"In der Kommunistenredaktion" - Foto: Nikola Obradovic/Shutterstock

Penetranz & Impertinenz: Die süddeutschen Kommunisten

Die “Süddeutsche Zeitung” heißt unter Eingeweihten nicht umsonst “Alpenprawda”. Das ist nämlich kommunistischer Agitprop in der Verkleidung einer “seriösen Tageszeitung”. Ein Essay von Nils Wischmeyer verdeutlicht in der Schlagzeile bereits die ganze Verachtung, die dort für die Lebensleistung und das Eigentum anderer “die Menschen” vorzuherrschen scheint. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

“Sehen Sie das schmucke Einfamilienhäuschen dort drüben? Es gehört der Frau Müller. Sie ist schon 87 Jahre alt. Seit vor vielen Jahren ihre Kinder, eines nach dem anderen, ausgezogen sind und vergangenes Jahr auch ihr Ehemann verstarb, bewohnt sie es ganz alleine.” – “Es ist schön, daß Frau Müller wenigstens noch die gewohnte Umgebung hat, in der sie sich so richtig zuhause fühlen kann. Offenbar ist sie noch rüstig. Der Garten sieht sehr gepflegt aus. Ich nehme an, sie hängt sehr an ihrem Häuschen. Bestimmt musste sie früher auf Vieles verzichten, als das Häuschen noch abbezahlt werden musste.”

“Cut! Halt! Stopp!”, unterbricht der süddeutsche Regisseur. Sein Name ist Wischmeyer, Nils. “So geht das nicht!”, faucht er. “Ihr müsst euch schon an den Text aus dem Drehbuch halten!”

Sueddeutsche Umzuege
“Höchste Zeit für ein paar Umzüge” – Screenshot Facebook

Am 23. Februar hieß es bei der “Süddeutschen Zeitung” noch, die Alten beanspruchten oft zu viel Wohnfläche für sich allein. Deshalb auch die dreiste Feststellung: “Höchste Zeit für ein paar Umzüge”. Ruft man dieses kommunistische Wischmeyer-Essay heute, am 25. Februar, auf, dann mutmaßt man recht schnell, daß über die “Süddeutsche Zeitung” vorgestern und gestern ein sogenannter Shitstorm hereingebrochen sein muß. Aus der “höchsten Zeit für ein paar Umzüge” ist nämlich “höchste Zeit für ein paar Vorschläge” geworden. Da scheint einer den Scheitel gezogen bekommen zu haben, wahrscheinlich der Kommunist Wischmeyer in seiner penetranten Impertinenz.

Sueddeutsche Vorschlaege
“Höchste Zeit für ein paar Vorschläge” – Screenshot SZ

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie es zu der Änderung im Teaser gekommen sein könnte.

  • “Genosse Wischmeyer, Sie sollen sofort zum obersten Sowjet in der Chefredaktion kommen. Zeitnah. Also sofort. Warum werden Sie denn so bleich? Sie zittern ja am ganzen Leib!”
  • “Lassen Sie mich geschwind noch ein paar Zeilen des Abschieds an meine Frau und meine lieben Kinder verfassen …”

Niemand ließ den Genossen Wischmeyer noch ein paar Zeilen des Abschieds verfassen. Wenn der oberste Sowjet ruft, dann heißt “zeitnah”, was es eben heißt: “sofort”. Seufzend erhob sich der Genosse Wischmeyer vom Tippstuhl des Werktätigen an seinem Schreibtisch, verließ die Redaktionsstube, in welcher er jahrelang treu und ergeben der kommunistischen Sache gedient hatte, und schleppte sich verzweifelt die Treppen bis in die Chefredaktion empor. Der Chefredakteur erwartete ihn schon. Hausintern nannte man ihn hinter vorgehaltener Hand “Red Bull”.

Red Bull saß hinter einem mächtigen Schreibtisch. Seinen Nüstern entströmte beißend schwefliger Dampf. Die Bullaugen schienen gleich aus seinem hochroten Gesicht herauszuspringen wie abgeplatzte Knöpfe.

