Eine aufgebrachte Feministin; Bild: Shutterstock
Der Aufschrei: Nervtötend - Bild: Shutterstock

Sexualisierte Gewalt: Halt die Luft an, Nils Pickert!

“Was in Männerwelten unsichtbar bleibt”, titelt der Kolumnist Nils Pickert in einer Kolumne für den österreichischen “Standard”, um dann über “die Männer” herzuziehen, die das Thema “sexualisierte Gewalt gegen Frauen” nicht ernst genug nehmen. Da hätte wohl besser einer geschrieben, den man ernstnehmen kann. Nils Pickert ist das nämlich nicht.

von Max Erdinger

Frauen werden KO-Tropfen in die Drinks geschüttet, es wird ihnen hinterher gepfiffen, sie werden von Fremden plump angemacht, sie trauen sich nachts nicht mehr alleine durch den Park, sie werden zu Mordopfern von Triebtätern – alles wahr. Das war’s dann aber auch. Nils Pickert empört sich über “die Männer”, spricht ständig von “Wir”, “uns Männern” und “unserer” verachtungswürdigen Gleichgültigkeit dem Schicksal der Frauen gegenüber. Bei der Weltmeisterschaft für Faktenausblendung würde Pickert den Titel holen.

Nils Pickert

Eine kurze Recherche zu “Nils Pickert” ergibt Folgendes: “Nils Pickert, Jahrgang 1979, hat zwei Töchter und zwei Söhne. Er ist Autor des Buchs “Prinzessinnenjungs” (Beltz Verlag, 18,95 €). Er berät Firmen, wie sie eine sichere Arbeitsatmosphäre schaffen in Zeiten von #metoo, arbeitet für Pinkstinks und redet vor Männern darüber, was Gleichberechtigung für sie bringt.” (chrismon.evangelisch.de) – “Nils Pickert ist freier Journalist und hat vier Kinder. Mit pinkstinks.de engagiert er sich gegen Sexismus in der Werbung. Im März 2020 erschien sein Buch: «Prinzessinnenjungs. Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien» (Beltz).” (www.wireltern.ch)

Pickert Emma
Nils Pickert – Screenshot “Emma”
Pickert Twitter
Nils Pickert – Screenshot Twitter

Wie bringt man Männer dazu, feministische Bücher zu lesen, Nils Pickert?“, wollte die Zeitschrift “elleXX” von ihm wissen.

Daß ihm eine Kolumne mit dem Titel “Was in Männerwelten unsichtbar bleibt” gründlich mißlingen muß, liegt auf der Hand. Und daß ihm eine mit dem Titel “Was in Frauenwelten unsichtbar bleibt” durchaus gelungen wäre, hat er im “Standard” bewiesen.

Pickert im Wortlaut

Pickert fragt: “Warum tun wir Männer Abwertung um Abwertung, Übergriff um Übergriff, Vergewaltigung um Vergewaltigung, Femizid um Femizid so, als wäre nichts? Bei jedem neuen Fall heucheln wir Überraschung. Nein, der doch nicht, kann ich mir nicht vorstellen, bloß nicht übertreiben. Jedes Mal führen wir einen lächerlichen Eiertanz auf, weil wir einfach nicht wahrhaben wollen, wie systemisch und gesellschaftsbestimmend (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen ist.

Erdinger antwortet: Du hörst jetzt mal schön damit auf, von uns beiden als von “Wir” zu reden. Ich tue nämlich nicht so, als wäre “Abwertung um Abwertung, Übergriff um Übergriff, Vergewaltigung um Vergewaltigung, Femizid um Femizid” nichts. Du offenbar auch nicht. Woher also dieses impertinente und realitätsfremde “Wir”? Die Mühe wirst du dir wohl machen müssen, herauszufinden, welche Männer es überwiegend sind, die so tun, als seien “Abwertung um Abwertung, Übergriff um Übergriff, Vergewaltigung um Vergewaltigung, Femizid um Femizid” nichts. Ich sage dir aber auf den Kopf zu, daß du über diese Männer nichts schreiben würdest. Du nicht. Das würden die Kreise, für die du schreibst, nämlich gar nicht goutieren.

Pickert fragt: “Oder was macht es mit Ihnen, wenn ich Ihnen sage, dass es Millionen Täter gibt? Dass Sie einen kennen, einen decken, einer sind oder alles zusammen? Dass das keine Einzelfälle sind, die leider, leider hier und da passieren, sondern unser misogynes Fundament ist, auf dem Sie und ich unseren täglichen Geschäften nachgehen.

Erdinger antwortet: Wenn du auf einem “misogynen Fundament” deinen täglichen Geschäften nachgehst, Pickert, wird es Zeit, daß du dich besserst. Und wenn du einer von Millionen Tätern bist, einen deckst, einer bist oder “alles zusammen”, dann hast du jede Berechtigung verspielt, von dir und den Millionen anderer Männer, die das nicht machen oder sind, als von “wir Männer” zu reden. Nicht so schwer zu verstehen, oder? Sollte sogar ein Feminist auf die Reihe bekommen.

