Sommer, den wir wohl alle nicht vergessen werden, denn statt dem wohlverdienten Urlaub könnte es auf den deutschen Bahnhöfen Bürgerkrieg geben:

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) rechnet mit einem sehr hohen Verkehrsaufkommen, wenn am 1. Juni das 9 Euro-für-30-Tage-Ticket startet. Das sagte VRR-Vorstand José Luis Castrillo der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe). Jeder zweite Bürger, der aktuell kein Abo des VRR habe, wolle das Ticket nutzen, habe eine Umfrage des VRR ergeben.

„Wenn wir von den 7,5 Millionen Menschen im VRR-Gebiet die 1,2 Millionen abziehen, die schon ein Abo haben, kommen wir auf 2,5 bis drei Millionen Menschen, die das 9-Euro-Ticket potenziell kaufen werden.“ 70 Prozent dieser interessierten Kunden wollten mit den Tickets auch außerhalb des VRR-Gebiets fahren, sagte Castrillo. Der VRR-Vorstand warnte davor, Fahrräder in den Zügen gerade zu attraktiven Zielen mitzunehmen: „Zweiräder werden gemäß Beförderungsbedingungen nur mitgenommen, wenn es genügend Kapazitäten zur Mitnahme gibt. Also wird es klüger sein, Fahrräder am Zielort auszuleihen, statt sie mitzunehmen.“

Die bisherigen Abos laufen weiter, allerdings während der Laufzeit der Aktion zum Preis von ebenfalls neun Euro im Monat. Castrillo: „Alle Abonnenten werden vom Neun-Euro-Ticket profitieren. Meistens buchen die entsprechenden Verkehrsbetriebe weniger ab. Oder es gibt eine automatische Erstattung.“ Der Manager rechnet nach eigenen Angaben damit, dass der VRR 230 bis 240 Millionen Euro an Mindereinnahmen haben wird, weil die Abonnenten drei Monate lang weniger zahlen. Der Bund habe zugesagt, dieses Geld zu erstatten, doch die Hilfe sollte nach Ansicht des VRR aufgestockt werden, weil viele Verkehrsverbünde die Kapazitäten wegen der Rabatt-Aktion stark erhöhen müssen: „Über einen Ausgleich für höhere Personal- und Energiekosten in dieser Zeit müssen Länder und Bund sich noch einigen.“

Und hier geht es nur um EIN Bundesland, das ja nicht gerade zu den beliebtesten Urlaubsregionen zählt. Es kann also auf den Bahnhöfen und in den Abteilen heiß hergehen, mal ganz abgesehen davon, ob die Bahn überhaupt in der Lage ist, den zu erwartenden Massenansturm zu bewältigen.

Und alles ist natürlich wie immer eine Milchmädchenrechnung. Denn der Bund, also der Steuerzahler, wird dabei natürlich zur Kasse gebeten. (Mit Material von dts)