Deutsche und niederländische Soldaten im gemeinsamen Manöver (Foto:Imago)

Geplante deutsch-niederländische Streitkräfte-Fusion: Großmachtsphantasien im Kampf gegen Putin?

Anstelle der seit Jahrzehnten immer wieder herumgeisternden Schimäre einer “europäischen Armee”, die außer Modellprojekten und Absichtserklärungen nur heiße Luft blieb, setzt man in Berlin nun auf eine “Verteidigungsunion” mit einzelnen Ländern. Den Anfang sollen hier die Niederlande machen: Deren gesamte Truppe soll in die Bundeswehr eingebunden werden. Der aus Not geborene Vorschlag, die Armee eines kleinen Nachbarlandes der mutwillig ruinierten und desolaten, weil moralisch und materiell entkernten Armee des bevölkerungsreichsten Staates der EU quasi funktional einzuverleiben, könnte schon im April Umsetzung finden. Die Führungsstäbe der beiden Streitkräfte sind sich bereits einig. “Gibt die Politik grünes Licht, geht es im April los mit der ‘Tiefenintegration’”, schreibt der “Tagesspiegel” (TS).

Die Entwicklung vollzieht sich schon länger: Seit 28 Jahren bestehet ein deutsch-niederländische Korps, stationiert im nordrhein-westfälischen Münster. Es war nur der Auftakt für weitere Zusammenlegungen: vor rund 20 Jahren wurde die 11. Luftbewegliche Brigade der niederländischen Armee in die deutsche Division Schnelle Kräfte eingebunden; später kam noch eine Brigade dazu. Jetzt aber soll die große Fusion anstehen: Bereits vor zwei Monaten unterzeichneten der deutsche Heeresinspekteur Alfons Mais und sein niederländischer Kollege Pendant Martin Wijnen eine „Army Vision“. Es handelt sich dabei, so der TS, um “eine Art Fahrplan” dafür, wie es gemeinsam weitergehen soll.

Gemeinsam gegen Scheinbedrohungen

Anlass und Aufhänger des avisierten künftigen Zusammengehens ist – wie könnte es anders sein – der Ukraine-Krieg: “Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine“  habe, so die Bundeswehr, “das Umdenken beschleunigt, die militärische Verteidigungsbereitschaft Europas als gemeinsame Aufgabe anzugehen.“  Was markig klingt, soll wohl vor allem den moralischen Großmachtsphantasien der “Putin-Trotzer” und zur Verteidigung des “Werte-Westens” wild entschlossener Aktivisten Rechnung tragen, die in einem Atemzug vom “Sieg der Ukraine” schwafeln und ein “Überrollen” der baltischen Staaten, Polens und am besten gleich Deutschlands und des Restes der EU durch die russischen Streitkräfte fürchten. Also soll durch strategische Bündelung aller Reserven dieser herbeigeredeten Scheinbedrohung vorgebeugt werden – eine Scheinbedrohung, die allenfalls genau dadurch eines Tages zu realen Bedrohung mutieren könnte, dass der Westen eben die Ukraine immer weiter hochrüstet und den Konflikt dadurch verlängert wie auch eskaliert.

Losgehen soll die “Tiefenintegration” von deutschen und holländischen Truppen zunächst ganz sachte, durch Erhöhung der Zahl an Austauschoffizieren und Angleichung von Vorschriften und Harmonisierung technischer Kompatibilitäten, etwa bei der Kommunikation. Und es soll eine Beschaffungskooperation folgen, damit – so ein  Sprecher des Heeres zum TS – , „künftig öfter identische oder mindestens kompatible Landsysteme gekauft werden, sodass die Interoperabilität der beiden Heere noch weiter verbessert werden kann“. Wenn demnächst also Käsköppe und Kartoffeln gemeinsam zur Verteidigung ihrer bunt bereicherten Failed States ins Feld ziehen, wenn der Ukraine-Konflikt sich endgültig zum Weltkrieg ausgeweitet hat, verglühen sie wenigstens gemeinsam im Atomblitz. (TPL)

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