“Genosse Wischmeyer!! …”, schrie er den Verzagten an, daß die bunte Vielfalt der Sowjet-Telefone auf dem Nebentischchen unkoordiniert über der Tischplatte durcheinander tanzten. ” … Sie unfähiges Subjekt haben uns schon wieder einen Shitstorm beschert mit Ihrer dämlichen Aufrichtigkeit! Wie oft habe ich Ihnen schon gesagt, daß die kommunistische Wohnungsrevolution nur dann erfolgreich sein wird, wenn niemand weiß, worum es geht! Sind Sie schwer von Begriff, Genosse Wischmeyer!?” Der Genosse Wischmeyer hatte sich inzwischen eingenässt und antwortete mit dünner Fistelstimme: “Ich bitte vielmals um Vergebung für mein unverzeihliches Versagen, Genosse Stalinhuber, und bitte um Bestrafung für meine konterwohnungsrevolutionäre Unvorsichtigkeit.”

Doch der einfache Tippgenosse hatte Glück, denn der Obergenosse Josef “Red Bull” Stalinhuber hatte heute seinen jovialen Tag. An jedem anderen Tag wäre der Genosse Wischmeyer zu diesem Zeitpunkt bereits perdu gewesen. Normalerweise erschoß Red Bull die Untergenossen höchstpersönlich. Er zog dann immer eine mächtige Schublade an seinem mächtigen Schreibtisch auf, entnahm ihr eine AK47, sprach mit dem Wort “Pissgenosse!” das Urteil – und dann knatterte die AK47 los. Heute aber kam der Genosse Wischmeyer, der sein Glück kaum fassen konnte, noch einmal in den Genuß einer Belehrung durch den Obergenossen aus der Chefredaktion. Prompt fühlte er sich wie neugeboren.

Red Bull blaffte ihn an: “Zum letzten Mal jetzt, Genosse Wischmeyer: Unsere Parteigenossen in der Redaktion reden sich doch nicht den Mund fusselig mit Wörtern wie ‘Dialog’, ‘Meinung’, ‘deine Meinung zählt’, ‘Freiheit’, ‘gesellschaftlicher Diskurs’ und ‘Demokratie’, damit Sie dann mit einem ‘höchste Zeit für ein paar Umzüge’ daherkommen und alle Täuschungsbemühungen konterkarieren! Da hätten Sie ja gleich ‘Deportationen’ schreiben können, um den Argwohn der Arglosen irreversibel zu machen und so die Wohnungsrevolution zu gefährden! Haben Sie nur noch Grütze in Ihrem Proletenschädel!?” Der Genosse Wischmeyer, fast schon wieder fröhlich der Sonne entgegen – und der Zukunft zugewandt: “Ich werde den angerichteten Wohnungsrevolutionsschaden wieder gutmachen, Genosse Stalinhuber. Ich verspreche es hoch und heilig! Ich weiß auch schon wie: Ich werde das Wort ‘Umzüge’ selbst erschiessen und es durch das Wort ‘Vorschläge’ ersetzen. Schon werden unsere wohnungsrevolutionären Pläne wieder hinter der gesellschaftlichen Demokratie- & Diskursfassade verschwunden sein und wir können, unbehelligt vom Argwohn der Arglosen, weiter gegen Freiheit und Privateigentum intrigieren.”

Red Bull war daraufhin etwas milder gestimmt und wies dem Genossen Wischmeyer mit dem Zeigefinger den Weg zur Ausgangstür aus dem obersten Sowjet in der Chefredaktion, nicht ohne den gerade noch Verschonten mit einem lauernden Unterton darauf hinzuweisen, daß er sich nur noch zur Bewährung unter den Lebenden befinde.

Der Genosse Wischmeyer hopste daraufhin, ein fröhliches Liedchen summend, die Treppen vom obersten Sowjet in die Normalgenossenredaktion hinunter, setzte sich dort an seinen Kommunistenschreibtisch und entfernte das Wort “Umzüge” mit dem Revolver aus seinem wohnungsrevolutionären Essay. Alsdann wischte er sich seine vom Agstschweiß klebrigen Finger an der eingenässten Hosennaht ab und ersetzte es voll der dankbaren Gefühle für die menschliche Gesellschaft, die seine Genossen geschaffen hatten – und in welcher er leben durfte -, durch das schöne Wort “Vorschläge”.

Ich schwöre: So könnte es gewesen sein.

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