Orbán: Wir brauchen “sofortigen Frieden. Holt Trump zurück. Das ist die einzige Lösung”

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Der ehemalige Fox News Moderator Tucker Carlson sprach in Budapest mit Viktor Orbán, sein zweites Interview mit dem ungarischen Ministerpräsidenten. Orban sagte, die russische Invasion der Ukraine wäre »unter Donald Trump nicht möglich gewesen«, und forderte »sofortigen Frieden« in der Ukraine.

Der ungarische Premierminister Viktor Orbán nannte im Gespräch mit Tucker Carlson am 22.8. auf der Budaer Burg die Behauptung vieler westlicher Medien, dass die Ukraine den Krieg gewinne, »eine Lüge«:

»Es ist nicht nur ein Missverständnis, es ist eine Lüge. Es ist unmöglich. Jeder in der Politik, der die Logik, die Zahlen, die Daten versteht – keine Chance…«, so Orbán.

»Jeden Tag sterben hunderte und tausende arme Ukrainer. Mein Herz ist bei ihnen. Das ist eine Tragödie für die Ukraine. Aber ihnen werden die Soldaten ausgehen, und zwar vor Russland. Was letztendlich zählt, sind Bodentruppen. Und die Russen sind viel stärker, und viel mehr”, sagte Orbán. Der Westen unterstütze eine »schlechte« Strategie, so  Orbán.

Tucker Carlson stellte fest, das Ziel der Biden-Regierung sei scheinbar ein »Regimewechsel in Russland, und Putin zu töten«.

»Die Russen werden ihren Anführer nicht töten. Sie werden niemals aufgeben«

Orbán bemerkte, es sei »schwierig, die Russen zu verstehen, besonders wenn ein Ozean zwischen Ihnen und Russland liegt.« Wenn Westler über Politik sprechen, konzentrieren sie sich laut Orbán auf Werte wie »Freiheit«.

In Russland liege der Fokus dagegen darauf, »wie man das Land zusammenhält. Es ist ein sehr großes Land.« Dieser Fokus führe »zu einem eher militärischen Ansatz«, bemerkte Orbán: »Da geht es um Sicherheit, Pufferzonen, Geopolitik. Das ist legitim, weil es ihre Geschichte ist. Wir müssen verstehen, dass wir sie nicht schlagen können, so wie wir jetzt vorgehen. Sie werden ihren Anführer nicht töten. Sie werden niemals aufgeben. Sie werden ihr Land zusammenhalten und verteidigen.«

»Wenn wir mehr Geld geben, werden sie auch mehr Geld in die Hand nehmen«, sagte Orbán. Wenn der Westen mehr militärische Ausrüstung schicke, werde Russland eben auch mehr militärische Ausrüstung produzieren, sagte er. Orbán nannte die Idee, dass die Russen Putin stürzen werden, »einen Witz«.

Orbán erinnerte an die Zeit der Instabilität zwischen dem ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin und Putin, als Europa sich Sorgen um »Anarchie« in Russland machte. »Alle waren heilfroh, als nach Jelzin Putin kam und das Militär und die russische Macht in den Griff bekam… Wir haben vergessen, wie gefährlich es ist, wenn es in Russland keine starke Führung gibt.« Ein Machtvakuum in Russland sei »das schlimmste, was passieren kann.«

»Das scheint aber unser Ziel zu sein, zumindest im US-Außenministerium«, warf Carlson ein.

»Das ist ein Fehler«, sagte Orbán. »Wenn das das Ziel ist, ist es ein Fehler.

»Das klingt sehr gefährlich«, bemerkte Carlson.

