Foto: Screenshot/Youtube

Verschwörungserzählung und Kampagne gegen rechts – eine Presseschau

642b1d31a10647af9fa3758650b18ae3

„Die Öffentlichkeit verdunkelt alles“. Das wußte schon Martin Heidegger. Die Bundesrepublik belegte die These in den letzten zwei Wochen mit deutscher Gründlichkeit. Die „Verschwörungserzählung“ rund um ein privates Treffen am Lehnitzsee erweist sich als eine der erfolgreichsten „Kampagnen gegen rechts“ seit der Demo der SED am  4.1.1990.

Von Martin Sellner für Sezession

Es ist frappant, wie sehr die linke Geschichte um eine angebliche „Geheimkonferez zur Massendeportation“ dem ähnelt, was Linke gerne als „Verschwörungserzählung“ kritisieren. Als Zeugen gegen das Correctiv rufe ich das Correctiv selbst auf. In einem Artikel vom 28. Juli 2021 wird eine „Expertin“ befragt.

Sie definiert eine Verschwörung als

Annahme darüber, daß als mächtig wahrgenommene Einzelpersonen oder eine Gruppe von Menschen wichtige Ereignisse in der Welt beeinflussen und damit der Bevölkerung gezielt schaden, während sie diese über ihre Ziele im Dunklen lassen.

Das entspricht exakt dem Narrativ des „Geheimplans gegen Deutschland”. Dabei „gelte nicht die objektive Macht einer Person oder Gruppe, sondern, wie diese Macht wahrgenommen werde.“ Tatsächlich hat keine der Personen im Hotel Adlon irgendeine realpolitische Gestaltungsmacht in der BRD.

Man erschafft mit einem Feind das absolut Böse, das Satanische, und in dem Moment hat man psychologisch die Möglichkeit, sich als das absolut Gute darzustellen,

so die Expertin des Correctiv weiter. Durch diese Personalisierung muß man keine komplexen Fragen mehr beantworten, sondern hat „konkrete Verschwörer, gegen die man sich zur Wehr setzen kann.“ Das Narrativ der „Weisen von Potsdam“ ersetzt die Kritik an politischen Positionen mit einer grellen Krimigeschichte über „völkische Finanziers“ und „österreichische Nazis“, die hier als das „absolut Böse“ gezeichnet werden.

photo 2024 01 21 16 24 02Als Kontrastfolie zu diesen dämonischen Figuren sonnten sich die „Wiedergutmacher“ (Raymond Unger) auf Regimedemos im Licht ihrer eigenen moralischen Güte. Auch hier weiß das Correctiv, daß „Verschwörungsgläubige“  zu „Widerstands- und Heldennarrativen“ neigen. Erneut die Expertin:

Diese Menschen sehen sich als Opfer einer Verschwörung, was sich zum Beispiel in unsäglichen NS-Vergleichen bei Demonstrationen äußert.

Besser kann man die Antirechtsdemos, die vor narzißtischen Widerstandsposen und NS-Vergleichen überborden, nicht beschreiben. Nachdem das Correctiv selbst das Urteil über die eigene Lügenstory gefällt hat, wenden wir uns den Reaktionen im Mainstream und der Gegenöffentlichkeit zu.

Mehr noch als “Corona” ist diese Verschwörungserzählung ein öffentlicher Intelligenz- und Charaktertest. Bestanden haben ihn unter anderem Norbert Bolz, Mathias Matussek, Martin Wagener, Roger Köppel, Hans Georg Maaßen und viele andere Kommentatoren, die auf vorbildliche Weise das Correctiv-Framing demontierten. Auch Reitschuster, Tichy, AchGut und NIUS hielten dagegen.

Vor allem Ulrich Vosgerau, selbst einer der „Weisen von Potsdam“, kommunizierte souverän, witzig und treffend. Diese Namen stehen nur beispielhaft für viele – noch –  salonfähige Stimmen, die sich mutig gegen die offizielle Verschwörungserzählung stellten. Hier wären auch andere Reaktionen denkbar gewesen.

Die (im weitesten Sinne) patriotische Gegenöffentlichkeit verhielt sich ausgesprochen stabil. Bis auf einige Ausnahmen (zu wenige, um sie hier zu erwähnen) war jedem klar, was zu tun war: mit Verve und Witz nahm man die Potsdamgeschichte auseinander. Statt Distanzierung suchte man das Gespräch.

Vom Heimatkurier, zu RTV, über AUF1, Hoch2, Daniel Stricker, Irfan Peci, der “Honigwabe” bis zum Digitalen Chronist, unternahm ich eine digitale Interviewtournee durch die Gegenöffentlichkeit.

Ulrich Siegmund trat unter anderem bei Tim Kellner und EinProzent auf. Auch Vosgerau wurde von der Weltwoche, Wallasch und anderen Medien befragt.  Trotz meiner Totalzensur konnten so hunderttausende auf YouTube meine Version der Geschichte erfahren. In dieser Stärke und Solidarität der Gegenöffentlichkeit sehe ich einen entscheidenden Unterschied zur Christchurch- & Ibizakampagne, die wohl als Vorbild für Correctiv diente. Es ist dieser starken rechten Gegenöffentlichkeit zu verdanken, daß AfD und Vorfeld gelassen blieben. Das Kommunikationschaos, das die FPÖ nach Ibiza erfasste und das erst zum dauerhaften Einsturz der Umfragewerte führte, blieb aus.

