Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker Special: Die Spaziergänger und die beiden Provinzdoktoren (Teil 1)

Die Zahl der Spaziergänger gegen die Corona-Politik nimmt stetig zu und das stellt Politik und Medien vor ein Problem. Sie müssen wenigstens noch die Demokratiefassade aufrecht erhalten, damit nicht der Letzte im Lande noch bemerkt, was es mit den erratischen „Schutzverordnungen“ und der propagandistischen Berichterstattung in den Medien tatsächlich auf sich hat. Deutschland ist jedoch keine Insel – und aus anderen Ländern kommen ganz andere Töne, obwohl die Lage an der „Pandemie“-Front mit „Omikron“ durchaus ähnlich ist. So will Großbritannien diesen Monat noch die „Pandemie“ für beendet erklären, in Spanien wird Corona künftig wie Grippe eingestuft werden, in den USA hat gerade der Bundesstaat Virginia dafür gesorgt, daß dort praktisch alles, was in Deutschland tagtäglich passiert und von den Pandemie-Propagandisten befürwortet wird, illegal wäre.

Nun könnte man einwenden, daß die Deutschen eben besonders schlau sind und Niederländer, Briten, Spanier, Amerikaner, Schotten und Israelis locker in die Tasche stecken, nur sollte man nicht damit rechnen, daß einem das ein Mensch von Verstand abnehmen würde. Jedenfalls ist es so, daß selbst in dem sehr beschaulichen Kurstädtchen Bad Windsheim im westlichen Mittelfranken, wo es mehr quietschende Rollatorenrädchen als gesunde Kinderfüße gibt, sich seit Wochen jeweils am Montag Spaziergänger treffen – rein zufällig natürlich – um dann zusammen durch die Stadt zu spazieren. Das verlief bisher immer friedlich, wenn man von einem CSU-Stadtrat absieht, dem es gefällt, seinen Kopf aus einem Fenster im ersten Stock seines Hauses in der Altstadt zu stecken, um den Zug der Spaziergänger – zuletzt etwa 250 Personen – lautstark und unablässig mit „Ihr Idioten!“ zu beschimpfen. Der Mann war jahrzehntelang Lehrer am örtlichen Gymnasium und scheint es noch nicht verwunden zu haben, keinen Nobelpreis dafür erhalten zu haben.

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Altstadt Bad Windsheim – Foto: Autor

Wie es in solchen Städtchen ist, existiert auch eine Hierarchie unter den örtlichen Honoratioren. Bei Wikipedia gibt es eine schöne Definition des Begriffs: „Mit Honoratioren bezeichnet man Bürger, die aufgrund ihres herausgehobenen sozialen Status im überwiegend kleinstädtischen Milieu, aber auch größeren Dörfern, großes Ansehen genießen und dort gegebenenfalls informellen Einfluss ausüben können.“ Die größten Honoratioren sind natürlich die mit dem meisten Geld, etwa der Fabrikbesitzer oder der größte Bauunternehmer. Aber auch Ärzte, die seit Jahrzehnten am Ort praktizieren, gehören dazu – und dann gibt es solche, die gern dazugehören würden, ehemalige Gymnasiallehrer zum Beispiel.

In Bad Windsheim, das seit mindestens einem halben Jahrhundert nichts mehr gesehen hat, was auch nur im entferntesten an einen Bürgerprotest wogegen auch immer erinnert hätte, sind die montäglichen Spaziergänge eine Sensation. Allein schon die Tatsache, daß es sie gibt, zeigt, daß mit der Coronapolitik im Bund und in Bayern ein Nerv getroffen wurde, der ansonsten eher unempfindlich ist. Das will etwas heißen. Und weil das etwas heißen will, scheinen die Honoratioren im Städtchen auch etwas beunruhigt zu sein. Es liegt so ein leichtes Revolutionsgerüchlein in der Luft.