»Es ist mehr als gefährlich«, sagte Orbán. »In Washington, in den Vereinigten Staaten in Sicherheit zu sitzen, ist ein anderes Gefühl als hier in Budapest. Die Ukraine ist nebenan. Was dort passiert, könnte einen unmittelbaren Einfluss in Ungarn haben. Washington ist weit weg. Die Ukraine ist nah. Das ist der ungarische Ansatz.«

»Der Dritte Weltkrieg klopft an unsere Tür«

Irgendwann werde die Ukraine mehr Soldaten brauchen, stellte Tucker Carlson fest. »Woher sollen sie kommen?«

»Das ist die gefährlichste Frage«, sagte Orbán. »Wenn irgendein westliches Land Bodentruppen schicken würde, würde das Krieg zwischen dem Westen und Russland bedeuten, und wir wären im Dritten Weltkrieg.« Dies sei »nicht nur für mich offensichtlich«, sagte Orbán, sondern »für jeden normalen Bürger auf der Straße« in Ungarn.

»All unsere Bürger sind sich bewusst, dass wir in einem sehr gefährlichen Moment leben. Der Dritte Weltkrieg klopft an unsere Tür. Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein. Das ist auch meine Botschaft an Amerika, auf NATO-Gipfeln: Seid vorsichtig.«

Die Amerikaner dächten oft, »sie sind klüger, weil sie größer sind«, scherzte Orbán.

Tucker Carlson befragte Orbán auch nach der Sabotage der Nord Stream-Pipeline: »Es scheint sehr offensichtlich, dass die Biden-Regierung Nord Stream entweder direkt oder durch Stellvertreter gesprengt hat. Warum sagt Westeuropa, insbesondere Deutschland, nichts? Wir haben schließlich gerade die deutsche Wirtschaft zerstört.«

Als der Angriff auf Nord Stream geschah, wollte Ungarn dies als terroristischen Angriff bezeichnen, was von den Deutschen abgelehnt wurde, sagte Orbán. »Es war also scheinbar kein Terrorangriff, sondern irgendetwas anderes«, so Orbán. »Das ist ein Zeichen für mangelnde Souveränität«, sagte Orbán, auf Deutschland gemünzt.

Umgang mit NordStream »ein Zeichen für mangelnde Souveränität« Deutschlands

»Das ist eine Angelegenheit der Deutschen. Ich möchte sie nicht kritisieren«, sagte Orbán. »Was wir Ungarn jedoch sofort klargestellt haben, ist, dass es eine andere Pipeline gibt, nicht nur Nord Stream. Es gibt South Stream (offiziell TurkStream), die von Russland über die Türkei, Bulgarien, Serbien und Ungarn führt. Zusammen mit dem serbischen Premierminister und Präsidenten haben wir sehr klar gemacht, wenn jemand dasselbe mit diesem südlichen Korridor tun möchte, werten wir das als kriegerischen Akt, als terroristischen Angriff.

»Das könnt ihr vielleicht mit den Deutschen machen, aber nicht mit uns.« Diese Warnung richtete sich »nicht an Moskau«, sagte Orbán auf Nachfrage. Er deutete also an, dass die Warnung an die Biden-Regierung in Washington gerichtet war.

»Wenn Sie Joe Biden wären, was würden Sie im Ukrainekrieg machen?”, fragte Carlson.

»Sofortigen Frieden«, sagte Orbán. »Holt Trump zurück. Das ist die einzige Lösung.«

Man könne Donald Trump »aus vielen Gründen kritisieren«, sagte Viktor Orbán. Aber Trump hatte immerhin »die beste Außenpolitik der letzten Jahrzehnte… Er hat keine neuen Kriege angefangen. Er war freundlich zu den Nordkoreanern, zu Russland, sogar zu den Chinesen. Er hat eine sehr gute Politik für den Nahen Osten gemacht: die Abraham-Abkommen. Trump hatte eine sehr gute Außenpolitik.«

»Wenn er (Trump) Präsident gewesen wäre, wäre die russische Invasion in die Ukraine nicht möglich gewesen«, sagte Orbán. »Trump ist derjenige, der die Welt retten kann«, so Viktor Orbán.

Carlson merkte an, dass US-Vizepräsidentin Kamala Harris auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 20. Februar 2022 den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eingeladen hatte, der NATO beizutreten.

