Stürmische Zeiten - Foto: Gian Filippo Cantarini/Shutterstock

Stürmische Zeiten: Der Wertewesten geht unter

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Auch 2024 setzt sich der Niedergang des Wertloswestens fort. Flächendeckender Realitätsverlust bei hoher Staatsgläubigkeit sind die grundsätzlichen Ursachen. Eine lose Zusammenstellung der Symptome.

von Max Erdinger

+++ Großbritannien: Das Gesetz ist durch. Hunde der Rassen Pit Bull Terrier, Tosa, Dogo Argentino und Fila Brasileiro sind in England und Wales ab sofort verboten. Wer dennoch einen haben will, muß strenge Auflagen einhalten und eine Ausnahmegenehmigung bei Gericht beantragen. Die Hunde der genannten Rassen in den Tierheimen werden eingeschläfert. Privatleute bekommen eine Entschädigungszahlung angeboten, wenn sie ihre Pitbulls zum Einschläfern freiwillig herausrücken. Man fragt sich, was als nächstes kommt. Schäferhunde? Pudel? Golden Retriever? Oder gleich: “Sie haben zu viele Kinder, die als Erwachsene zu Mördern werden könnten? Geben Sie sie her. Wir schläfern sie ein. Sie bekommen eine Entschädigungszahlung aus den Steuergeldern Ihres Nachbarn” – ? Die dahinterstehende Kompetenzanmaßung des Staates ist schier unfassbar. Er ist das kälteste aller Ungeheuer. Die Übersetzung des Pitbull-Gesetzes aus Großbritannien: Die emotionale Bindung zwischen Ihnen und Ihrem geliebten, friedlichen Hund interessiert uns nicht die Bohne. Heulen Sie nicht! Haben Sie sich nicht so! Verraten und verkaufen Sie Treue, Loyalität und Liebe für Geld. Seien Sie ein guter Staatsbürger. Sie wissen doch: Wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht. Und zwar wir alle gemeinsam. Wir wollen doch nur das Beste für alle. Heil Staat! +++

+++ Es hätte den traurigen Umständen nach “gut aussehen” können für den Staat Israel nach dem 7. Oktober 2023. Die ganze Welt war erschüttert und voller Empathie wegen des bestialischen Terror-Angriffs auf israelische Zivilisten. Die israelische Regierung hat es seither leider vergeigt. Die ganze Welt kann sehen, daß diejenigen, die nicht nur von den Terroristen, sondern auch von den Palästinensern insgesamt als von “Tieren” geredet hatten, kein Stück besser sind als diese “Tiere”, dafür aber sehr viel scheinheiliger. Außerdem ist bereits viel von der israelischen Propaganda zum 7. Oktober als dreiste Fälschung aufgeflogen, so daß sich gar nicht mehr mit Sicherheit sagen läßt, ob es nicht die Israelis selbst gewesen sind, die für die Mehrzahl der Todesopfer vom 7. Oktober verantwortlich waren. Die israelische Regierung steckt in einer Sackgasse fest. International verachtet für den brutalen Völkermord an Kranken, Alten, Behinderten, Frauen und Kindern, Christen, Ärzten und Journalisten im Gazastreifen, vertrauen Netanyahu und die Seinen auf die bedingungslose Waffenhilfe der USA. Die allerdings ist in den USA selbst niemals so kritisch kommentiert worden wie dieser Tage, weswegen sich auch nicht sagen läßt, für wie lange sie noch aufrechterhalten bleiben wird. Nach dem Ukrainedesaster ist Israel gleich das nächste für die USA – und die Vereinigten Staaten isolieren sich mit ihrer desaströsen Außenpolitik international immer mehr. Es sollen dort Wahlen stattfinden dieses Jahr. Netanyahu stellt inzwischen einen “Krieg gegen die Hamas” in Aussicht, der bis zu zwei Jahre lang dauern soll – und tut dabei so, als gäbe es keine Drittstaaten, in denen bereits die Messer gewetzt werden. Niemand weiß, woher Netanyahu die Gewißheit nimmt, er selbst sei im Nahen Osten für alle Zukunft derjenige, der die Ansagen macht. Die Verluste bei den IDF sind bereits jetzt ungewöhnlich hoch, die Hamas alles andere als besiegt, und wie lange sich die Israelis noch damit abfinden wollen, daß es landesweit etwa 200.000 entwurzelte Israelis gibt, die nicht mehr in ihre Häuser im Norden des Lands zurückkehren können, weil der Norden ständig mit Raketen der Hezbollah vom Libanon aus beschossen wird, ist fraglich. Was von den IDF bislang zu sehen gewesen war, ist auch weit entfernt von der Professionalität, die früher weltweit bewundert worden ist. Israelischen Meldungen zufolge sollen die Gefallenzahlen der IDF bei knapp unter 200 liegen, was für Israel so schon ungewöhnlich hoch wäre, aber da sich die israelische Regierung derzeit auf gar keinen Fall größere Bürgerproteste erlauben kann, darf man getrost davon ausgehen, daß weit mehr IDF-Soldaten ihr Leben gelassen haben in einem Krieg, in dem es für den Staat Israel keinen Blumentopf zu gewinnen gibt. Die Israelis befinden sich sozusagen in der Geiselhaft eines Regierungschefs, der sein eigenes Schicksal an dasjenige seines Landes geknüpft hat, sofern sie sich nicht in der Geiselhaft der Hamas befinden. Klar ersichtlich ist, daß der Entscheidung, die Palästinenser aus dem Gazastreifen zu vertreiben resp. so viele wie möglich umzubringen, keine nüchtern-rationale Abwägung von Gewinn- und Verlustchancen vorausgegangen ist, sondern daß man sich hat von Rachegelüsten leiten lassen, was allerdings bei der personellen Zusammensetzung von Netanyahus Regierungskoalition niemanden zu wundern braucht. Armes Israel. Der hochprofitable Opferbonus, mit dem sich jahrzehntelang hat Politik zum Vorteil Israels betreiben lassen, dürfte nach diesem Krieg – egal, wie er ausgehen wird – aufgebraucht sein. Das wiederum wird eine Neuausrichtung der strategischen Partnerschaften erzwingen. +++

