Biosprit (Bild: shutterstock.com/Jeppe Gustafsson)

Klima-Sprit HVO 100 – politische Blockade verhindert Alternative zum Elektroauto

Es gibt eine Alternative zum herkömmlichen Sprit und zur E-Mobilität: E-Fuels und Öko-Diesel aus Abfall. Allerdings gibt es Probleme bei der Einführung. Die Grünen sind dagegen, die FDP bleibt passiv und die CDU übt Druck aus. Im April hat ein Betreiber einer Tankstelle in Frankfurt die erste Klimaschutz-Tankstelle eröffnet (Bild: 14.04.23). Dort kann man HVO 100 tanken, das ist ein synthetisch hergestellter Dieselkraftstoff aus Rest- und Abfallstoffen wie altem Frittenfett. Doch das Regierungspräsidium Darmstadt unter der Leitung von Präsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) den öffentlichen Verkauf des Kraftstoffs an der Tanksäule umgehend untersagt hat.

Ein Beitrag von Blackout-News

Klima-Sprit HVO 100: Die umweltfreundliche Alternative zu Elektroautos und die Blockade der Regierung

HVO ist schon in vielen europäischen Ländern verfügbar und wird als sofortige Möglichkeit gesehen, PKW und LKW umweltfreundlicher zu machen. Es ist auch eine Ergänzung zur Elektromobilität. Der Preis für diesen Klima-Sprit liegt etwa 15 Cent über dem normalen Diesel. Trotzdem würden einige Autofahrer ihn sofort tanken. Dazu gehören auch Unternehmer, die damit ihren Einsatz für den Klimaschutz zeigen können, ohne ihre gesamte Fahrzeugflotte auf Elektro umstellen zu müssen.

Der Plan, eine Klima-Diesel-Tankstelle in Frankfurt zu eröffnen, hat aber das Regierungspräsidium Darmstadt unter der Leitung der grünen Präsidentin Brigitte Lindscheidsofort sofort wieder gestoppt. Dies ist überraschend, da die Ampel-Regierung bereits im März zugestimmt hatte, HVO-Diesel zuzulassen. HVO-Diesel könnte ähnlich wie E-Fuels die Emissionen der bestehenden Diesel-Fahrzeuge deutlich reduzieren. Für E-Fuels sind nach 2035 Ausnahmen vom Verbrenner-Verbot bei Neuwagen geplant. Um dies zu erreichen, müssten Treibstoffe wie HVO 100 nur in die entsprechende Norm der Bundesimmissionsschutzverordnung aufgenommen werden. Bisher sind jedoch nur Beimischungen erlaubt.

Obwohl die derzeit verfügbaren Mengen an HVO-Diesel bisher nur einen kleinen Teil des gesamten Dieselbedarfs ausmachen, verzögern die Regierungsparteien konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz. Laut Brancheninformationen könnten die in der EU verfügbaren Mengen theoretisch für die gesamte Diesel-Flotte in Deutschland ausreichen. Gerade im Hinblick auf den deutschen Strommix, der aufgrund der unstabilen Einspeisung von Wind- und Solarenergie, sowie des Kernkraftausstiegs verstärkt auf Importstrom und Kohleverstromung angewiesen ist, können Dieselfahrzeuge mit HVO-Diesel sogar eine klimafreundlichere Bilanz aufweisen als Elektroautos.

Druck auf die Regierung: Hersteller und Politiker fordern Zulassung von umweltfreundlichem Klima-Sprit

Die CDU übt Druck aus, um eine Zulassung zu erreichen. Christoph Ploß, Mitglied des Verkehrsausschusses des Bundestages für die CDU/CSU-Fraktion, versteht die Verzögerung bei der Einführung des Klima-Sprits nicht. Ploß stellte eine parlamentarische Anfrage, aus der hervorging, dass die von der FDP angekündigte Zulassung noch nicht erfolgt ist. Er kritisiert das grün-geführte Umweltministerium. Ploß fordert, dass der Verkauf umweltfreundlicher Kraftstoffe wie reinem E-Diesel und HVO an deutschen Tankstellen endlich ermöglicht wird. Es wäre nur notwendig, eine seit Jahren etablierte DIN-Norm in der entsprechenden Verordnung zu nennen. Dies wäre innerhalb weniger Tage umsetzbar. Ploß fordert die FDP auf, innerhalb der Ampelkoalition dafür zu sorgen, dass der Beschluss des Bundestages umgesetzt wird.

Auch die Hersteller und Verkäufer des Klima-Sprits sind ungeduldig. Im Gegensatz zu E-Fuels ist HVO bereits verfügbar und besonders interessant für kleine und mittelständische Unternehmen mit grünen Zielen. Christian Nikolai von der Kraftstoff-Firma „FuelMotion“ hofft auf eine beschleunigte Zulassung. „Die Freigabe würde uns ermöglichen, die strengen Klimaziele sehr schnell zu erreichen, ohne auf vollelektrische Lösungen, Tempolimits oder andere Zwangsmaßnahmen zurückgreifen zu müssen. Ein gutes Beispiel ist Schweden, wo bereits über 35 Prozent des Dieselmarktes mit HVO 100 versorgt werden. Das hat zu erheblichen CO₂-Einsparungen geführt“, so Nikolai gegenüber FOCUS Online (Focus: 06.09.23).

