Neulich im Seniorenheim (Symbolfoto: Philip Pilosian/Shutterstock)

Deutschland 2023: Alles für die Ukrainer – Nichts mehr für Berliner Senioren

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Knapp 4500 Euro Miete im Monat für ukrainische Flüchtlinge, in Sachsen-Anhalt kein Einzelfall und kein Problem. In Berlin hingegen verlieren 1000 Senioren am Ende des Jahres ihre Betreuung – der Senat stellt die Förderung für den sie versorgenden Verein ein. Es geht um 720.000 Euro jährlich. 

Die 1000 Senioren der Berliner MoRo Seniorenwohnanlagen e.V. sind verzweifelt. Ab 31. Dezember sind sie ohne Betreuung und Hilfe. Der Verein ist dank des rot-schwarzen Senats finanziell am Ende und muss Bewohner in fünf Häusern im Stich lassen. Betroffen sind Bewohner in den Neuköllner Anlagen im Rollbergkiez (Rollbergstraße), im Reuterkiez (Reuterstraße), in der High-Deck-Siedlung (Heinrich-Schlusnus-Straße) sowie in Treptow-Köpenick (Sterndamm und Ortolfstraße). 30 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit.

Nach Angaben des Vereins ist die mangelnde Förderung durch den Berliner Senat der Grund für das Aus. 720.000 Euro braucht MoRo im Jahr für die Regelfinanzierung.”Der Berliner Koalitionsvertrag sieht kein eigenes Ressort für Senioren und Seniorinnen vor. Wir haben auf eine schwarz-rote Regierung in Berlin gesetzt, die sich endlich mehr für die Belange von Seniorinnen und Senioren einsetzt. Das Gegenteil ist nun der Fall”, erklärt die Vereins-Gründerin Sylvia-Fee Wadehn enttäuscht.

Was aus den Senioren wird, ist völlig unklar. Sie fürchten sich, daß sie im Pflegeheim landen. Bisher leben sie in Wohnungen des kommunalen Unternehmens “Stadt und Land”, die Mieten dort – bezahlbar. Einen Pflegeplatz können hingegen können sich viele nicht leisten. Der Verein leistet seit zwölf Jahren Hilfestellungen im Alltag älterer Menschen, organisiert Freizeitangebote wie die Seniorendisco, kocht täglich ein warmes Mittagessen und begleitet sie beim Gang zum Arzt oder in den Supermarkt.  So mancher will die Hoffnung nicht aufgeben und hofft doch noch auf ein gutes Ende: “Sonst müssen wir alle ins Pflegeheim, wenn es diese Menschen nicht mehr bei uns gibt”, meint der 73-jährige Günter Hoffmann, der  vor sieben Jahren in die Anlage an der Rollbergstraße gezogen ist. Am 18. September wollen die Senioren vor dem Roten Rathaus demonstrieren.

Das Rund-um-Sorglos-Paket hingegen genießen alle, die als Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland strömen. Um sie unterzubringen, geben die Kommunen alles. Sagenhafte 4460 Euro Miete pro Monat zahlt das Jobcenter im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt einer ukrainischen Familie. Kein Einzelfall: Überall in Deutschland bezahlen Kommunen inzwischen horrende Mieten.

Der sachsen-anhaltische CDU-Landrat Götz Ulrich setzt eine betroffene Miene auf und weiß von einem weiteren Fall aus dem Burgenlandkreis: “Der geschilderte Fall ist ein weiteres faules Ei, das uns der Bundesgesetzgeber ins Nest gelegt hat“, erklärt der 54-jährige CDU-Landrat im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis und Präsident des Landkreistages Sachsen-Anhalt Ulrich. Es handele sich nicht um eine spezielle Regelung für Ukrainer, sondern gilt für alle Bezieher von Bürgergeld, auch für Deutsche, fügt er hinzu.

Deutschland hat von allen EU-Mitgliedstaaten die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Etwa 1,08 Millionen ukrainische Flüchtlinge sind in Deutschland registriert. Im benachbarten Polen halten sich laut Statista aktuell etwa 968.390 Flüchtlinge aus der Ukraine. In Österreich sind es nur 68.700.

Bei ihrem erneuten Ukraine-Besuch vor wenigen Tagen sagte die amtierende deutsche Außenministerin Baerbock der Ukraine weitere endlose Unterstützung zu: “Mit 22 Milliarden Euro sei Deutschland mittlerweile der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine weltweit, im kommenden Jahr werde in Berlin eine Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine stattfinden. Deutschland unterstütze die Ukraine zudem bei den Vorbereitungen für den Winter. “Wir stocken unsere humanitäre Soforthilfe noch einmal um 20 Millionen Euro auf”, sagte die Ministerin. Damit belaufe sich die deutsche humanitäre Hilfe für die Ukraine allein in diesem Jahr bereits auf 380 Millionen Euro”, berichtet der BR dazu. (MS)