+++ In Deutschland will Christian Lindner auf einmal das “liberale Profil” seiner höchst überflüssigen Partei schärfen. Das ist schon dann, wenn es höchstwahrscheinlich wieder nur ein bloßes Lippenbekenntnis ist, wie man bereits viele von Lindner kennt, Wasser auf die Mühlen derjenigen, die auf ein Ende der Ampelkoalition in 2024 wetten. Das wiederum wäre ein Ende, das sich dort niemand leisten kann. Einer weiteren Verschärfung des Albtraums käme das Ende der Ampel dann gleich, wenn man damit rechnen muß, daß der nächste Kanzler Friedrich Merz heißen könnte. Der Mann ist ein Transatlantiker wie aus dem Bilderbuch und würde die Bundesrepublik am Rumpf der untergehenden US-Titanic nicht nur festkleben, sondern sogar festschrauben, damit die vasallische Bundesrepublik auch garantiert mit untergeht. Nötig wäre aber eine Regierung, die sich vom Einfluß der USA löst und den gigantischen Schaden wieder gutmacht, den die vorhergehenden Regierungen in ihrer sklavischen Vasallentreue den USA gegenüber im Verhältnis mit Russland angerichtet haben. Davon, daß das der deutsche “Souverän” begriffen haben könnte, ist allerdings kaum etwas zu bemerken. Der fehlende Wille zur kritischen Selbstreflexion dürfte einer der wesentlichen Gründe für den Niedergang des Wertloswestens geworden sein. +++