Zulassung von umweltfreundlichem Klima-Sprit HVO 100 und Wasserstoffmotoren in Planung

Das Verkehrsministerium unter der Leitung von Minister Volker Wissing (FDP) gibt auf Anfrage bekannt: „Die Koalitionsfraktionen haben kürzlich beschlossen, dass paraffinische Dieselkraftstoffe durch die Aufnahme der DIN EN 15940 in die 10. Bundesimmissionsschutzverordnung künftig als Reinkraftstoff zugelassen werden. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr arbeitet gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz an der Umsetzung dieses Koalitionsbeschlusses. Ein konkreter Zeitplan wird derzeit erstellt.“

Die Zulassung von HVO könnte einen Schritt vorankommen, wenn es zu einer Vorstellung eines entsprechenden Gesetzes im Kabinett kommt. Allerdings plant das Bundesumweltministerium eine weitere Änderung im Zusammenhang mit der Zulassung. Diese betrifft das „Gesetz über die Beschaffung sauberer Straßenfahrzeuge“, das eine EU-Richtlinie umsetzt. Das Gesetz gilt für öffentliche Aufträge, zum Beispiel für Busse im öffentlichen Nahverkehr oder Dienstfahrzeuge von Kommunen.

Künftig soll die Förderung von Fahrzeugen mit herkömmlichen Motoren entfallen. Beimischungen sind ebenfalls nicht vorgesehen. Mit einer Zulassung von HVO und E-Fuels wären Fahrzeuge, die ausschließlich mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden, zumindest als Alternative zu Elektrofahrzeugen erlaubt. Das Gesetz sieht auch Wasserstoffmotoren vor, sowohl in Form von mit Wasserstoff betriebenen, elektrisch angetriebenen Brennstoffzellenautos als auch Wasserstoff-Verbrennungsmotoren.

Klima-Sprit als unverzichtbare Lösung: Elektro- und Wasserstofffahrzeuge noch kaum in der Nutzfahrzeugflotte

In der realen Fahrzeugflotte sind Elektro- und Wasserstofffahrzeuge bisher nur in sehr geringer Anzahl vertreten. Der Klima-Sprit für bestehende Diesel-LKW ist daher in absehbarer Zukunft unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt hat. Während immerhin 15 Prozent aller neu zugelassenen PKW rein elektrisch fahren, sind elektrische Antriebe bei LKW und schweren Nutzfahrzeugen noch selten anzutreffen. Laut einer Datenanalyse des Bundesverbands „Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung“ (BGL) beträgt der Anteil der Elektro-LKW an allen Fahrzeugen über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht lediglich 0,4 Prozent. Bei den besonders schweren Lastwagen ist der Anteil noch geringer.

Interessanterweise berücksichtigt das Gesetz zur Fahrzeugbeschaffung, ähnlich wie die EU-Abgasregeln, nicht die tatsächliche Emissionsbilanz eines Fahrzeugs je nach Antriebsart, sondern betrachtet ausschließlich die Emissionen am Auspuff. Es spielt also keine Rolle, ob ein Fahrzeug mit einer Beimischung von Klima-Sprit insgesamt weniger Emissionen aufweist als ein Elektrofahrzeug, dessen Strom aus dem deutschen Strommix kommt.

Bürokratische Hürden und Mautbenachteiligung: Kampf um Klima-Sprit entfacht hitzige Debatte

Falls sich die Parteien der Ampelkoalition auf die Zulassung des Klima-Diesels einigen und den anhaltenden Konflikt zwischen dem Umwelt- und Verkehrsministerium beenden sollten, wäre dies noch nicht das Ende der bürokratischen Hürden. Denn auch der Bundesrat müsste der neuen Verordnung zustimmen. Allerdings erwartet man, dass die grün regierten Bundesländern erheblichen Widerstand leisten. Ein weiterer Ärger für Spediteure und Unternehmen, die Klima-Sprit tanken möchten, ist die mögliche fehlende Mautbefreiung für HVO-lastige Lastwagen gemäß aktueller EU-Rechtslage. Die Mautbefreiung ist nämlich ausschließlich rein elektrischen Lastwagen vorbehalten, während sie für alle anderen Lastwagen zukünftig erhöht wird. Fahrer von HVO-lastigen Lastwagen könnten also zum Schutz des Klimas beitragen, wären durch die Maut aber weiterhin benachteiligt. Es ist ziemlich sicher, dass die Unternehmen die erhöhte Mautgebühr letztendlich an die Verbraucher weitergeben werden.

Christian Nikolai von „Fuelmotion“ erwartet jedenfalls einen langwierigen Kampf um den Klima-Sprit. Er sagt: „Wenn die Bürger erfahren, dass CO₂-Emissionen im Verkehrssektor auch ohne Zwang zu Elektroautos, öffentlichem Nahverkehr und Lastenfahrrädern reduziert werden können, könnte es schwierig sein, die ‚Mobilitätswende‘ zu verkaufen. Wenn Umweltministerin Steffi Lemke an ihrer ablehnenden Haltung festhält, bleibt letztendlich nur der Weg vor Gericht, im Interesse des Klimas.“

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