Orbán erinnerte daran, dass die NATO-Staaten in Bukarest 2008 eine NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine abgelehnt hatten, zu einer Zeit, als Russland zu schwach gewesen wäre, um dies zu verhindern.

»Dieses Fenster ist nicht mehr geöffnet. Wir können uns nicht leisten, eine so lange Grenze zwischen Russland und der Ukraine zu haben, wenn die Ukraine zur NATO gehört. Das würde eine unmittelbare Kriegsgefahr für uns alle bedeuten. Das wäre sogar für Washington gefährlich.«

Anstatt die Ukraine in die NATO aufzunehmen, »sollten wir das Gegenteil tun«, schlug Orbán vor. »Wir sollten mit den Russen eine neue Sicherheitsarchitektur aushandeln, um Sicherheit und Souveränität für die Ukraine zu gewährleisten, aber keine NATO-Mitgliedschaft.«

»Wenn die Vereinigten Staaten es wollen, wird es morgen Frieden geben«

Wenn Donald Trump wiedergewählt würde, sollten die Vereinigten Staaten »öffentlich eingestehen, dass sie den Schlüssel (zum Frieden) in der Hand halten. Wenn die Vereinigten Staaten es wollen, wird es morgen Frieden geben. Denn es ist offensichtlich, dass die armen Ukrainer in diesem Krieg alleine nicht mithalten können. Wenn es kein Geld und keine Ausrüstung aus dem Westen, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, gibt, ist der Krieg vorbei. Die Lösung liegt in eurer Hand. In der Hand eures Präsidenten – des jetztigen oder des zukünftigen. Die Vereinigten Staaten können das beenden – sonst keiner. Das ist keine Frage für die Ukrainer. Natürlich dürfen die Ukrainer nicht vernachlässigt werden, sie müssen einbezogen werden, aber der eigentliche Faktor ist nicht die Ukraine, sondern die Vereinigten Staaten.«

Nach den konservativen und patriotischen ungarischen Werten gefragt,  bemerkte Orbán, dass Ungarn eine 1.100-jährige Geschichte habe, auf die es stolz sei, und seine katholisch-christlichen Werte »nicht ideologisch, sondern im Alltag« lebe.

»Ich bin leider nicht der Lieblingspolitiker der Liberalen (= der Linken)«, scherzte Orbán. »Aber niemand ist perfekt.«

Der Westen sei derzeit gespalten zwischen Menschen, die egoistisch dächten, und denen, die »Familie, Nation und Gott« schätzten, so Orbán »Und das bedeutet, dass man dienen muss.«

(In Ungarn und den USA wird das politischen Attribut ‘Liberal’ nicht wie in Deutschland im Sinne der FDP verwendet, sondern als synonym für ‚Links‘.) Eigentlich bedeute  ‘Liberal’ ursprünglich ‚Freiheitlich‘, sagte Orbán. »Aber jetzt bedeutet es, ein Feind der Freiheit zu sein.«

Tucker Carlson bemerkte, dass das Biden-Regierung ihn als “Faschisten” betrachte und fragte Orbán, ob ihn das besorgt.

»Es ist gefährlich«, sagte Orbán. »Wenn die US-Regierung einen nicht mag oder als Feind betrachtet, ist das gefährlich… Wenn Sie (die USA) jemanden kritisieren, muss man sehr vorsichtig sein, wie man damit umgeht. Die Regierung der Demokraten tut das jetzt regelmäßig. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass dies nicht die Ansicht der Amerikaner ist, sondern nur die Ansicht der US-Regierung. Nicht alle Amerikaner haben dieselbe Sichtweise wie die Regierung… Der frühere Präsident (Trump) ist ein Freund der Ungarn, auf der Grundlage unserer gemeinsamen Werte, ein echter Freund. Daher machen wir nicht den Fehler, die Amerikaner mit ihrer Regierung gleichzusetzen. Hoffentlich kommt Trump zurück, dann wird  unsere Beziehung wieder sehr gut sein.«

»Hoffentlich kommt Trump zurück, dann wird  unsere Beziehung wieder gut«

Carlson merkte an, dass die Biden-Regierung zusammen mit der EU bei der vorherigen Wahl Steuergelder für eine erfolglose Auslandskampagne gegen Orbán ausgegeben habe, wie Freie Welt berichtet hat. »Viel Geld«, stellte Orbán fest, das definitiv gegen »alle Prinzipien« verstößt, »an die wir glauben«. Ungarn sei jedoch heute stark genug, um dem wirtschaftlichen Druck der USA standzuhalten, glaubt Orbán.