Wie sieht es dagegen im Mainstream aus? Leider eher düster. Auch bei „konservativeren“ Medien schluckte man die Verschwörungsstory weitgehend. Kritisiert wurden nur hie und da Exzesse bei Kundgebungen („AfDler töten“), oder besonders absurde Verbotsfanatasien gegen die AfD.

Eine Ausnahmen stellte hier Matthias Brodkorb auf Cicero dar, der den „Scoop, der keiner ist“ entzauberte. Er war auch einer der wenigen, der eine wirklich intelligente und legitime Kritik am Remigrationskonzept formulierte, auf die ich in meinem kommenden Buch eingehen werde.

Marc Felix Serrao deeskalierte auf der Netzpräsenz der NZZ und forderte gar eine liberalkonservative Aneignung des Begriffs: „«Remigration»? Ja, aber richtig“.

Bedenklichere Töne schlugen die TAZ und die WELT an. Daß alle Medienkonsumenten nun den Begriff Remigration kennen, wäre ein Bärendienst an der linken Sache. „Für die AfD und Rechtsextremist Martin Sellner ist es ein großer Erfolg, daß ihr „Geheimtreffen“ aufflog“, so Daniel Bax für die TAZ. „Wer den eigentlichen Plan der Neuen Rechten verstehen will, muss die Schriften ihres Strategen Martin Sellner studieren“, so Hanna Lühmann in der WELT.

Auch einer der bekanntesten politischen YouTuber des gegnerischen Lagers hat sich mit Rechtsgramscianismus auseinandergesetzt und ist nervös. Wenn diese Massenmobilisierung und ultimative Dämonisierung die AfD nicht stoppt, kann man sie nicht mehr überbieten. Ob diese Stimmen recht behalten, und die Potsdamer Geschichte ein linkes Strohfeuer bleiben, das am Ende nur Remigration bekannt gemacht hat, wird sich zeigen.

Zum Zeitpunkt dieser Niederschrift hat die AfD gerade mal 1,5% in den Umfragen eingebüßt. Das ist erstens in der Schwankungsbreite und könnte zweitens auch an den Neuankömmlingen (BSW und Werteunion) liegen. Zugleich gewann die AfD im Zeitraum vom 10.1. bis zum 23.1. 1.400 neue Mitglieder dazu. Trotz der Massenmobilisierung stehen laut Umfragen nur 37% hinter den Antirechtsdemos. 69% der Deutschen erklärten dagegen ihre Sympathie für die Bauernproteste.

Temporäre Einbußen in der Sonntagsfrage ließen sich auch als Nebeneffekt einer Verschiebung des Overton-Fensters erklären. In „Regime Change von Rechts“ beschrieb ich das so:

„Das strategische Ziel der Normalisierung durch anschlußfähige Provokation besagt auch, daß man unter Umständen für eine langfristige metapolitische ‘Gebietseroberung’ temporär Verluste an Stimmen und Popularität hinnehmen muß. Militärisch gesprochen, müssen oft auch Kräfte geopfert werden, um eine kriegsentscheidende Stellung einzunehmen und zu halten. Zur Etablierung von verfemten Begriffen und Ideen muß also möglicherweise ein temporärer Popularitätsverlust in Kauf genommen werden. (…) Kurzfristig verschreckte Wechselwähler kehren nach einer Normalisierung des Tabubruchs und einem politischen Klimawandel in größerer Zahl zurück. Das gelingt nur, indem man die vorgelagerten Begriffsposten gegen den Druck hält.“

So weit die Theorie. In der Praxis verursacht eine solche Kampagne der Dämonisierung, in der der Gegner seine materielle Überlegenheit an Sendezeit, Druckerpressen und YouTube-Kanälen voll ausspielt, selbstverständlich Schäden. Möglicherweise ist sie auch das Sperrfeuer vor der Verbotsoffensive.

Die bis ins Detail vorbereitete Kampagne inklusive internationaler Presse, Theateraufführungen und zeitlicher Nähe zum Jahrestag der Wannseekonferenz offenbart aber auch ein gerüttelt Maß an Nervosität. Möglicherweise sind die koordinierten Sprechchöre der Antirechtsdemos die Begleitgeräusche einer tektonischen Verschiebung im Diskursraum.

Gewählt wird erst im Juni. Bis dahin könnte die Hysterie längst verflogen und die Verschwörungstheorie abgehakt sein. Der Begriff Remigration wird aber wohl in den Köpfen bleiben.

Ob die Aktion sich am Ende als metapolitischer Erfolg herausstellen wird, kann nur die Zeit zeigen. Was sich  jetzt schon eindeutig zeigt, ist, wer dazu beiträgt und wer unter dem psychischen Druck der Gegner zu schwanken beginnt.

– – –

Martin Sellner: Remigration. Ein Vorschlag – erscheint Anfang März, hier einsehen und vorbestellen.
Martin Sellner: Regime Change von rechts. Eine strategische Skizze – Nachdruck rscheint in zwei Wochen – hier vorbestellen.