+++ Das Selenskyj-Regime in der Ukraine ist fix & fertig. Es hangelt sich von Tag zu Tag gerade noch so durch, aber sehr bald dürfte sich auch das erledigt haben. Der Krieg ist verloren und im Grunde weiß das auch jeder. Nur wahrhaben will es in Kiew niemand. Und in Washington kann man sich ebenfalls nicht leisten, einzugestehen, daß man etwa 150 Milliarden Dollar in der Ukraine allein für Sach- und Militärhilfe völlig sinnlos versenkt hat, ohne daß das gravierend negative Auswirkungen auf die Wahlchancen der US-Demokraten hätte. Von der Opferung einer ganzen Generation junger Ukrainer für die fehlgeschlagenen Geostrategieplanungen der USA gar nicht erst zu reden. Von der Zerstörung eines Landes auch nicht. Dabei gab es im März 2022 bereits einen fertig ausgehandelten Friedensvertrag mit den Russen, der auf Geheiß der US-Regierung in Gestalt des britischen Ex-Premniers Johnson von der Nato-Marionette Selenskyj fallengelassen werden musste. Ausgehandelt worden war der Vertrag in Istanbul. Wo man auch hinschaut im Wertloswesten: Überall sind Regierungen zu sehen, die den Karren bis an die Achsen in den Dreck gefahren haben und alles daran setzen, daß kein Anderer den Karren wieder aus dem Dreck herauszieht. Weil sie wissen, was ihnen blüht für den Fall, daß ihnen die propagandistischen Instrumente abhanden kommen, die sie brauchen, um auch weiterhin zu behaupten, es sei gar nicht alles so aussichtslos wie es tatsächlich ist. Der gesamte Wertloswesten befindet sich in der Geiselhaft einer politischen “Elite”, die nur noch damit beschäftigt ist, ihr eigenes Leben in Freiheit abzusichern. Und zwar um jeden Preis, den die von ihnen mißbrauchten Völker dafür zu entrichten haben. Dennoch ist in den USA nicht länger mehr zu verhindern, daß herauskommt, was die “Erstürmung des Kapitols” vom 6. Januar 2021 gewesen ist: Eine False-Flag-Aktion, wie weitere freigegebene Videobänder aus den dortigen Überwachungskameras endgültig (und überflüssigerweise) beweisen. Meinemeinen war das ab dem 8. Januar 2021 klar, genauso wie die Tatsache, daß die US-Wahl 202O schwerst getürkt worden ist. Die Angst vor einer Wiederwahl Trumps ist gigantisch, denn nicht ganz zu Unrecht wird befürchtet, daß ein erneuter Präsident namens Trump einen Rachefeldzug starten würde, wie ihn die Vereinigten Staaten noch nie zuvor gesehen haben. Tucker Carlson und einige andere spekulieren unterdessen darüber, was auf der Eskalationsspirale logischerweise als Nächstes passieren wird. Sie argumentieren so: Wenn zuerst die Proteste gegen Trump nichts genützt haben, dann die Verleumdungen nichts, dann die Amtsenthebungsverfahren nichts, dann die Anklagen nichts, und weil Trump aus jeder gegen ihn gerichteten Aktion gestärkt hervorging – dann wird am Ende nichts anderes als ein Attentat auf Trump übrig bleiben, um den zu erwartenden Rachefeldzug nach eimem Trump-Sieg bei den US-Wahlen 2024 zu verhindern. Noch eine Option ist nur, das Gewäsch von der dringend notwendigen Unterstützung für die Ukraine und Israel aufrechtzuerhalten, die USA in eine direkte Konfrontation mit Russland und der islamisch-arabischen Welt zu verstricken, und dann unter Berufung auf das Kriegsrecht eine US-Wahl 2024 insgesamt zu verhindern. Whitney Webb will Indizien dafür ausgemacht haben, daß derlei Pläne tatsächlich existieren. +++

+++ Der britische Ex-Diplomat Alastair Crooke brachte die Ursachen für den Niedergang des Wertloswertens in diesem Gespräch auf den Punkt: Der vormalige Wertewesten habe eben wegen eines fundamentalen Werteverlusts seine internationale Glaubwürdigkeit verloren und damit auch jeden Respekt und jedes Vertrauen. Der Rest der Welt habe erkannt, so Crooke, daß auf den vormaligen Wertewesten kein Verlaß mehr ist, weil er sich nicht an Verträge und Absprachen hält und präferenzutilitaristisch je nach tagesaktuellem Eigenbedarf das Blaue vom Himmel herunterschwätzt. Ein aufrichtiger Dialog sei mit dem vormaligen Wertewesten vollkommen unmöglich geworden. Jederzeit müsse man damit rechnen, angelogen und hinters Licht geführt zu werden. Wladimir Putin und Außenminister Lawrow haben das bedauernd zur Kenntnis genommen und handeln dementsprechend. Es gibt im Wertloswesten niemanden mehr, dem sie vertrauen. Die Positionen, die mit ehrlichen Leuten besetzt sein müssten, sind okkupiert von Personal, das nur noch an die kurzfristige Wirksamkeit irgendwelcher Narrative glaubt. Realität spielt keine Rolle mehr für sie. Wer den vormaligen “Wertewesten” von seinen fundamentalen Irrtümern kurieren will, befürchte ich, müsste bereit sein, zu derart drastischen Mitteln zu greifen, daß sich einem der Magen umdreht, wenn man nur daran denkt, wie die zwangsläufig aussehen müssten. Und dann wäre auch noch nicht klar, wer die zur Anwendung bringen sollte. Was im Wertloswesten überhaupt noch möglich ist, wird sich vielleicht nach der US-Wahl 2024 zeigen, sollte die noch stattfinden. Darauf wetten würde ich aber nicht. +++

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