Israels Premier Netanjahu (M.) mit IDF-Generälen (Foto:Imago)

Ägypten & Israel: Das Palästinenser-KZ auf dem Sinai

Südlich der israelisch-ägyptischen Grenze bei Rafah, auf ägyptischem Territorium und weit weg vom Mittelmeer, werden allerweil die Betonmauern für ein etwa 9 Quadratkilometer großes, trapezförmiges Palästinenser-KZ hochgezogen. Es wird von den Israelis kontrolliert werden. Der “Wertewesten” schweigt.

von Max Erdinger

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 22. Oktober 2023, die israelische Regierung habe die Einwohner von Gaza aufgefordert, sich im Süden des Gazastreifens in Sicherheit zu bringen, da der Norden binnen der nächsten 24 Stunden bombardiert werden würde. Hunderttausende Palästinenser leisteten dieser Aufforderung Folge.

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Reuters am 22.10.23 – Screenshot YouTube/Redacted

Flüchtende Palästinenserfamilien wurden dann auf dem Weg vom Norden in den Süden des Gazastreifens auf den Straßen bombardiert und ermordet. Inzwischen wurde Chan Yunis, die zweitgrößte Stadt des Gazastreifens im Süden, ebenfalls bombardiert – und vor wenigen Tagen musste dann Rafah, die Grenzstadt zwischen Ägypten und Israel, Bekanntschaft mit der “israelischen Gerechtigkeit” machen. Hunderte Zivilisten starben.

Aber nicht nur der israelische Bombenterror gegen die Palästinenser sorgt für ein Massensterben. Inzwischen fordert auch der Hungertod seine Opfer. Seuchen greifen um sich.

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New York Times am 29.02.2024: Ein Viertel der Palästinenser vom Hungertod bedroht. – Screenshot “X”

So sieht das dann aus. Dieser Tage verhungerte die kleine Anhar Al-Shanbari. Sie ist nicht die einzige.

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R.I.P. Anhar Al-Shanbari – Screenshot “X”

Im nördlichen Gazastreifen massakrierten die IDF 70 Zivilisten und verletzten Hunderte zum Teil schwer, die um Mehl anstanden. Auch von diesem Angriff gibt es Videoaufnahmen, die in den “wertewestlichen Qualitätsmedien” totgeschwiegen werden. Ebenso, wie die Proteste von inzwischen Zehntausenden Israelis gegen die Regierung Netanyahu. Der feine Herr kündigte ungerührt eine Offensive in Rafah an, was soviel heißt, wie, daß das Schlimmste erst noch kommen wird. Außerdem beanspruchte Netanyahu die israelische Kontrolle über den gesamten Gazastreifen für unbestimmte Zeit. Spielende Kinder in Grenznähe wurden unterdessen von israelischen Soldaten mit weißem Phosphor beschossen. Das passt zu Netanyahus Beharren auf “operational freedom”, völliger Handlungsfreiheit also, ganz egal, wer auch immer auf der Welt etwas dagegen hätte. Der US-Kongress scheint sich in der Geiselhaft des “American ISrael Public Affairs Committee” (AIPAC) zu befinden. Die Ermahnungen aus dem Weißen Haus fallen bei Netanyahu auf taube Ohren. Er kann sich das offenbar leisten. Vor den Augen der Welt vollzieht sich derweilen der nächste Zivilisationsbruch.

Weisser Phosphor in Rafah
International geächtet: Weißer Phosophor – Screenshot YouTube/Redacted

Im Jahr 2014 gab es die weitgehend unbeachtete Meldung, Einwohner auf der ägyptischen Seite der Grenze in Rafah seien von der ägyptischen Regierung aus ihren Häusern vertrieben worden, weil dort eine “Pufferzone” zwischen Ägypten und dem Gazastreifen entstehen solle. Ihre Häuser waren mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht worden.