Pickert gibt Auskunft: “Falls Sie jetzt den Eindruck haben, ich sei ein bisschen wütend, dann täuschen Sie sich. Ich bin stinksauer. Und zwar schon länger. Denn die meisten Männer, denen ich in meinem Leben bisher begegnet bin, schütteln über systematische Verachtung von und Gewalt gegen Frauen nur den Kopf. Weichen aus, finden das überzogen oder gar männerfeindlich und freuen sich, wenn ich endlich mein Maul halte. Mach ich aber nicht. Und wo ich gerade dabei bin, mich aufzuregen: Bei dem Gedanken daran, dass wir sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen wie eine Naturkatastrophe behandeln, möchte ich am liebsten alles anzünden.

Erdinger mit der Gegenauskunft: Mir ist scheißegal, ob du ein bißchen wütend oder stinksauer bist und was bei den meisten Männern, denen du in deinem Leben begegnet bist, für Kopfschütteln sorgt. Anzünden ist übrigens out. Kleb dich an einem Frauenhaus fest und stimme ein Loblied auf die Männer an, die es gebaut haben. Wenn du einen vorbeilaufen siehst, der bei deinem Anblick mit dem Kopf schüttelt, bin’s wahrscheinlich ich.

Der Oberlehrer Pickert: “Sexualisierte Gewalt ist aber keine Naturkatastrophe. Es ist ein zumeist männliches Verbrechen, das auch von denen geschützt wird, die es selbst nicht begehen.

Der Schüler Erdinger fragt nach: Wäre denn dann wenigstens die nichtsexualisierte Gewalt eine Naturkatastrophe, Herr Oberlehrer? Mit weniger als einer Naturkatastrophe würden “wir” uns doch kaum zufrieden geben, habe ich recht? Oder muß es unbedingt sexualisierte Gewalt sein, damit der Gewalttäter das Männerschwein ist, das du gern hättest? Musst du Femigeilist eigentlich immer an Sex denken, wenn du etwas über Gewalt gegen Frauen schreibst? Glaub’s einfach: So einen wie dich würde ich nicht schützen.

Pickert behauptet: “Wir naturalisieren es, wir blasen es auf.

Erdinger widerspricht: Nochmal: “Wir” nicht. Und ich will ehrlich gesagt gar nicht wissen, was du aufbläst, um es zu naturalisieren. Womöglich hätte es noch Perücken zum Wechseln.

Pickert recht naseweis: “Wir machen es zu einer Urgewalt und erklären damit, dass Frauen qua Geschlecht in einer Welt leben, in der im Bedarfsfall über ihre Körper verfügt wird. In der man sie zum Objekt macht und ihnen alles wegnehmen will, was ihnen gehört und was sie sind.

Erdinger recht abgeklärt: Na sowas, Pickert. Fällt dir noch ein anderes Geschlecht ein, über dessen Körper im “Bedarfsfall” verfügt wird, wer über ihn verfügt und es dadurch zum Objekt macht und ihm alles wegnimmt, was ihm gehört und was es ist? Das Leben als solches, zum Beispiel? Impertinente Weiber, die junge Männer in der Ukraine an der Front verheizt sehen wollen, vielleicht? Die Frau Nuland? Die Frau Baerbock? Die Frau Strack-Zimmermann? Welches Geschlecht hat die meisten tödlichen Arbeitsunfälle in den gefährlichsten Jobs wegen “Bedarfsfall” und so? Möchtest du vielleicht einmal die feministischen Tomaten von deinen kurzsichtigen Augäpfeln herunternehmen, Mr. Naseweis? Und nochmal: Wo genau kommen die allermeisten jener “Wirmänner” her, die in den vergangenen Jahren extrem mit ihrer “sexualisierten Gewalt” gegen Frauen aufgefallen sind? Aus Kärnten? Aus Salzburg? Aus Bayern? Haben sie Tirolerhüte auf und tragen sie Trachtenjanker? Wo kommt er weit überwiegend her, dieser legendäre “Einmann”? Und welches Geschlecht führt die Kriminalstatistik beim Delikt “Falschbeschuldigung” im sexuellen Zusammenhang an? Komm bloß nicht ins Stottern jetzt, Pickert.

Der Wir-Pickert: “Wir erklären diese Welt zum Schicksal, obwohl wir sie jeden Tag gegen Frauen neu erschaffen. Mit unserer Anspruchshaltung, unserer Gier, unserer Gewaltbereitschaft und unserem gekränkten Stolz. Mit unserem Desinteresse und unserer Ignoranz.

Der Ich-Erdinger: Dem Wahn, daß du jeden Tag die Welt neu erschaffst – gegen Frauen auch noch – bist du ganz alleine erlegen, Pickert. Meinereiner erschafft die Welt nicht neu, an keinem Tag. Wofür hältst du dich eigentlich? Für den feministischen Weltenschöpfer, oder was? Du solltest dringend an deiner Anspruchshaltung, deiner pseudomoralistischen Maßlosigkeit, deiner verbalen Gewaltlügenbereitschaft anderen Männern gegenüber und am Fehlen deines Stolzes arbeiten. So geht es nämlich nicht weiter mit deinem Desinteresse und deiner Ignoranz. Und laß dich nicht nochmal beim “Wir”-Sagen erwischen, sonst klappert’s. Meinereiner hat nämlich die Schnauze gestrichen voll von feministisch Zerebraldegenerierten deiner Couleur. Haben “wir” uns verstanden? – Sehr gut. Nichts zu danken.

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