Symbolfoto: Von Dmitry Kalinovsky/Shutterstock

Ein falsches Wort am Telefon: Leitung tot

50fa63382cb4444a9f984dc6ae78f6c0

Telefongespräche mitzuhören, das war bereits vor 50 Jahren möglich. Doch heute wird das gesprochene Wort in Datenpakete verwandelt. Und diese können mithilfe der Technik in Sekundenbruchteilen nach „bösen“ Worten wie z.B. „Höcke“ durchsucht werden.

Gastbeitrag von Meinrad Müller

Der zur Telekom gehörende Telekommunikationsanbieter „Congstar“ trat am 26.1.23 unverfroren mit dieser Aufforderung an die Öffentlichkeit:

„Wir setzen daher als erster Mobilfunkanbieter Deutschlands ein klares Zeichen: Menschen, die die demokratischen Grundwerte und unsere Vorstellungen von einer vielfältigen und offenen Gesellschaft nicht teilen, rufen wir ab sofort proaktiv auf, bei uns zu kündigen. Denn wir haben lieber weniger Kund*innen, als mit unserem Angebot zur Verbreitung von Hass und Hetze beizutragen“.

Wer also AfD-Wähler oder rechts (richtig) gesinnt ist solle „proaktiv“, d.h. von sich aus, den Telefonvertrag kündigen. Aber Menschengruppen, die mit langen Messern in der Jackentasche durch Städte schlendern oder eine Vergewaltigung planen, werden explizit nicht zur Vertragskündigung aufgefordert. Linksradikale, Antifa und Grüne sind auch ausgenommen. Ein Wirtschaftsunternehmen maßt sich also an, deren Kunden am Nasenring durch die Arena ziehen zu wollen.

Wenn Congstar heute noch die freiwillige Kündigung gefordert wird, so ist es technisch möglich, Telefonate beim Auftauchen eines Schlüsselwortes, z.B. Grundgesetz,  zu unterbrechen. Und den Vertrag zu kündigen. Gilt etwa ein Sonderkündigungsrecht?

Die Hobbyrichter von Congstar fordern „Rassisten“ zum Kündigen auf und maßen sich an, darüber Gericht halten zu dürfen, was am Telefon gesprochen wird. Wird ARAL demnächst fragen, wohin die Autofahrt führt, um dann kein Benzin tanken zu lassen, wenn es zur AfD-Demo geht?

Wird die Bundespost in Bälde am Schalter prüfen, ob Inhalte von Briefen dem „Gemeinschaftsstandard“ entsprechen und transportiert werden dürfen? Welchem Briefträger ist schon zuzumuten, AfD-Prospekte oder Einladungen an den Wannsee austragen zu müssen?

Irgendwann ist Schluss mit der Demokratie. Jetzt beginn das Totalitäre.

Presseberichte zum Thema:

https://tarnkappe.info/artikel/mobilfunk/rassisten-unerwuenscht-congstar-macht-klare-ansage-288711.html

https://www.mobiflip.de/shortnews/congstar-fordert-rassisten-zum-kuendigen-auf/

https://tarnkappe.info/artikel/mobilfunk/rassisten-unerwuenscht-congstar-macht-klare-ansage-288711.html