Orbán werde vorgeworfen, ein »Marionette Putins« zu sein, so Carlson, worauf Orbán antwortete, dass die »tragische« Geschichte der Beziehungen Ungarns zu Russland verhindere, dass ein ungarischer Führer jemals eine »Marionette der Russen« sein könne.

»Aber natürlich versuche ich, eine vernünftige Beziehung zu den Russen zu haben, besonders in wirtschaftlichen und Energie-Fragen. Ohne die Russen in eine Sicherheitsarchitektur für Europa einzubeziehen, können wir den Bürgern Europas kein sicheres Leben bieten. Aber jetzt läuft leider alles in die falsche Richtung. Was die NATO tut, ist sehr seltsam. Wenn Sie sich die offizielle Position der NATO anschauen, ist es genau das, was ich gesagt habe: Keine Einmischung, so viel wie möglich für den Frieden tun. Das ist die offizielle Position der NATO… Die Politik der Vereinigten Staaten, die Ukrainer zu unterstützen und zu finanzieren, entspricht nicht den Grundsätzen der NATO.«

Carlson bemerkte, dass die NATO immer weiter nach Osten gerückt sei und nun 1500 km Grenze mit Russland teile, was anscheinend einen Krieg mit Russland provoziere. »Was ist eigentlich der Sinn der NATO?«, fragte er.

»Wir haben von Anfang an gesagt, dass diese NATO-Strategie nicht funktionieren wird«

»Der Sinn der NATO ist es, stärker als Russland zu sein«, sagte Orbán. »Die Russen sind derzeit nicht einmal stark genug, um die Ukrainer zu schlagen. Russland ist nicht in der Lage, die NATO zu bedrohen.« Einige NATO-Anführer, sagte Orbán, »wie Ihr Präsident, hatten eine Strategie, Russland zu zerschlagen. Die Strategie war, die ukrainischen Soldaten kämpfen zu lassen und diesen Kampf durch Geld und Ausrüstung der NATO-Mitgliedstaaten zu finanzieren… Wir Ungarn haben von Anfang an sehr klar gesagt, dass diese Strategie nicht funktionieren wird. Jetzt haben wir anderthalb Jahre Krieg hinter uns, und es ist offensichtlich, dass diese Strategie eine schlechte war. Wir müssen damit aufhören. Wir brauchen eine neue Strategie – oder wir sollten so schnell wie möglich nach Frieden streben.«

Schließlich fragte Tucker Carlson Viktor Orbán, ob er jemals darüber nachgedacht habe, in Ungarn wie aktuell in den USA das Justizsystem gegen seine politischen Gegner zu instrumentalisieren.

»Wir haben ein paar dunkle Kapitel in unserer Geschichte, aber diese Art von Bürgerkrieg ist nicht Teil unserer Kultur«, sagte Orbán. »Das zu tun, was gerade in manchen Ländern wie in Ihrem Land passiert – das Justizsystem gegen politische Gegner einzusetzen – ist in Ungarn unmöglich. Das ist dasselbe, was die Kommunisten gemacht haben. Es ist eine sehr kommunistische Methode«

»Wettbewerb ist in Ordnung«, sagte Orbán, »aber er muss fair und rechtlich einwandfrei sein, sonst opfern Sie die Zukunft Ihres Landes für Ihren persönlichen Erfolg, was inakzeptabel ist. Zumindest in Ungarn.«

 

Zuerst veröffentlicht auf Freie Welt

 

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