Fähnchen im Wind: "Bild" (Foto:Imago)

Auf einmal ist Islam-Kritik erwünscht: Die Schleimer und Heuchler von “Bild”

Am Wochenende veröffentlichte „Bild“ einen flammenden Appell gegen die Auswüchse der deutschen Migrationspolitik. Unter dem Titel „Deutschland, wir haben ein Problem!“ hieß es da: „Seit dem Terror-Angriff der Hamas auf Israel erleben wir in unserem Land eine neue Dimension des Hasses – auf unsere Werte, die Demokratie, auf Deutschland.“ Dann wird beklagt: In unserem Land gibt es viele Menschen­, die unsere Art zu leben bekämpfen­. Menschen, die den Mord an unschuldigen Zivilisten feiern­. Die ihren Kindern beibringen, andere zu hassen, weil sie „Ungläubige“ sind. Die verbieten wollen, dass Frauen Röcke oder Hosen tragen. Die das Grundgesetz verachten und stattdessen auf radikale Prediger hören. Die Toleranz ausnutzen, weil sie eine andere Gesellschaft wollen.“

Schließlich folgt ein Manifest aus nicht weniger als 50 Punkten, unter anderem die Aufforderungen, sich an das Grundgesetz zu halten, Deutsch zu lernen und das Eintreten für das Existenzrecht Israels, aber auch peinliche Albernheiten, wie „Bitte recht freundlich: Wir sagen Bitte und Danke“ oder „Deutschland ist ein Land der Griller. Nach einem Picknick im Park nehmen wir unseren Müll wieder mit.“ Die beiden Chefredakteure der „Bild“-Gruppe, Marion Horn und Robert Schneider, hielten es noch für nötig, das Manifest gesondert zu erklären. Dieses sei „eine Hausordnung für Deutschland, weil „wir über die Jahre ein Nebeneinander unvereinbarer Vorstellungen von einem Zusammenleben, von Moral, Anstand und Freiheit zugelassen haben“.

Heute bejammerte Zustände erst herbeigeführt

All das ist zwar inhaltlich zutreffend und berechtigt – und doch verlogen. Denn bei ihrem vollmundigen Manifest vergaßen die beiden zu erwähnen, dass gerade „Bild“, unter dem damaligen Chefredakteur Kai Diekmann nach Kräften die Werbetrommel für Angela Merkels wahnwitzige Grenzöffnung von 2015 gerührt hat, die die heute bejammerten Zustände erst herbeigeführt hat. Ende August 2015 durften 100 Prominente in „Bild“ ihre Stimme gegen „Flüchtlingshass“ erheben – worunter alles verstanden wurde, was schon damals vor dem warnte, was heute bittere Realität ist. Zwei Tage später hieß es damals: „Alle wollen helfen“, und eine eigene Bild-Aktion warb für die Aufnahme von Migranten. Es wurden sogar “Refugees Welcome”-Aufkleber den gedruckten Zeitungen beigelegt.

Bereits 2014 hatte Diekmann sich wortreich von einem islamkritischen Kommentar von Nicolaus Fest distanziert. Dieser hatte darin klargestellt: „Mich stören ‘Zwangsheiraten’, ‘Friedensrichter’, ‘Ehrenmorde’. Und antisemitische Pogrome stören mich mehr, als halbwegs zivilisierte Worte hergeben.“ Fest damals weiter: „Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht.“ Noch vor der großen Migrationsflut hatte Fest also genau das kritisiert, was „Bild“ heute beklagt. Diekmann hielt es jedoch für nötig, auf der „für Bild und Axel Springer“ bestehenden „klaren, unverrückbaren Trennlinie zwischen der Weltreligion des Islam und der menschenverachtenden Ideologie des Islamismus“ zu bestehen. „Wer heute gegen den Islamismus kämpft, kämpft für einen aufgeklärten, starken, gesellschaftlich selbstverständlich verankerten, erfolgreichen Islam. Es ist nicht antimuslimisch gegen den Islamismus zu sein. Im Gegenteil“, schwadronierte Springer-Chef Mathias Döpfner damals.

Salon-Dampfplauderer Döpfner

Heute wird Salon-Dampfplauderer Döpfner wahrscheinlich ungern an seine damaligen Ausschweifungen erinnert werden, so, wie man im Hause Springer generell von vom Migrations- und Islamhype jener Tage nichts mehr wissen will. Anstatt zuzugeben, dass die Kritiker von damals prophetisch vorhergesehen haben, wie es in diesem Land bald aussehen würde, tut man heute so als sei nichts gewesen, wobei aber auch im aktuellen „Bild“-Manifest der Islam nicht beim Namen genannt wird. Ein ehemaliger Springer-Mitarbeiter berichtet gegenüber Jouwatch, dass bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 jede Islamkritik vom Verlag unterdrückt wurde – obwohl es bereits damals islamische Jubelfeiern in Berlin gab, auf denen „Allahu Akbar, Tod den Amis“ gebrüllt wurde.

