Von russischen Raketen zerstörtes Wohnviertel in Kiew gestern nachmittag (Foto:Imago)

Russland-Bomben auf Kiew: Sowas ist dann plötzlich kein Kriegsverbrechen?

In der Nacht zum Mittwoch wurden bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew 53 Menschen verletzt. Laut der ukrainischen Regierung war der Angriff gegen Infrastrukturanlagen gerichtet. Die Schäden seien durch herabstürzende Teile der angreifenden Raketen und der Flugabwehrraketen entstanden. Unter anderem wurden ein Kinderkrankenhaus und eine Wasserversorgungsanlage beschädigt. Es war der schwerste russische Angriff auf Kiew seit Oktober 2022, als insgesamt neun Menschen getötet worden waren.

Gerade bei Vertretern konservativen und freien Medien hat sich, was die Beurteilung der kriegerischen Ereignisse in der Ukraine und im Gazastreifen betrifft, eine perfide Strategie entwickelt: Wenn es um Russland geht, das die Ukraine angegriffen hat, sind Genozid-Vorwürfe und Völkerrechtsverletzungen bloße propagandistische Kampfbegriffe der USA und ihrer NATO-Sklaven; wenn sie gegen Israel erhoben werden, dass sich lediglich gegen eine Terrororganisation verteidigt, die das erklärte Ziel seiner Auslöschung verfolgt, sind sie jedoch plötzlich berechtigt. Hier zeigt sich eine erschreckende und selektive Doppelmoral, die ihre Vertreter als schlichte Heuchler entlarvt.

Das große Schweigen im Walde der Antisemiten

Dass Kiew 2,5 Millionen Einwohner hat und nicht von Terrortunneln unterminiert ist, aus denen heraus Angriffshandlungen gegen Russland verübt werden, aber die dortige (unstreitig mehrheitlich zivile) Bevölkerung dennoch durch Bomben terrorisiert wird, geht  dann in Ordnung. Das soll aus Sicht dann kein Völkermord oder Kriegsverbrechen sein – nach Ansicht derjenigen die entsprechende NATO- und “wertewestliche” Einordnungen, es handele sich genau darum, als antirussische Propaganda zurückweisen.

Umgekehrt aber soll Reaktion Israels auf einen barbarischen Terrorakt auf ein fast lückenlos zur militärischen Operationsbasis in ziviler Tarnung umfunktioniertes Gaza mit 2 Millionen Einwohnern einen “Genozid” darstellen? Auf so etwas muss man erst einmal kommen. Wir lernen: Wenn die Aggressoren keine Juden sind, dann handelt es sich um eine legitime “militärische Spezialoperation”. Wenn sich Israel verteidigt, dann ist es ein Verbrechen. Alles klar.

Absehbares Fiasko

So oder so: Hier scheint sich ein aggressiveres Vorgehen Russlands abzuzeichnen. Die groß angekündigte ukrainische Sommeroffensive gilt inzwischen als gescheitert, Russland hat seine Wirtschaft vollständig auf den Krieg ausgerichtet und wirft immer mehr Menschen und Material an die Front. Selbst mit noch so viel westlicher Unterstützung könnte die Ukraine keinen militärischen Sieg einfahren. Bei den Republikanern in den USA wird der Widerstand gegen immer neue milliardenschwere Unterstützungsprogramme für die strauchelnde Ukraine immer größer. Hier zeigt sich einmal mehr die Verantwortungslosigkeit, mit der der Westen sich in dieses von Anfang an absehbare Fiasko gestürzt hat.

Die Sturheit, mit der Friedensverhandlungen kategorisch ausgeschlossen wurden, hat zu einer völlig unnötigen Eskalation und dazu geführt, dass immer mehr Menschen in dieser völlig sinnlosen und überflüssigen Blutmühle verheizt werden. Dass ein Sieg der Ukraine gegen die Atommacht Russland ausgeschlossen war, stand für jeden vernünftigen Menschen von Anfang an fest. Dennoch hält man, zumindest nach außen, an diesem Dogma fest. (TPL)

 

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