Rafah 2014
Rafah 2014 – Screenshot YouTube/Redacted

Anlaß für diese Meldung damals war, daß die Hauseigentümer die ägyptische Regierung auf Entschädigungen für den Verlust ihrer Häuser verklagt hatten. Was zehn Jahre später aus dieser “Pufferzone” werden soll, ist dieser Tage zu beobachten: Ein gigantisches Palästinenser-KZ von etwa 9 Quadratkilometern Fläche, mit Betonmauern rundherum. Die Satelitenaufnahme zeigt, wo das trapezförmige Gelände liegt, um welches herum dieser Tage die Betonmauern gesetzt werden – und zwar durch dassselbe ägyptische Bauunternehmen, welches Ibrahim Al-Arjani gehört, einem Freund des Sohnes von Ägyptens Präsident As-Sisi. Merkwürdigerweise hatte Al-Arjani 2021 ebenfalls den Auftrag zum Wiederaufbau von Gaza erhalten, und zwar als Monopolist. Der Terrorangriff auf Israel, dessentwegen der Völkermord und die Kriegsverbrechen im Gazastreifen angeblich stattfinden (“Israel verteidigt sich”), fand allerdings erst am 7. Oktober 2023 statt, so daß sich die Frage stellt, von welchem “Wiederaufbau” des Gazastreifens zwei Jahre vorher die Rede gewesen sein soll.

Rebuilding Gaza2
Das Trapez wird mit Betonmauern umgeben – Screenshot YouTube/Redacted

Die Sache sieht im Moment danach aus, als bestünde folgender Deal zwischen Ägypten und Israel: Der Gazastreifen wird “ethnisch gesäubert” und anschließend Israel einverleibt. Überlebende Palästinenser ziehen um in das neue Palästinenser-KZ auf dem Sinai. Dieses liegt auf ägyptischem Territorium, wird aber von Israel kontrolliert und bewacht. Im Gegenzug erhält der Bauunternehmer und Freund des ägyptischen Präsidentensohnes, Ibrahim Al-Arjani, als Monopolist den Auftrag zum Wiederaufbau von Gaza und heuert die benötigten Subunternehmen dafür an.

Bis zum heutigen Tag gibt es noch immer keine schlüssige und lückenlose Darlegung der Ursachen für den Kollaps des “besten Sicherheitskonzepts der Welt” am 7. Oktober 2023. Die Entwicklungen seither geben auch die Behauptung nicht mehr her, die Hamas habe mit dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 versucht, für die Palästinenser irgendetwas “Positives” zu erreichen. Die “Terrorkämpfer der Hamas” am 7. Oktober 2023 könnten durchaus aufgehetzte, ideologisch aufgeladene Vollidioten gewesen sein, die von der Hamasführung in Kooperation mit Ägypten und Israel für blöd verkauft und verheizt worden sind, um den Anlaß für das zu liefern, was seit dem 7. Oktober abgelaufen ist und weiter unter dem “Arbeitstitel Kampf gegen die Hamas” abläuft. Sehr offensichtlich haben die Palästinenser nicht das Geringste davon. Es sieht im Augenblick sehr danach aus, als seien sie von drei Seiten verraten und verkauft worden: Von der Hamasführung, die ihre Terroristen quasi als “False-Flag-Söldner” an den vorgeblichen Feind verhökert hat, von den Ägyptern und von den Israelis.

12000 Kinder
F*cking unfaßbar: 12000 ermordete Kinder – und der “Wertewesten” läßt es zu – Screenshot YouTube

Wer sich ein Bild davon machen will, welche schier endlose Kolonne von Leichen 12.000 ermordete Kinder, vom Säugling bis zum 17-Jährigen ergeben, der sehe sich – auch wenn er die englischen Kommentare von sehr klugen und gebildeten Leute, darunter viele Juden, nicht versteht, dieses Video an. Während die Kommentatoren reden, ziehen sie mitsamt ihren Namen und ihrem Lebensalter vom unteren Bildrand nach oben und lösen sich dort auf. Es ist unfaßbar. So unfaßbar wie die verbrecherische Komplizenschaft des “Wertewestens” mit den zionistischen Massenmördern. Was für ein Zivilisationsbruch. Wenn es eine Gerechtigkeit gibt auf dieser Welt, dann müssen ihre Mörder zur Rechenschaft gezogen werden.

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