Der Ex-Springer-Redakteur wörtlich: “Ich kann mich noch genau an 9/11 erinnern. Der Tag, der mein Leben veränderte, der aus mir einen Islamkritiker machte. Nachdem wir in der Redaktion mit Entsetzen und teilweise völlig paralysiert die Horrorbilder aus New York verfolgt hatten, wurde ich raus nach Kreuzberg geschickt, um ‘die Stimmung der Bürger’ einzufangen. Und ich sah überall tanzende, jubelnde und freudestrahlende Muslime, die den islamischen Terroranschlag feierten, als wäre es Mohammeds Geburtstag. Ich kam dann später mit einigen O-Tönen wieder in die Redaktion. ‘Allahu Akbar, Tod den Amis’, war dabei noch eines der harmlosen Statements. Doch durfte das nicht veröffentlicht werden. ‘Wir wollen die Leser doch nicht verunsichern!’, hieß es in der Chefetage.”

Auch “Nius”-Reichelt mit Kehrtwende

Und weiter erinnert sich der Ex-Springer-Mann: “Hier wurde also – so wie ich das persönlich mitbekommen habe – gelogen, um den Islam zu verharmlosen. Das war der Springer-Verlag im Herbst 2001. Jahre später, ich war dann als freier Autor für diesen Verlag tätig, kündigte man mir sämtliche Vereinbarungen, ich durfte nicht mal mehr über Hunde und Kaninchen schreiben. Mein Vergehen: Ich war damals auch noch freiberuflicher Pressesprecher der ersten islamkritischen Partei Deutschlands, ‘Die Freiheit’. Danach knöpfte man sich dann den späteren AfD-Politiker Nikolaus Fest vor” (siehe oben). Springer und „Bild“ tragen somit eine erhebliche Mitschuld am Verharmlosen der pseudoreligiösen Ideologie, die Deutschland heute heimsucht und existenziell gefährdet.

Ironischerweise hat auch der bei “Bild” vor zwei Jahren geschasste Ex-Chefredakteur Julian Reichelt, ein Ziehsohn und Gewächs von Diekmann und Döpfner, der damals in Sachen “Refugees Welcome” stets auf Linie war, eine ganz ähnliche 180-Grad-Wende vollzogen wie seine ehemaligen Mentoren und Brötchengeber. Dies betrifft übrigens nicht nur seine Kehrtwende in Sachen Impfung (noch 2021 forderte Reichelt eine Impfpflicht für Lehrer und andere, während er heute corona- und impfkritisch ist); auch er warnt heute vor dem Islam und den Folgen ungezügelter Migration in den deutlichen Worten, die er damals missen ließ.

Dieselbe Selbstverbiegung

Zudem präsentiert er mit “Achtung, Reichelt!” auf der Plattform “Nius” Inhalte, die voll auf AfD-Linie sind – ganz anders zu seiner damaligen, Merkel-schonenden Willkommens- und Humanitätslinie bei “Bild”. Umso schizophrener mutet da seine weiterhin geradezu künstliche Abgrenzung von der AfD an; vermutlich muss er diese “Brandmauer” wahren, weil der Finanzier von “Nius”, Milliardär Frank Gotthardt, weiter der CDU verhaftet ist. Der Glaubwürdigkeit seines – inhaltlich hervorragenden – Programms tut Reichelt damit leider keinen Gefallen.

Die nämliche Selbstverbiegung versucht auch, wenngleich noch krampfhafter, “Bild”: Das erwähnte 50-Punkte-Manifest könnte direkt aus dem AfD-Programm kopiert sein und entspricht lückenlos dem, was AfD-Politiker seit acht Jahren fordern, dafür allerdings ständig angefeindet und in die rechtsextreme Ecke gedrängt wird (übrigens auch von “Bild”). Statt diese politische Nähe endlich zuzugeben und sich auch hier so ehrlich zu machen, wie man dies im Fall der Islamkritik ja nun offenbar ebenfalls geschafft hat, übt man sich bei Springer jedoch lieber weiterhin in der hohen Schule der schamlosen Diffamierung der AfD: Im Rahmen der neuen Kampagne „Bild bleibt Bild wird etwa der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke allen Ernstes mit Hitlerbärtchen dargestellt. Daran zeigt sich tatsächlich, dass „Bild“ sich treu bleibt – aber nur, was Heuchelei und Verlogenheit betrifft. (DM)

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