Am 13. Januar 2021 veröffentlichte die „Windsheimer Zeitung“, die als sogenannten Mantel die „Nürnberger Nachrichten“ hat, einen Artikel mit der Schlagzeile „Brandbrief der Spaziergänger“. Einen solchen hatten die Spaziergänger an den Stadrat verschickt. Thematisiert worden war in diesem Brief u.a. die Spaltung der Stadtbewohner und des Landes insgesamt. Am 18. Januar veröffentlichte die „Windsheimer Zeitung“ dann zwei ellenlange Leserbriefe von zwei Honoratioren, die Bezug nahmen auf den „Brandbrief der Spaziergänger“. Bei den beiden Honoratioren handelt es sich um zwei Ärzte, die seit Jahrzehnten im Städtchen praktizieren. Der eine ist Gynäkologe, der andere ist Orthopäde. Um es vorwegzunehmen: Die beiden Leserbriefe spotten jeder Beschreibung, sind aber gerade deswegen auch besonders entlarvend. Die beiden Herren scheinen der Illusion erlegen zu sein, ihre Reputation im Städtchen funktioniere in Kombination mit ihren Doktortiteln sozusagen wie ein „letztes Wort“ – und daß der Debatte dadurch ein „Ende mit Kompetenz“ gesetzt worden sei. Schallend gelacht hat meinereiner schon, als er sich überlegte, warum im Lokalblättchen eigentlich nur diese beiden Leserbriefe abgedruckt worden waren. Es ist nämlich so: Bei dieser „Pandemie“ handelt es sich um eine virologische und eine epidemiologische sowie um eine statistische Angelegenheit, nicht um eine orthopädische oder um eine gynäkologische. Deswegen hatten sich bereits Nobelpreisträger wie Luc Montagnier mit ihr beschäftigt, einer der beiden Entdecker des HI-Virus; der weltweit am häufigsten zitierte Medizinprofessor John Ioannidis hatte sich damit beschäftigt; der ehemalige WHO-Vize Christian Perronne, bis 2020 (!) Leiter der Impfpolitik im französischen Gesundheitsministerium; Prof. Bhakdi, Dr. Wodarg und so viele andere Spezialisten der Virologie und der Epidemiologie. Maßgeblich für die deutsche Coronapolitik waren hingegen die drei immergleichen Kapazitäten, Drosten, Wieler und Spahn, letzterer inzwischen durch den Gesundheitsökonomen Lauterbach ersetzt. Was andere, hochrenommierte Kapazitäten angeht, wurde eher so getan, als existierten sie nicht.

Den beiden Leserbriefschreibern ist lediglich gemeinsam, daß sie irgendwann einmal Medizin studiert – und einen Doktortitel erworben hatten. Niemand käme auf die Idee, sich beim Bäcker eine Expertise über die Stadtwurst des Metzgers zu holen, nur, weil beide mit Lebensmitteln handeln. Aber die beiden Leserbriefschreiber im westmittelfränkischen Bad Windsheim scheinen tief davon überzeugt gewesen zu sein, daß es einen großen Verlust für die Welt darstellt, sie nicht in den Expertenrat der WHO berufen zu haben.

Zitate des Gynäkologen

Der gynäkologische Hobbyvirologe: „Hobbyvirologen und -epidemiologen verbreiteten in den sozialen Medien ihre Esoterik und Verschwörungsfantasien und traten frech gegen Universitäten wie Harvard, Charité und Co. an – oft haperte es dabei schon bei der Rechtschreibung.“ Da hat er leider unterschlagen, daß beispielsweise die Stanford-University „frech“ gegen Harvard angetreten ist, daß später dann auch die Oxford-University „frech“ gegen Harvard angetreten ist – und daß sowohl das RKI als auch die Charité vom Herrn der Impfstoffe subventioniert werden, dem größten privaten Einzelaktionär bei den wichtigsten Pharmakonzernen weltweit, zugleich größter privater Einzelspender an die WHO, Bill Gates. Es wird doch wohl nicht der Provinzgynäkologe gewesen sein, der da einen „frechen“ Leserbrief verfasst hat?

Der Gynäkologe unverdrossen weiter über die Verantwortlichen für die Spaltung der Gesellschaft in „Impflinge“ und Impfgegner: „Wenn dem so sein sollte“ – offensichtlich weiß er es selbst nicht so genau – „wer ist verantwortlich?“ Bezugnehmend auf sein Gemäkel von weiter oben, die „Rechtschreibung“ der „Verschwörungsfantasten“ betreffend: Ein „wenn dem so sein sollte“ würde im Nachsatz den Konjunktiv erfordern, also ein „wer wäre verantwortlich“, kein „ist verantwortlich“. Niemand ist verantwortlich für etwas, das nur eventuell irgendwie wäre. „Diejenigen, die mit Bürgersinn, Verantwortungsbewußtsein, Gesellschaftsfähigkeit, Wissenschaftlichkeit um das Wohl der Gesellschaft besorgt sind und sich impfen lassen? Oder diejenigen, die aus Egomanie, Dissozialität, diffusen Ängsten die Impfung verweigern, obwohl sie sich impfen lassen könnten?“ – Wohlgemerkt, der Mann ist Arzt. Er scheint es für überflüssig zu halten, sich hin und wieder einmal „upzudaten“. Anscheinend meint er, für einen vor Kompetenz und staatsbürgerlichem Moralin strotzenden Leserbrief reiche es auch so. Der Mann kann unmöglich die neuesten Zahlen der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zur Kenntnis genommen habe. Myokarditis +924 Prozent seit Beginn der Impfkampagne in Europa, Perikarditis +1.450 Prozent. Sportler, die reihenweise mit Herzproblemen zusammenbrechen und z.T. versterben. Inzwischen über 2,5 Mio. gemeldete Fälle von unerwünschten Impfnebenwirkungen in der „Vigi-Access“-Datenbank der WHO (plus Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle), alarmierende pathologische Befunde bei Verstorbenen im zeitlichen Zusammenhang zu ihrer Impfung, Forderungen des Chefpathologen der Uni Heidelberg et al nach flächendeckenden Obduktionen, Anstieg der Mortalitätsraten in der KW48/21 gegenüber der KW48/20 um satte 28 Prozent – alles das kann keine Rolle gespielt haben, als sich der Provinzgynäkologe bemüßigt fühlte, das Lokalblättchen und seine Leser zu allem Überfluß auch noch mit einem Ausflug in die Soziologie zu beglücken, um den moralischen Niedergang durch Egomanen aufzuzeigen. Er selbst wäre natürlich kein Egomane. Völlig ausgeschlossen. Es gibt nichts, das der Provinzdoktor nicht besser wüsste, als alle anderen. Ein Wahnsinn.

Dann redet er auch noch von einer „Katastrophe“, ohne daß er irgendwelche Daten vorlegen könnte, welche statistisch die Existenz einer Katastrophe belegen würden – weder die des RKI, des PEI oder die des DIVI-Zentralregisters geben realitätsbereinigt eine her, jeden Tag fliegen neue Fake-Statistiken auf – , um zum Schluß noch zu behaupten – Zitat: „Impfen ist keine Privatsache. Wenn Freiwilligkeit und Bürgersinn Fehlanzeige sind, muß die allgemeine Impfpflicht her.“ – und das ist schon aus verfassungsrechtlichen Gründen evident falsch, wie ihm Verfassungsrechtler Dietrich Murswiek oder der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, jederzeit bestätigen würden.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung, äußerte sich dieser Tage zur „Impfpflicht des Provinzgynäkologen“. Er lehnt sie strikt ab. Ein Teil seiner Begründung ist sehr bewegend. Gassen sagte, er wolle keinem der etwa 100.000 Kassenärzte zumuten, einem Patienten eine Spritze zu verpassen, die dieser Patient partout nicht haben will. In diesem Zusammenhang sei der schlaue Provinzdoktor auch auf den Nürnberger Kodex aus dem Jahr 1947 verwiesen, den es aus guten Gründen gibt.

Der zweite und letzte Teil von „Die Spaziergänger und die beiden Provinzdoktoren“ erscheint im nächsten „Absacker“ am 20.01.2021.

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